Ernte in Räpitz und ein Blick aus einem Kinderzimmer.

Als die Mähdrescher auf meinem Feld vor dem Haus mit der Arbeit begannen, war es schon duster. Es begeistert mich immer wieder, mit welcher Präzision die drei Mähdrescher und die beiden Transportfahrzeuge zusammen-arbeiten. Nachdem das Schnittwerk montiert ist, beginnt der erste Mähdrescher eine Schneise zu arbeiten. Die Traktoren mit den Hängern sollen ihm folgen können, ohne wertvolles Getreide zu zerfahren.
Die Lichtverhältnisse in der Dämmerung waren alles andere als gut. Und trotzdem flitzte ich los, um den Fotoapperat zu holen. Wahrscheinlich sollte man zur Ernte die Fenster lieber schließen. Ich aber hing bis zum Bauchnabel aus dem offenen Küchenfenster.

Der Jan überredete mich, nach unten zu gehen. Eine gute Idee, denn ich wollte mir die Kraftpakete von Erntemaschinen aus der Nähe ansehen.
Hier, wo ich wohne, in Räpitz, ist meistens eine himmlische Ruhe. Am Erntetag aber wird es richtig laut. Die Motoren dröhnen, die Schnittwerke, die Dreschvorrichtungen und die Gebläse machen lärmend ihre Arbeit. Nicht verwunderlich, dass die Feldbewohner eilig ihr Zuhause verließen und über unseren Feldweg flitzten, um im Gras hinter dem Feld zu verschwinden.
Der Bussard, ein alter Bekannter,  saß auf einem Baum am Feldrand. Heute musste er keine Runden durch die Lüfte drehen, um sein Abendbrot zu erjagen. Er glitt nur ab und zu von seinem Baum herunter, elegant wie immer.

Plötzlich sah ich ein Reh laufen. Es rannte und sprang, blieb stehen, rannte wieder und verschwand schließlich am anderem Ende des Feldes. Ups! Wo kam das denn her? Wahrscheinlich war es erschrocken vor dem Lärm der Maschinen. Genauso , wie das kleine Reh, welches ich plötzlich in der Dämmerung aufs Feld laufen sah, seiner Mutter hinterher. Es wusste, wie es sich zu verhalten hatte, denn es kehrte bald wieder um und versteckte sich.
Am anderen Tag sah ich die Rehmutter wieder neben den Büschen und Bäumen am Feld. Sie war also zurückgekehrt, wollte am Vortag wahrscheinlich nur ablenken von ihrem Jungen. Wie oft hatte ich von meinem Küchenfenster auf das Feld gespäht, um Böckchen, seine Freundin und den Nachwuchs zu sehen. Ich hatte nichts gesehen. Dabei waren sie bestimmt die ganze Zeit in meiner Nähe. Ungefähr hier, im Gras, nicht weit von meinem Wohnhaus entfernt, muss das Kinderzimmer gewesen sein.