Mein lieber Freund und Kupferstecher. Barocke Druck- und Schreibkunst aus dem Keller.

Ich war in meinen Keller gestiegen und habe meine alten Schriftbücher und Bücher über Schriften herausgesucht. Nach meinem Umzug damals hatte ich sie noch nicht einmal ausgepackt. Bei der Sichtung des Fundus war ich selber überrascht, was für Schätze ich besaß. Nein, nein, keine wertvollen Drucke, aber jede Menge geistige Nahrung aus meiner Unterrichtszeit. Mein lieber Freund und Kupferstecher!

Moment. Was war das? Kupferstecher?
Einfluss auf die Buchkunst gewann der Kupferstich in Europa im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert. Der Stichel  wurde zum wichtigsten Werkzeug, denn mit ihm ließen sich seitenverkehrt (!) Buchstaben und Grafiken auf Druckplatten aus Metall bringen.  Meistens bestanden die  aus Kupfer. Dünne Linien und Schnörkel  stellten kein Problem mehr dar. Wunderschöne typografische Gebilde entwickelten sich, aber auch unglaublich viel Firlefanz und Übertreibung.

Die Kupferstecher hatten alle Möglichkeiten in der Hand, Grafiken zu vervielfältigen, auch ohne den Autor zu fragen. Eigentlich war es üblich, den zu nennen , der  es gemacht, und den, der es gestochen hat. Eigentlich.
Es waren jetzt aber auch Möglichkeiten gegeben, Papiergeld zu fälschen. (Im Gegensatz zu heute, musste man sich noch mühen, wenn man die im Umlauf befindliche Geldmenge unzulässig erhöhen wollte.) Und mit dieser technischen Möglichkeit entstanden auch Unsicherheiten und Misstrauen gegenüber einer Berufsgruppe, den Kupferstechern. So steht die Verwendung einer ursprünglich scherzhaft gemeinten Anrede eines Freundes in einem Brief als Synonym für Argwohn und Misstrauen.

Die Lithographie löste den Kupferstich im Buchdruck ab, bestimmte Redewendungen blieben. Wie zum Beispiel die Qualitätsbescheinigung „das sieht aus wie gestochen“ oder „etwas abkupfern„.
Warum wir Deutschen so viele Substantive im Text benutzen, und was die Buchdrucker als typografische Röslein bezeichneten, erzähle ich ein anderes Mal.

%d Bloggern gefällt das: