Nächtliche Ausblicke. Sie werden mir fehlen. So wie meine Nachbarn im Dörfchen Räpitz.

Schkeitbar bei Nacht

Der Ausblick aus meinem Küchenfenster in Räpitz ist unglaublich.
Bald werde ich ihn nicht mehr haben und ein bissel traurig bin ich schon. Aber allein vom schönen Ausblick kann ich nicht leben. Zu viele Gründe treiben mich hier weg. Wenn man hier alleine lebt, auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen ist (die auch noch verdammt teuer sind), wegen jeder Briefmarke in die nächste Stadt muss, … , dann hat man einfach schlechte Karten. Eines lernt man hier, konsequente Vorratshaltung, denn es gibt nicht mal eine Tanke in unmittelbarer Nähe. ( Dem Jan wurde bei Besuchen öfter der Tabak knapp.)

Die Landärztin nimmt keine neuen Patienten mehr an. Krank werden oder krank sein darf man nicht. Und so gehen Zugezogene eben wieder.

Vieles habe ich über das I-Net erledigt. Es ist mir inzwischen viel wichtiger als Fernsehen. Meine Informationen bekomme ich über das Internet, Ämtergänge hat es mir manchmal erspart und Waren bestellen über das Netz, war ein Segen. Eigentlich ist da, wo ich (noch) wohne ein grauer Fleck auf der Karte der Netzabdeckung. Ich konnte nur Überreichweiten von Lützen abfassen. Vodafone hat sich wirklich Mühe gegeben und so hatte ich eben Netzverbindung. Andere Anbieter versprachen viel, warfen aber viel früher das Handtuch. Mir reicht das alles aber nicht. Richtig Arbeiten mit der Netzgeschwindigkeit kann man nicht. Neue Verfahren sind noch in der Erprobung und auch teuer.

Was mir aber fehlen wird, ist nicht nur mein Ausblick aus dem Küchenfenster.
Es sind vor allem meine Nachbarn. Vielleicht kann ich ein bissel Freundlichkeit mitnehmen in die große Stadt. Ein Lächeln und ein freundlicher Gruß bewirken manchmal Wunder. Mich hat das Leben auf dem Dorf zur Ruhe kommen lassen. Zu vieles war mir weggebrochen. In der Stille des Dorfes, wo man nur ab und zu einen Hahnenschrei, Hundegebell und den Gesang der Nachtigallen hört, lösten zuerst viele Tränen die eigene Starre. Es war wie eine Reinigung, denn plötzlich sah ich die aufgehende Sonne wieder, blühende Rapsfelder, den jagenden Bussard … Leben pur. Lebenswille.
Bestimmt werde ich öfter zu Besuch kommen. Da fahre ich eben mit dem Radel „andersherum“. Und die Leute vom Dorf werden bei mir immer willkommen sein. Immer.

Schkeitbar - nächtliche Sicht aus meinem Küchenfenster

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