Schlammhausen.

Vor vielen Jahren, als meine Kinder noch klein waren,  habe ich schon einmal in Leipzig-Grünau gewohnt. Als wir hinzogen, war am Nachbarhaus der Baukran noch in Aktion.
In ganz Leipzig nannte man das Viertel „Schlammhausen“, denn seine Bewohner erkannte man an den eleganten Gummistiefeln, die verschämt gewechselt wurden auf Arbeit.

Auch in Schlammhausen mussten die Fenster geputzt werden. Ich war gerade an meinem Fenster hochgeklettert, als ein kleiner Junge durch den Durchgang am Haus gerannt kam. Fast hatte er den nächsten Bauplattenweg erreicht, da blieb er im zähen Morast stecken. Der Schwung trieb ihn weiter. In Socken!
Der kleine Junge patschte durch den Schlamm zurück zu seinen Stiefeln, überlegte kurz, und stieg mit einer A…ruhe wieder in seine Stiefel. So sehr er sich auch mühte, der Morast wollte die Stiefel nicht so einfach wieder frei geben. Also stieg der Kleine wieder in den Morast und zog und zog mit den Händen an seinen Stiefeln. Plopp! Die Stiefel waren heraus und der Junge landete auf dem Po im Schlamm. In aller Ruhe blieb er sitzen, zog seine gelben Stiefel wieder an und setzte seinen Weg durch den Schlamm fort.

Der kleine Junge war Meiner.
Und weil bei meinen Kindern die Gummistiefel jeden Tag innen wie außen voller Schlamm und Morast waren, schenkten mir meine Kollegen alle abgelegten Stiefel ihrer Kinder, damit ich nur genug davon hatte.
Meine Kinder fanden diese Jahre in Schlammhausen toll.