Ein Brief an meinen liebsten Lieblingstierpfleger. Von Schafwolle, einer Zukunftsidee und einem beschwerlichen Weg.

Lämmer

Lieber R.,

ich hab versucht, dich über „das Netz“ anders zu erreichen, aber das ist mir nicht gelungen. Und nun hoffe ich mal, dass dir die Hella alles erzählen wird.

581 Gramm feinstes versponnenes Garn habe ich schon aus der Wolle deiner Schafe hergestellt. Ein schönes weißes Garn ist es geworden. Im Sommer hatte ich das Glück, die Wolle mit Brunennwasser zu waschen. Ein bissel spät war ich dran, weil ich mich zu spät für die Wolle entschieden hatte. Zupfen und Kämmen dauerte ja auch noch seine Zeit und im Herbst ist es zum langen Draußensitzen eben manchmal recht kalt. Im nächsten Jahr nehme ich die Schurwolle gleich. Schön wäre es, wenn ich dir bei der Schur helfen könnte. Einfach so. Und die Wolle nehme ich gleich mit.

Auf der Suche nach einem Raum für mein Spinnstübchen bin ich gerade. Ich möchte Spinnkurse geben, Kindern den Weg der Wolle vom Schaf zum Faden erklären. Manchmal habe ich die Suche richtig satt. Irgendwas ist immer: zu teuer, keine Toilette, …, alles muss nach der Spinnstunde wieder weggeräumt werden. Letzteres geht gar nicht, denn ich will nicht nur den Unterricht durchführen, ich möchte auch ein gutes Gefühl in einem gemütlichen Stübchen schaffen. Dort sollte man sich auch aufhalten können, bei einer Tasse Tee oder einem Fettbemmchen z.B., wenn man nicht spinnen oder filzen will. Es ist so ein verdammt langer Weg, beschwerlich, mit Rückschritten. Ich weiß, dass das richtig und gut ist, aber es gibt so viele „Wenns“ und „Achs“, dass ich manchmal einfach aufgeben möchte.  Ach, ich verschwatze mich schon wieder.

Ich danke dir für die Wolle (sie war der Auslöser, wieder mit meinen „Spinnereien“ jeglicher Art zu beginnen) und auch dafür, dass du ein Mensch bist, der anderen viel Mut machen kann. Vielleicht schaffe ich es noch in diesem Jahr, dich und meine anderen ehemaligen Kollegen zu besuchen. Dann kann ich dir alles selber erzählen und auch mal nach den Schafen schauen. Bis dahin, machs gut und sei gegrüßt von der Gudrun mit so vielen Wollflausen im Kopf.