Stolpersteine am Lindenauer Markt in Leipzig. Stilles Gedenken.

Vor dem Lindenauer Markt 22 sieht man sie – die Stolpersteine.

Die Stolpersteine sollen an das  Ehepaar Oelsner erinnern, welches  am 19.9.1942 nach Theresienstadt deportiert wurde. Johanna Oelsner, 73 Jahre, kam am 10.12.1944 ums Leben und ihr Ehemann Richard Oelsner, 72 Jahre, am 10.5.1943.
Ich kann es immer nicht fassen! Solche Schicksale! Da werden alte Leutchen aus dem Haus gezerrt…
Ihr Sohn, Wilhelm Oelsner wurde am 11.11.1942 verhaftet. Am 16.1.1943 wurde er nach Auschwitz deportiert und am 1.3.1943 im Alter von 39 Jahren ermordet.

Am 9.November finden in Leipzig Mahnwachen statt an diesen Stolpersteinen und Kerzen werden aufgestellt.
Schulen und Jugendgruppen beteiligen sich inzwischen an der Recherche über die betroffenen Personen in bestimmten Häusern. Das finde ich gut, denn einzelne Schicksale hinterlassen manchmal einen nachhaltigeren Eindruck als Zahlen, deren Höhe kaum noch erfaßbar ist.

Gestern habe ich mir Sarrazins Buch aus der Bibliothek geholt. Oh ja, ich lese das, Wort für Wort. (Gekauft hätte ich es nie!) Damit ich etwas dazu zu sagen habe, ganz genau, nicht nur das, was andere schon meinten. Und gleich auf der zweiten Seite standen mir die Haare zu Berge. Seit meinem Studium und der Auseinandersetzung mit  Thomas Robert Malthus habe ich nie wieder so einen populistisch-biologischen-statistisch-ökonomischen Mist gelesen, schlecht geschrieben noch dazu.
Als ich das Buch abholte, sagte mir jemand durchaus nicht Bildungsfremdes: „An manchen Stellen spricht er uns aus dem Herzen.“ Man sollte wirklich auf die leisen Töne hören, die in dem Land unterwegs sind. Die halte ich für bedenklicher als eine handvoll Neonazis mit Megaphon. Mit denen ist man in Leipzig ganz gut fertig geworden.

 

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