Eine Zeichnung, ein kleines Reh und ganz viel Wärme.

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Es ist gut, wenn man Menschen in seiner Nähe hat, die Wärme und Trost geben, wenn man das ganz nötig hat.

Ich war sechs Jahre alt, als es mir gar nicht gut ging. Ich hatte mehrmals im Jahr Lungenentzündung gehabt mit hohem Fieber. Mein Hausarzt machte sich große Sorgen und schickte mich zur Kur nach Bad Frankenhausen. Es war Winter, es war kalt und es gab viel Schnee. Die Bäume brachen fast zusammen unter der Schneelast. Sechs Wochen sollte ich bleiben. Die anderen Kinder durften nach Hause. Ich musste bleiben. Nacht für Nacht quälte mich schreckliches Heimweh, und fast jede Nacht weinte ich mich in den Schlaf. Bis zu dem Tag als mich meine Erzieherin mitnahm zum Anwesen des Försters. Dort wohnte ein kleines Reh. Man hatte es dem Förster gebracht, weil es ein verletztes Bein hatte. Das Bein war längst geheilt, aber das kleine Reh blieb. Eine Pforte im Zaun stand offen, der Weg zum Wald war frei, aber das Tier ging nicht fort.
Dieses kleine Reh durfte ich besuchen. Ganz zutraulich kam es näher. Ich kniete mich in den Schnee und streckte die Hand aus … Und dann konnte ich es umarmen. Es war ganz warm und ich spürte sein Herz klopfen.
Meine Erzieherin hieß Frau Hase. Ich hätte gern gewusst, ob es diese empfindsame und warmherzige Frau noch gibt in Bad Frankenhausen. Ich jedenfalls bin auch geblieben, die lange Kurzeit über. Lungenentzündung hatte ich nie wieder.

Ich wünsche ein schönes Weihnachtsfest, viel Wärme und Geborgenheit, welche, die man annehmen darf und welche, die man anderen gibt.