Meine Parkallee. Gespräche und eine Geschichte, die ich weiter erzählen muss.

Parkallee in Leipzig-GrünauMeine Parkallee in Grünau sieht zu jeder Jahreszeit schön aus. Früher habe ich sie von der Straßenbahn aus bewundert. Heute wohne ich gleich nebenan.
So ganz langsam wird es wieder grün in der Allee. Ich musste diese zarten Ansätze einfach im Bild festhalten, hatte natürlich keine Kamera dabei und musste das Handy bemühen. Der Frau, die da ganz klein noch zu sehen ist in der Ferne, musste ich erzählen, was ich da treibe. Wir sind ins Gespräch gekommen und ich erführ etwas, was mich sehr betroffen gemacht hat.

Dieser Idyllische Platz lässt kaum vermuten, dass hier in der Lindenallee (so hieß es damals) ein „SS-Arbeitslager Leipzig-Schönau des KZ Buchenwald“war. Meinen Stadtteil gab es damals nicht. Um die Bäume war Stacheldraht gezogen, zwischen den Bäumen standen Baracken.
1944 kamen in Schönau 500 junge jüdische Ungarinnen hier an, viele mit Kleinkindern, manche schwanger. Sie mussten Zwangsarbeiten verrichten im „Kaiser-Grund“  in Großzschocher, einer Maschinenfabrik, die eigentlich einmal Fördertechnik herstellte, dann aber für die Rüstungsproduktion tätig war. (Sie gehörte zu Flicks Firmenimperium) Wer nicht mehr in der Lage war, die körperlich schwere Arbeit durchzustehen, wurde mit Essensentzug betraft, geprügelt, nach Bernbug „überstellt“.
Die meisten Schönauer Häftlinge wurden nur wenige Tage vor Kriegsende auf einen Fußmarsch getrieben. Vielleicht waren es diese Frauen, die meine Mutter gesehen hatte, wie sie durch meinen Heimatort getrieben wurden.

Der unbekannten Frau bin sehr dankbar, dass sie mir aus der Geschichte meiner Parkallee erzählte. Und den Frauen von damals bin ich es schuldig, dass ich es weiter erzähle.

 

 

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