In den Schönauer Lachen. Oder, wenn eine Kräuterhexe mal nur für sich selbst sammelt.

auf dem Weg zu den Schönauer Lachen
in den Schönauer Lachen

„Sagen Sie mal“, meinte mein Hausarzt, „sammeln Sie auch mal Kräuter für sich selber? Etwas, was Ihnen gut tut? Sie sind doch die Kräuterhexe und Sie kennst sich doch selbst am besten.“
Recht hatte er. Das Wetter war so, wie Sonntagswetter zu sein hatte. Also schnappte ich mir meinen Korb und zog auf meine Kräuterwiese.
Ich genieße schon den Weg dahin. Die Büsche und Bäume schlucken den Lärm der großen Straße. Ich weiß nicht, wie oft ich den Weg schon gegangen bin, aber jedesmal entdecke ich Neues. Vergangenes und zartes Neues liegen nirgendwo so dicht bei einander wie an diesen Waldwegen. Es ist, als ob die Hektik und Quirligkeit der großen Stadt ausgesperrt sind. Die Ruhe tut gut. Ich laufe langsam, genieße jeden Schritt, das Singen der Vögel, den Geruch nach frischer Erde, Laub und Frühling.
Es war ganz ordentlich Begängnis auf der Wiese, so ganz mitten in der Großstadt. Kein Wunder, denn hier es ist zu jeder Jahreszeit schön. Im Frühling natürlich ganz besonders.

auf der Wiese in den Schönauer Lachen
meine Kräuterwiese

Nach kürzester Zeit sah ich wieder etwas seltsam aus, mit den Händen voller Erde und gelben Blütenpollen an der Hose. Meinen Vorrat an Löwenzahn habe ich geholt. Ich nutze die ganze Pflanze, auch die Wurzeln.
Mitten auf der Wiese wachsen Brombeeren. Eigentlich ist es ein richtiges Dickicht, welches so allerlei Kleingetier Unterschlupf und Schutz gibt. Vor einem Jahr hatte ich mit meinem Sohn ein Rehkietz mit seiner Mutter überrascht. Ich habe mich ganz leise mit der Kamera angeschlichen, aber diesmal war niemand hier. Ich hatte also alle Zeit der Welt, um Brombeerblätter zu sammeln. Zu schmutzigen Händen und Flecken an der Hose kam nun auch noch der eine oder andere Kratzer. Egal, ein guter und schmackhafter Bestandteil meines Wintertees ist gesichert. Und meinem Hausarzt kann ich berichten, dass ich zu allem, was er vielleicht verordnen muss, wunderbare Ergänzungen haben werde.

 

24 Kommentare zu “In den Schönauer Lachen. Oder, wenn eine Kräuterhexe mal nur für sich selbst sammelt.

  1. Du beschreibst den Waldweg so schön, liebe Gudrun, dass man das Laub, das Holz und die Frühlingsluft förmlich riechen kann. Eine Kräuterhexe darf auch mal Flecken an der Hose haben, Hauptsache, du hast gefunden, was dir guttut. Recht hat dein Arzt, man muss auch mal was für sich selbst tun.

  2. Schlau, dein Hausarzt. Bei seinem Rat hat er bestimmt nicht nur an die Kräuter sondern auch an die Ruhe und die gute Luft im Wald gedacht.
    Löwenzahnsalat esse ich auch gerne, den Spinat daraus mag ich allerdings nicht.
    LG Bärbel

  3. Ich bin jetzt mit dir gewandert, liebe Gudrun, nachdem mir heute Nachmittag der geplante Ausflug verregnet worden ist… Die Natur hält eine ganze Apotheke für uns bereit, erst neulich habe ich eine schmerzende Schulter mit Umschlägen mit Arnika-Tinktur auskuriert.
    Liebe Grüße!

    1. Zum ersten Mal habe ich mir in diesem Jahr einen Sammelkalender gemacht. Irgendwas hatte ich nämlich immer vergessen.
      Meinen Wintertee habe ich jetzt so zusammengemischt, dass er gut aussieht und auch ohne Zucker schmeckt. 🙂 Am Besuch wurde er erfolgreich getestet.
      Liebe Grüße nach München
      (Arnika wächst leider bei uns nicht. Schade)

    1. Der Salat schmeckt richtig gut wenn man ganz junge Blätter nimmt. Den kenne ich schon aus meiner Kindheit. Für „Spinat“ nehme ich Brennnesseln (wääää, mit drei n) und Brombeeren kommen auch in den Rumtopf. 🙂
      Liebe Grüße in die Aue

  4. Dann hoffe ich mal, dass all die Kräuter auch helfen und du den Winter gut überstehst, aber erst einmal soll der Sommer kommen, da gibt es doch bestimmt wieder andere Kräuter?
    Sonntag hatten wir an der Küste auch herrliches Wetter, überhaupt die ganzen Tage.

    LG Mathilda ☼

    1. Als ich im vergangenem Jahr Beifuß geholt habe, sagte ein junger Mann zu mir: „Aha, da denkt jemand schon an den Gänsebraten.“ 🙂
      Schön, dass ihr so tolles Wetter hattet an der Küste, liebe Mathilda.
      Herzliche Grüße an dich

  5. Vom Löwenzahn kann man alles verwenden. Löwenzahnblätter versenke ich auch gerne in Suppen oder Quark. Leider kann ich keine Wurzeln ausgraben. Die hätte ich zu gerne mal geröstet und zu einem Löwenzahnkaffee vermahlen. Mittlerweile habe ich einiges an Wildkräutern zu Heilzwecken in Töpfen, die ich dann auch selbst ernten kann. Die Umweltsünden versauen ja vielerorts die Naturapotheke. In Stadtnähe zB oder an Autobahnen, Industriegebieten, monolandwirschaftlichen Betrieben. Man kann ja kaum noch guten Gewissens sammeln.
    Morgen ist übrigens der Tag des Leipziger Auwaldes 😉 Auch ein schönes Stück erhaltene Natur. Ich liebe Wälder und die herrliche Luft.

    1. Auf dem Dörfchen hatte ich Glück, denn ich durfte die Futterwiese eines Ökobauern „plündern“. Da wurde nichts gedüngt und auch keine Gülle aufgefahren. Die Wiese diente als Futterspender für den Winter. Jetzt habe ich auch mal wieder Glück, denn meine Wiese ist mitten in einem Naturschutzgebiet. Alles andere schadet wahrscheinlich mehr als es gut tut.
      Liebe Isa, danke für die virtuelle Karte. Ich werde dir heute noch schreiben.

      Liebe Grüße

    1. Getrocknet, im Winter eingeweicht und in dem Wasser gekocht, gibt es einen tollen Tee gegen Rheuma, Gallen-und Leberbeschwerden und ähnliches. Wir sollen anno dunnemals viel Löwenzahn essen nach einer Hepatitisepidemie. Damals gab es nicht viel an Medikamenten. Mit dem heutigen Wissen würde ich es wieder und gerne tun. Man kann die Wurzeln aber auch trocknen, anrösten und in der ganz normalen Kaffeemühle mahlen und wie Kaffee. aufbrühen. Es schmeckt sogar wie Kaffee. Nur muss nur die Brühzeit kurz halten. Sonst wird es „gallebitter“. 🙂
      Liebe Grüße an dich, liebe Christiane

  6. Hey, dein Arzt kennt dich ja gut.
    Prima, dass du fündig wurdest.
    Und gut, dass das Reh nicht da war, sonst hättest du nun keine Brombeerblätter.
    Vom Löwenzahn alles nutzen, das ist ja interessant.
    Wo ich nur weiß, dass die Milch giftig sein soll, die Milch des Stieles.
    Ganz liebe Grüße
    deine Bärbel

  7. Löwenzahn ist zwar ein Wolfsmilchgewächs, aber giftig ist er nicht. Es ist natürlich so, dass alles Nebenwirkungen hat, genau wie die Arznei aus dem Chemielabor.
    „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, daß ein Ding kein Gift ist.“ Paracelsus hatte Recht.
    Liebe Grüße an dich, meine liebe Bärbel.

  8. Dann bist Du ja jetzt gegen allerlei Wehwehchen gut gerüstet, liebe Gudrun 🙂 Außerdem ist so ein Kräuterausflug ja auch ganz allgemein für die Gesundheit gut, man bewegt sich, ist an der frischen Luft und entdeckt vielleicht außer den Kräutern noch so allerlei anderes.
    Dein Hausarzt hat Dir das mit Absicht verordnet 😉
    Liebe Grüße von der Silberdistel

    1. Jaja, er wird sich etwas gedacht haben, liebe silbrige Distel. 😀 Ich hatte mir immer einen Hund gewünscht, damit ich raus muss. Kräuter tun es natürlich auch. In diesem Jahr liege ich sogar mal richtig gut im Plan.
      Liebe Grüße in den Norden

  9. Ach, wie schön, liebe Gudrun. Gell, wir verstehen uns? … hihi … Es ist doch so herrlich da draußen und es gibt soviel Wunderbares, das es auszuschöpfen gilt. Es kostet nur Aufmerksamkeit und kleine Mühen, aber was wir dafür bekommen, ist unbezahlbar.

    Ganz viele solcher wunderbarer Ausflüge und eine schöne Osterzeit wünscht dir
    mit lieben Grüßen
    die Waldameise

    1. Oh ja, liebe Waldameise, ich glaube, wir verstehen uns da wirklich. 😀
      Deine Almwiesen sind natürlich viel artenreicher und wirklich schön anzusehen, aber ich werde aufpassen, dass diese Wiese mitten in der Großstadt nicht einfach umgewühlt wird.
      Liebe Grüße zu dir

  10. Eben – auch mal für sich selbst. Etwas zu tun, was einem selbst zuträglich ist. Wie schnell vergisst man das im Alltag. Ja, und was ich noch sagen wollte: so eine echte Kräuterhexe erkennt man am Dreck auf den Klamotten und Kratzer am Arm von den Sträuchern. 🙂 Nur die wenigsten modernen Hexen verfügen heutzutage noch über einen Besen. Und stelle mir das jetzt mal mit einem grinsen auf meinem Gesicht vor….

    1. Jaja, dein Grinsen kann ich mir gut vorstellen und alle damit zusammenhängende Gedanken auch. 😀
      Ich habe dir ganz vergessen zu schreiben, dass die kleine Pflanze ein tolles neues Blättle bekommen hat. Sie steht, gut geschützt vor den Katzen, und etwickelt sich prächtig.
      Liebe Grüße an dich, liebe Mia

  11. Löwenzahnsalat kenne ich noch aus meiner Kindheit.
    Im Frühling bin ich mit einem Opa über die Wiesen, aber mehr noch, durch die
    frisch umgepflügten Ackerfurchen, die denen auch der Löwenzahn wuchs. Er hatte
    ein kleines Messerchen dabei und ich war sehr eifrig beim Zusehen und mich auf diese
    Mahlzeit zu freuen, die es dann am großelterlichen Tisch geben würde.
    Die Putzarbeit dauerte fast so lange wie das Suchen, aber der Geschmack des Löwenzahnsalates, der mit ausgelassenem Speck angemacht wurde, der war eine großartige Belohnung für alle.

    Auch heute noch kaufe ich immer Löwenzahn für Salat, wenn ich ihn mal irgendwo finde. Leider schmeckt der in Kulturen gezogene lange nicht so gut wie der, den ich in Erinnerung habe…

    Lächelnde Grüße von Bruni

  12. Das ist eine schöne Geschichte, liebe Bruni. Es wäre schön, wenn alle Kinder so einen Großvater haben könnten. Es ist ja nicht nur, dass das genutzt wird, was die Natur so bietet. Die gemeinsam verbrachte Zeit und etwas gemeinam Geschafftes bleibt immer in guter Erinnerung. Ich danke dir, dass du das hier erzählt hast.
    Liebe Grüße an dich

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