Stricken auf dem Bürgeramt

Vierzig Leute waren vor mir dran. Vierzig!
Das wurde mir schmerzhaft klar, als ich die Nummer auf meinem Zettel mit der auf der Anzeigetafel verglich. Ich war  schon dabei, die Backen aufblasen, um laut und vernehmlich „Dampf“ ab zu lassen. Es wurde aber schließlich doch nur ein leichtes Lüftchen.
Was soll’s, hocke ich mich eben hin und stricke.

Irgendwie muss das gleichmäßige Schlingen der Maschen sehr beruhigend sein. Neben mir saß ein Herr, der mir erst sehr interessiert zusah, dessen Augen aber mit der Zeit immer kleiner wurde.
Als ich dann endlich doch noch aus der Amtstube heraus kam, fragte er mich: „Na, alles erledigt?“
„Nö, ich muss noch mal kommen. Aber so wird die Jacke für den Winter wenigstens fertig.“
Manch einer konnte sich das Grinsen nicht verkneifen.

Ein Freund meinte dann noch, dass ich es doch mal kundtun soll in Leipzig: Montags, zwischen 10 und 12, Stricken auf dem Bürgeramt. Ich glaube, das ist gar keine schlechte Idee, aber ich getrau mich im Moment rein gar nichts.

Gestrick aus dunkler Eiderwolle
Gestrick aus dunkler Eiderwolle

Ach ja, drei Weisheiten muss ich noch loswerden:

  • Wer strickt ist die Ruhe selbst.
  • Wenn man aus einer Masche drei herausstricken soll gibt es keine häßlichen Löcher, wenn man je eine rechtsverschränkt aus dem Querfaden vor und nach der Masche herausstrickt. Plus der eigentlichen Masche sind es dann auch tatsächlich drei.
  • Manch „schwarzes Schaf“ gibt eine besonders feine Wolle.

Tschüss, bis vielleicht demnächst zum Stricken auf dem Bürgeramt. 😉

 

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