Im Verlies. Da, wo früher Landsknechte das Sagen hatten, wurde heute mit Schafwolle hantiert.

Müde bin ich jetzt schon. Und trotzdem sind das genau die Tage, wie ich sie brauche.
Gestern hatte ich ja schon meine Kiepe bepackt, mit Schafwolle, Filznadeln, Zubehör. Im Kopf war auch ein Notfallplan  für den Fall, dass nach der ersten halben Stunde sämtliche Filznadeln zerbrochen sein sollten.  Unterkleid, Überwurf, Schafwollsocken, Holzpantinen und Haube – und auf ging es, ins Schloss Altranstädt. Die Kinder der Grundschule „Nils Holgersson“ hatten heute ihren Projekttag zum Leben im Mittelalter.
Mir hatte es der mit Kopfsteinpflaster belegte Hof des Schlosses angetan. Holzpantinen klappern so schön, wenn man dort läuft.

Kaum waren Tische und Bänke im ehemaligem Gefängnis gerichtet, spazierten die ersten Kinder herein. Ich hatte für jede Gruppe nur eine halbe Stunde. Spinnrad erklären, Dornröschens Spindel suchen, von den Schafen erzählen, das Filzen mit der Nadel zeigen, beim Filzen helfen, viele Fragen beantworten, das alles sorgte dafür, dass mir nicht kühl war in dem alten Gemäuer.
„Wir haben schon mal an dem Spinnrad gesessen,“ meinten mehrere Kinder aufgeregt, „und dein blaues Schaf kennen wir auch.“ Stimmt. Aus den Kindern im Kindergarten Spatzenhaus waren Schulkinder geworden.

Eine Lehrerin fragte mich am Ende der Veranstaltung, ob mein Mund jetzt ein wenig „franzig“ sei. Ein bissel war er es schon, aber ich habe mich sehr, sehr wohl gefühlt unter den vielen aufgeweckten Rittern, Knappen, Bürgfräuleins.
Die Filznadeln haben gerade so gereicht. 🙂

14 Kommentare zu “Im Verlies. Da, wo früher Landsknechte das Sagen hatten, wurde heute mit Schafwolle hantiert.

  1. Hallo liebe Gudrun, ich freue mich mit Dir über Deinen schönen Tag. Es war bestimmt toll, den neugierigen Kindern von den Schafen, der Wolle und dem Filzen zu erzählen und ihnen auch noch das Handwerk zu zeigen. Ich glaube heute scheint Deine innere Sonne heller, als die am Himmel.
    Herzliche Grüße sendet Dir Hella

    1. Meine liebe Hella,
      es war toll. Ich denke, wir hatten alle einen tollen Tag. Zu dem alten Gemäuer passte das natürlich richtig gut.
      Wir konnten dich noch nicht besuchen, und auch an diesem Wochenende wird es nichts, weil die Zeit fehlt. Am nächsten aber klappt es vielleicht. Ich ruf dich an. 😀
      Liebe Grüße von der Gudrun, die heute im Landkreis Leipzig Holunderblüten holen war. 😀

  2. Ich freue mich, das Du Deine Leidenschaft so ein bißchen weitertragen kannst. Vielleicht wird ja doch noch mehr draus, wenn sich das erstmal rumspricht 🙂

    1. Auf alle Fälle hat es mich wieder angespornt, nach einem kleinen Räumchen zu suchen, in dem ich bleiben kann. Das ist auch schon viel, denn mir war der Mut ein bissel vergangen. 😀

    1. Genau so ist es, liebe Ute. Es war sehr anstrengend, aber das sind dann auch die Erfüllungen, die man braucht und die zufrieden und glücklich machen.

  3. …so schön, liebe Gudrun,
    dass einige Kinder gern wieder zu dir gekommen sind und dein blaues Schaf noch wiedererkannt haben…so eindrücklich sind die Stunden mit dir Spinnerin…

    lieber Gruß Birgitt

    1. Darüber habe ich mich auch sehr gefreut. Irgendwie und irgendwo muss man doch Spuren hinterlassen auf dieser Welt. Es ist schon gut, dass man nicht lieber von hinten gesehen werden möchte. 😀 Ich werde doch mal weiter spinnen!
      Liebe Grüße an dich, liebe Birgitt.

    1. Der Knaller waren die Holzpantinen. 😀 Wenn alles laut durcheinander schnatterte, musste man nur mal etwas aufstampfen. Genial. 😀
      Liebe Grüße

  4. Meine liebe Gudrun, wie gut, dass es wieder so schön geklappt hat. Und dass einige der Kinder sich so gut erinnern konnten.
    Es hat sie also beeindruckt, was du ihnen gezeigt, erzählt und beigebracht hattest.
    In einem ehemaligen Gefängnis, oha, das ist ja schon eigenartig.
    Aber dass deine Holzklotschen so schön geklappert haben, das glaub ich dir, dass sich das gut anhört, lach.
    Heute ist mal wieder ein Teil von Leipzig bei mir on.
    deine Bärbel

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