Im Verlies. Da, wo früher Landsknechte das Sagen hatten, wurde heute mit Schafwolle hantiert.

Müde bin ich jetzt schon. Und trotzdem sind das genau die Tage, wie ich sie brauche.
Gestern hatte ich ja schon meine Kiepe bepackt, mit Schafwolle, Filznadeln, Zubehör. Im Kopf war auch ein Notfallplan  für den Fall, dass nach der ersten halben Stunde sämtliche Filznadeln zerbrochen sein sollten.  Unterkleid, Überwurf, Schafwollsocken, Holzpantinen und Haube – und auf ging es, ins Schloss Altranstädt. Die Kinder der Grundschule „Nils Holgersson“ hatten heute ihren Projekttag zum Leben im Mittelalter.
Mir hatte es der mit Kopfsteinpflaster belegte Hof des Schlosses angetan. Holzpantinen klappern so schön, wenn man dort läuft.

Kaum waren Tische und Bänke im ehemaligem Gefängnis gerichtet, spazierten die ersten Kinder herein. Ich hatte für jede Gruppe nur eine halbe Stunde. Spinnrad erklären, Dornröschens Spindel suchen, von den Schafen erzählen, das Filzen mit der Nadel zeigen, beim Filzen helfen, viele Fragen beantworten, das alles sorgte dafür, dass mir nicht kühl war in dem alten Gemäuer.
„Wir haben schon mal an dem Spinnrad gesessen,“ meinten mehrere Kinder aufgeregt, „und dein blaues Schaf kennen wir auch.“ Stimmt. Aus den Kindern im Kindergarten Spatzenhaus waren Schulkinder geworden.

Eine Lehrerin fragte mich am Ende der Veranstaltung, ob mein Mund jetzt ein wenig „franzig“ sei. Ein bissel war er es schon, aber ich habe mich sehr, sehr wohl gefühlt unter den vielen aufgeweckten Rittern, Knappen, Bürgfräuleins.
Die Filznadeln haben gerade so gereicht. 🙂

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