Geheimnisverrat. Sums um die Wollwäsche.

nach dem Zwirnen nochmal ins Wasserbad
nach dem Zwirnen nochmal ins Wasserbad

Mit der Zeit sammelt sich eine ganze Menge Wissen und Erfahrun an im Leben. Es hat mich mal sehr aufgeregt, dass eine – sagen wir mal – leitendende Persönlichkeit zu mir gesagt hatte, dass man nicht alles Wissen verraten soll. Es ging nicht um Geheimnisse. Die muss man natürlich bei sich behalten, wie auch alles andere, was einem im Vertrauen mitgeteilt wird.
Ich arbeitete damals als Lehrer, unterrichtete Grafiksoftware, Typografie, Gestaltung. Nie habe ich es so gesehen, dass ICH, ICH, und nochmal ICH besser bin als andere, wenn ich mein Wissen für mich behalte, alleine davon profitiere. (Ich hab das Wort „profitieren“ absichtlich gewählt, denn um klingende Kassen geht es ja eigentlich fast immer.) Meine Maxime war immer: Wenn die Schüler irgendwann besser sind als der Lehrer, dann hat der alles richtig gemacht.
Aber was schwatze ich denn schon wieder! Das wollte ich doch gar nicht erzählen.

Eigentlich wollte ich nur mal kurz erwähnen, dass Schafwolle nach dem Spinnen und Zwirnen richtig „aufblüht“, weich und kuschlig wird, wenn man sie noch einmal in warmes Wasser legt und danach in aller Ruhe trocknen lässt.

Und wegen dem einen Satz habe ich jetzt so einen Sums gemacht? Ich werde alt. 😀

12 Kommentare zu “Geheimnisverrat. Sums um die Wollwäsche.

  1. Ich finde es manchmal abartig, was für ein Sums um Kochrezepte gemacht wird. Was da schon an wertvollen Ernährungstipps und schmackhaften Gerichten verloren gegangen ist, weil die Leutchen meinten, sie müssten – aus welchen Gründen auch immer – ihre Küchengeheimnisse partout mit ins Grab nehmen…
    Ich glaube, bei der Manie, Wissen für sich behalten zu wollen, geht es durchaus auch um das Gefühl von Macht und Überlegenheit, das man dadurch anderen gegenüber – anscheinend – hat…
    Und alt bist du ganz sicher nicht, liebe Gudrun!
    Herzliche Grüße!

    1. In einigen Tagen will ich noch einmal auf’s Dorf fahren. Dort lebt eine alte Frau, die mir mal erzählt hat, wie man früher aus tierischem Fett, was man nicht essen wollte und konnte, Seife gemacht hat. Ich will nun kein Schaf schlechten, aber wissen und aufschreiben will ich es doch.
      Und mit dem Altwerden sollte ich mich nicht befassen. Mein Hausarzt fragte mich letztens, wie alt ich denn mal werden will. 120 habe ich ihm genannt. „Das ist doch mal eine Ansage.“, meinte er. Also, dann. 🙂

  2. Ich habe eine Studienrätin zur Schwiegertochter, und wenn sie, im wahrsten Sinne des Wortes, aus der Schule plaudert, denke ich so manches Mal, dass es den meisten ihrer Kollegen/innen völlig egal ist, was sie ihren Schülern vermitteln. Da wird Stoff einfach runtergeleiert, Fragen sind unerwünscht. Das kann und darf ich jetzt natürlich nicht verallgemeinern, aber ich wünschte mir sehr, dass heute noch mehr Lehrer so wären, wie Du es gewesen bist!
    Ganz liebe Grüße von
    Elvira

    1. Die Zeiten haben sich geändert. Heute setzt man oft auf Computerlernprogramme in der Erwachsenenbildung. So spart man Personalkosten. Ein Bekannter darf zu Hause „lernen“. Da spart man auch noch den Computer. Manche Schule von vor einigen Jahren gibt es nicht mehr, denn es gibt immer jemand, der es billiger macht. Ich habe mich damit abgefunden, nichts mehr direkt tun zu können. Zur Demo gegen die sinnlose Sparerei im Bildungswesen war ich allerdings. Das kann ich noch tun.
      Liebe Grüße an dich und an deine Schwiegertochter. Schön, dass es noch kritische Menschen gibt, die in ihrem Beruf als Berufung sehen.

    2. Nö, bitte nicht verallgemeinern. Es gibt unter den Lehrern wahre Vollidioten, aber es gibt auch immer noch die mit Idealismus und Engagement.
      Anna-Lena grüßet aus dem ersten Ferientag 🙂 .

  3. Bitte, hier soll nichts verallgemeinert werden, wirklich nicht. Ich kenne viele, die bis zur Selbstaufgabe sich der Bildung verschrieben haben. Und das unter nicht gerade besser werdenden Bedingungen.
    Der Mensch, der diesen Satz gesagt hat, damals, kam aus der Industrie und es ging um die Berufsausbildung / Erwachsenenqualifizierung.
    Menschen, die sich das annehmen und das abnicken gibt es überall. Es sind zum Glück nicht alle.

  4. Liebe Gudrun, es wäre doch albern, sein Wissen nicht weiterzugeben. Ich finde, es gehört zum Leben dazu, das an andere weiterzugeben, was man weiß und gut kann. Mich hat es immer gefreut, wenn jemand von mir lernen konnte. Ich habe viele Azubis und Praktikanten betreut, da geht es gar nicht, ohne dass man eigene Kenntnisse vermittelt. Es ist doch auch ein Erfolgserlebnis für mich selbst, wenn mein Zögling dann vielleicht bei Prüfungen oder anderswo gut abschneidet.
    Deine Wolle sieht tatsächlich ausgesprochen flauschig aus – richtig zum Hineinkuscheln 🙂
    Liebe Grüße von der Silberdistel

    1. Dich kann ich mir da gut vorstellen, liebe Silberdistel. Mein Wissen gehört mir allein, habe ich leider auch bei Schülern erlebt. Degegen konnte man noch ansteuern. Aber das selbst so zu handhaben wäre gar nicht gegangen.
      Ich hatte mich gefreut, einen ehemaligen Kollegen, den ich mal sehr, sehr geschätzt habe, wiedergefunden zu haben. Wir hatten beide an ein und derselben Hochschule gearbeitet. Es wäre besser gewesen, ich hätte nichts gehört und gelesen.. Es ist eine ganze Menge Zeit ins Land gegangen, und die Menschen haben sich verändert. Es gibt manchmal Entwicklungen, die erschrecken mich einfach.
      Bei dir wäre ich gerne Azubi gewesen.
      Liebe Grüße an dich

      1. Das tut mir aufrichtig leid, liebe Gudrun, dass Du so unangenehme Erfahrungen gemacht hast. Ich habe allerdings solche Mitmenschen, wie Du sie schilderst, auch schon kennengelernt, allerdings müssen sie mir nicht Vorbild sein. Aber es ist schon so, manchmal kann man sich gegen solche Verhaltensweisen auch nur sehr schlecht wehren.
        Liebe Grüße in Dein Spinn- und Filzstübchen

  5. Liebe Gudrun,
    sein Wissen weitergeben, das ist doch selbstverständlich.
    ich hatte ein paar Azubis, denen ich alles beigebracht habe, was sein musste und natürlich noch einiges mehr. Mein weniges Wissen habe ich voll weitergegeben. Ist doch klar.
    Deine tolle Wolle konnte ich ja schon fühlen und sie fühlt sich wundervoll an.
    deine Bärbel

    1. Ich habe gerade wieder eine Wollwäsche hinter mir, liebe Bärbel, und durch die ewige Matscherei im Wasser blieben die Schrumpelhände nicht aus. 🙂 Wenn aber alles fertig ist, dann ist die Mühe vergessen und ich freue mich nur noch.
      Liebe Grüße an dich

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