Barfuß auf der Wiese im Herbst.

mein Wollkörbchen an einem Septembersonntag
mein Wollkörbchen an einem Septembersonntag

Sonntag. Sonnentag. Die wärmende Sonne tut unglaublich gut.
Mein Rotschwänzchen saß auf dem Zaun und beklagte sich über etwas. Habt ihr das mal gesehen? Da sitzt der kleine Kerl, und während er zetert und schilpt sieht es aus, als ob er bei jedem Zwitscher mit dem Fuß aufstampft. Mist, ich habe seine Brotkrumen zu Hause vergessen. Ich verspreche ihm ganz schnell, dass er seine Krumen noch bekommt. Er schimpft weiter mit mir.
Eine Libelle erkundet den neu angelegten Gartenteich. Niederlassen kann sie sich noch nicht, denn Pflanzen fehlen noch am Teich.  Ab und zu setzt sich ein Schmetterling auf die Herbstastern. Ob er auch gerade so tief durchatmet wie ich, an diesem warmen, sonnigen Herbsttag?

Neben mir steht ein Sack mit gewaschenen Milchschafwolle. Strähne für Strähne hänge ich in eine der Karden ein und streiche mit der anderen so lange über die Wolle bis die Fasern geordnet und von allem befreit scheinen, was ich in der Wolle nicht gebrauchen kann. Mein Wollkorb füllt sich mit spinnfertiger Wolle. Ich arbeite langsam, denn ich habe noch Muskelkater in den Händen von der „flotten Lotte“. Das Hagebuttenmus durchzumüllern war etwas mühselig. Die Blase am Mittelfinger ist noch nicht geheilt.

„Was machen sie sich bloß für eine Mühe“, meinte der Gartennachbar über den Zaun. „Es gibt doch nun wirklich genug Wolle zu kaufen.“
Kaufen, kaufen, kaufen! Genau das will ich nicht, wenn es nicht sein muss. Schafe habe ich keine. Geschoren habe ich auch nicht. Aber wenn meine Wolle fein ordentlich und sauber versponnen im Korb liegt, dann macht mich das so richtig zufrieden. Ich habe etwas geschaffen und somit ist es etwas ganz Besonderes. Mein Teppich, den ich mit meiner Wolle knüpfe, hat es immerhin schon auf eine Länge von 32 und einhalb Zentimetern gebracht (von mindestens 120). Böse Zungen behaupten, dass ich später mit Argusaugen den fertigen Teppich bewachen werde. Da wird wohl keiner drauftreten dürfen. Ach was! Ich glaube, ganz so schlimm bin ich gar nicht.
Dem Nachbarn habe ich das alles nicht erzählt. Er hätte mir nicht geglaubt.

Entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten nehme ich mir einige Blumen mit nach Hause. Ich möchte den Tag noch nicht loslassen.

Dalien aus dem Garten
Dalien aus dem Garten

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