Die Gaben des Herbstes

Wenn einer meint, das Kräuterjahr ist schon vorbei, dann irrt er sich. Meine Teegläser sind zwar gut gefüllt, mit allem, was ich für den Wintertee brauche, aber trotzdem bin ich immer noch viel unterwegs. Wildfrüchte müssen geerntet und die letzten Wurzeln ausgegraben werden. Zu Hause duftet es dann nach Schlehen und Schafgarbe, eben all den Sachen, die ich gerade verarbeite.
Von meinem Basilikumöl bin ich begeistert. Es schmeckt so kräftig nach Basilikum, dass es alle getrockneten oder eingefrosteten Versuche in den Schatten stellt. Bei so einer Würze kann man gern auf Salz verzichten.

Schlehen liebe ich ja ganz besonders. Weil’s so ist, hatte man mir vor einigen Jahren den Spitznamen „Schlehenjule“ verpasst. In diesem Jahr gab es zu meiner großen Freude reiche Ernte. Der erste Schlehensaft ist bereits in den Flaschen. Man kann ihn pur trinken, verdünnt mit Sprudel oder aber auch mit einem Schuß Rum. Letzteres wird an kalten Tagen bestimmt recht angenehm durchwärmen. Und genau an solchen Tagen werde ich mich an die wärmenden Sonnenstrahlen, an den Geruch nach Früchten und Erde, an die herrliche Ruhe erinnern.
Schlehensaft, Basilikumöl, Brombeerlikör, Hagebuttenmus, Rumkirschen – ich kann schon kleine Körbe packen zum Verschenken. Der Brombeeressig reift noch, ebenso wie der Pflaumenschnaps und der Herzwein aus Weißdornfrüchten.

Nein, von großartigen Reisen und Ausflügen habe ich so gar nichts zu berichten, und dass sich meine Haarfarbe verändert hat, ist dem berühmten Sack Reis gleich zu setzen. Von einer freschen Maus könnte ich höchstens erzählen, die sich ganz unverfroren im Garten neben ihre Menschen setzt und wartet, dass etwas Leckeres vom Tisch fällt. Das schnappt sie sich und tippelt auf dem Weg zu ihrer Vorratskammer auch gleichmal mit ihrem Schatz, ganz selbstvergessen, über Menschenfüße. Ich wollte der Maus Wolle schenken für ihr Winternest, aber die wollte sie nicht haben, auch nach einem längeren Vortrag über die wunderbaren Eigenschaften von Schafwolle nicht. Sie neigte nur ihren Kopf etwas schief und sah mich mit ihren Kulleraugen an. Dem kleinen Schelm ist es gelungen, mir ein herzliches Lachen zu entlocken. Die frohe Stimmung habe ich am Abend mit nach Hause genommen. Nur bin ich mir nicht sicher, ob in Zeiten, wo alles schneller, toller, weiter, schöner, aufregender, gebildeter sein muss, überhaupt eine solche Geschichte erzählt werden muss.
Ich werde die Kamera mitnehmen, wenn ich heute zum Wolle kämmen in den Garten gehe. Und vielleicht erzähle ich doch noch. Später. In einigen Tagen. Irgendwann.

Geschenke sehen in diesem Jahr bei mir so aus.
Schlehensaft, Basilikumöl, Rumkirschen und Hagebuttenmus

17 Kommentare zu “Die Gaben des Herbstes

  1. Ach Gudrun, das sind doch die schönen Momente des Lebens, die du erzählst. Schau mal bei mir, ich freue mich dumm und dämlich darüber, dass auf meinem Balkon ein Taubenschwänzchen zu Besuch war.
    Sag mal, möchtest du nicht einen Teil deiner selbst hergestellten Leckereien mal auf einem Wochenmarkt oder in einem Bioladen anbieten? Es gibt immer mehr Menschen, die so etwas wieder zu schätzen wissen.

    1. Das geht leider nicht, liebe Ute. Alles, was man an Lebensmitteln verkaufen will, muss geprüft werden durch ein anerkanntes Labor. Jede Produktion wieder. Also, würde man zweimal Pflaumenmus kocken, braucht man schon zwei Prüfungen. In Vorleistung kann ich nicht gehen und überhaupt wäre es ein teures Mus. 🙂
      Was aber geht sind Kräuterwanderungen oder das Zeigen, was man mit den Kräutern und Früchten machen kann. Das werde ich jetzt angehen.

  2. Hallo Gudrun, angeregt durch Deinen blog habe ich jetzt auch wieder angefangen, meiner „alten Leidenschaft“ nachzugehen – dem Selbermachen verschiedenster Sachen. Beim Hagebutten-Sammeln fielen mir die vielen Schlehenbüsche am Kulki auf mit den herrlichen prallen Beeren. Ich hab die bis jetzt immer nur in Klaren eingelegt, würde aber gern mal Saft machen wollen. Ich habe aber keinen (Dampf)Entsafter. Wie machst Du den Saft möglichst schonend, dass nicht soviele wertvolle Inhaltsstoffe verloren gehen? Liebe Grüße Antje

    1. Liebe Antje, genau da, am Kulki auf der Markranstädter Seite, habe ich meine Schlehen vor einiger Zeit auch noch geholt. 🙂
      Schlehen eignen sich gar nicht für den Entsafter und Sie kochen, wie beim Holunder, geht auch nicht, wegen der Bitterstoffe. Es bleibt also nichts anderes als die Beeren mit siedenden Wasser zu übergießen. Am nächsten Tag wird der Sud abgegossen, aufgekocht und wieder über die Beeren gegossen. Das Wasser wird immer röter, die Beeren platzen auf, werden immer blasser und landen am Ende auf dem Kompost.. Insgesamt wird das vier Mal gemacht. Beim letzten Mal wird nach Bedarf gesüßt, alles fein säuberlich gefiltert und der Saft noch heiß in Flaschen gefüllt und fest verschlossen.
      Ich habe Schlehen auch schon getrocknet. Sie schmecken dann wie Backpflaumen und sind eine leckere Winternascherei.
      Liebe Grüße auf die andere Seite des Sees. 🙂

      1. Liebe Gudrun, vielen Dank für Deine wirklich sehr hilfreichen Hinweise. Werde ich alles ausprobieren und dir dann vom Ergebnis berichten 🙂 Ich hätte aber noch eine Frage. Wie hältst Du es mit dem Erntezeitpunkt? Ich habe gelesen, dass man „den ersten Frost“ auch mit dem Tiefkühler simulieren kann. Andere wiederum vertreten die Ansicht, dass die natürliche Umwandlung der Gerbstoffe besser ist, da es eine enzymatische ist, die in der Pflanze vorgeht, und dafür die Beeren eben noch am Strauch hängen müssen.
        Welche Erfahrungen hast Du gemacht? Was ist nun besser oder gesünder?
        Viele Grüße
        Antje

  3. Das Mäuschen wusste, dass es keine Angst haben muss, ganz gewiss! Und wenn Du vielleicht einfach etwas Wolle liegeblassen würdest? Wer weiß, vielleicht würde der kleine Nager doch ganz gerne sein Winterbett damit auspolstern.
    Was machen eigentlich Deine Chilis?
    Liebe Wochenendgrüße schickt
    Elvira

    1. Haha, die Chilis! Manche sind eingefrostet, andere trocknen, einige sind mit Schafskäse gefüllt eingelegt. Ich überlege, ob ich mal einen Schili-Schoko-Likör mache. Schokolade herzustellen ist mir zu aufwändig.
      Die Chilipflanzen haben nochmal Blüten angesetzt. Es ist aber bestimmt schon zu spät für Früchte.
      Liebe Grüße zu dir, liebe Elvira.

    1. Dienstag früh um neun Uhr geht der Bus. 😉 Und ich werde wahrscheinlich direkt aus Mailand berichten, denn Internet gibt’s im Hotel gratis. 😉
      ♥liche Grüße!

  4. Gudrun, diesen Satz liebe ich: „Nein, von großartigen Reisen und Ausflügen habe ich so gar nichts zu berichten, und dass sich meine Haarfarbe verändert hat, ist dem berühmten Sack Reis gleich zu setzen.“ – Deine ganzen Kräuter-, Natur- und sonstigen Aktivitäten klingen für mich dennoch wie Schilderungen aus einem anderen Land!

    1. Wieso, liebe Clara? Ich weiß noch nicht mal die Hälfte dessen, was meine Oma wusste, und die ist aus diesem Land nie herausgekommen. Weil ich ihr damals nie richtig zugehört habe, musste ich später erstmal zum Wissenserwerb an die Volkshochschule. 🙂
      Ich bin gerne draußen auf meinen Wiesen. Dort komme ich dem Abstand zu anderen Dingen, den ich so sehr brauche.

  5. du bist immer auf der Suche, das ist großartig, weil du fündig wirst.
    Du kennst dich so gut aus, das ist enorm.
    Wie? Deine Haarfarbe hat sich verändert? Bei mir blitzen nun auch hie und da silberne dünne Fäden durch.
    Die Mausgeschichte ist bezaubernd.
    Siehst du, wir verzichten beim Kochen sowieso auf Salz, es geht auch ohne.
    deine Bärbel

    1. Oh ja, es geht ohne Salz. Gewürztes mit Kräutern kann so gut schmecken und hat seinen ganz eigenen Reiz. 🙂
      Meine liebe Bärbel, ich wünsche mir sehr, dass es dir gut geht und grüße dich herzlich.

  6. Gudrun, ich finde, gerade solche kleinen Geschichten, wie die mit der Maus, sollte man unbedingt erzählen. Ich konnte mir richtig schön vorstellen, wie sie dort umhergetrippelt ist. Ich finde, solche netten kleinen Geschichten machen unser Leben schöner 🙂
    Aber Deine tollen Herbstgaben haben es mir auch angetan. Sie sehen hübsch aus, machen als Geschenk etwas her und sind sicher sehr lecker, egal ob als Gewürz oder Getränk. Ich finde es toll, was Du da alles zauberst.
    Liebe Grüße von der Silberdistel

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