Warum Sachsen und Schwaben manchmal aneinander vorbeireden. Und wie ein Flederwisch das ändern kann.

GaenseEin Verwandter von uns macht gerade einen Englischkurs, intensiv, acht Stunden am Tag. Seine Lehrer sind Muttersprachler, und ein Englischlehrer erzählte, dass er ein Lieblingslied habe. Der Verwandte stammt aus Stuttgart, lebt allerdings schon fast sein ganzes Leben in Leipzig. Wenn er aber irgendwie an das Ländle erinnert wird, dann fängt er sofort an schwäbisch zu „schwätze“. In dem Falle „hät se g’sunge“ (oder so ähnlich), der Gebürtige Schwabe und der Engländer, zur Freude aller anwesenden Sachsen:

 „Auf’m Wase graset d’Hase
Und im Wasser gambel d’Fisch
Lieber will i gar koi Schätzle
Als wie so en Flederwisch.“

Ein Flederwisch, hat mir der Schwabe erklärt, ist ein Handbesen, ein Wischtuch oder so. Fast.
Früher wurde gar nichts weggeworfen, wenn schon ein Tier geschlachtet wurde. Was nicht zu verkaufen war, wurde irgendwie selbst genutzt. Mit dem „Unterarm“ des Flügels einer Gans konnte man immer noch putzen und kehren. So ist der Flederwisch quasi der Vorgänger des Handbesens.
Das Wort kommt übrigens aus dem Mittelhochdeutschen vëderwisch“ und war nichts anderes als „etwas zum Wischen aus Federn“. Das „l“ im Flederwisch wurde nachträglich eingefügt und lehnt sich an das „Flattern“ der Gänse an.
Naja, mancher Mensch ist auch etwas flatterhaft, ein Flederwisch eben.

Manchmal reden Schwaben und Nichtschwaben, Sachsen z.B., arg aneinander vorbei. Ist ein Schwabe „verschossen“, ist er tot. Ist ein Sachse verschossen, dann schwebt er mit Herzchen in den Augen im siebentem Himmel, denn er ist nur verliebt. Wenn die schwäbische Hausfrau etwas „verzählt“, dann schwatzt sie fleißig, bei der Kehrwoche vielleicht. Bei der Sächsin stimmt dann die Haushaltskasse nicht und der Haussegen hängt schief. Miteinander singen geht aber dann doch, und mit ein bissel Mühen verstehen sie sich auch.

Und ihr? Habt ihr jetzt einen Ohrwurm?

 „Auf’m Wase graset d’Hase
lal la lalla lallala…


Mein Bekannter hat mir gerade mitgeteilt, dass es oben heißen muss: Si hen gsonge. 😀

 

19 Kommentare zu “Warum Sachsen und Schwaben manchmal aneinander vorbeireden. Und wie ein Flederwisch das ändern kann.

  1. I verzähl dir mol was 🙂
    Ein Schwabe „lauft“ spaziera, während die übrige Welt „geht“
    Ein Schwabe „springt“, während die übrige Welt „läuft“
    Ein Schwabe „hopft“ (hüpft), während die übrige Welt „springt“
    Und wenn er denn mal „geht“, der Schwabe, dann heißt das, dass er dich, die Wohnung oder sonst etwas verlässt. (I gang jetzt).

    Einen solchen Flederwisch gibts heute übrigens auch noch. Wir Schwaben sind halt sparsam 🙂

    1. Du kommst hoffentlich wieder, liebe Ute. Dann ist alles gut. 🙂
      Ich habe meine Schwiegermutter aus Stuttgart immer nicht verstanden und habe Blut und Wasser geschwitzt. Schließlich wollte ich mich von meiner besten Seite zeigen. Es war aber schwierig. (Heute würde ich mich nicht mehr aus der ruhe bringen lassen.)
      Gruß ins Ländle

    1. Liebe Clara, es ist mir ein Rätsel, wie die aus dem ganzen Sprachgewurstel ein Hochdeutsch zusammen bekommen haben. Ich werde mal nachfragen. 🙂
      Ich weiß aber schon, dass Dialekte wichtig sind. Das finde ich nun wieder interessant.

    1. Nordwesten? Da bist du ja dort, wo mein jüngstes Kind hingezogen ist. Verstehe ich euch, wenn ich sie im Sommer besuchen fahre? 🙂
      Liebe Grüße in den Norden

      1. Aber locker 🙂
        Es gibt natürlich schon Plattdeutsch, welches kein Mensch versteht.
        Im Saterland wird zum Beispiel Saterfriesisch gesprochen.
        https://de.wikipedia.org/wiki/Saterfriesische_Sprache
        Auch die Plattdeutschen Dialekte im Norddeutschen Raum unterscheiden sich etwas. Meine Oma mütterlicherseits in Delmenhorst konnte ich als Kind nicht verstehen, da meine Eltern anderes Platt sprechen. Merkwürdigerweise auch meine Mutter. (Vielleicht lag es auch an Oma.) Und wir Kinder sprechen alle nur Hochdeutsch (leider).
        Der überwiegende Teil der Bevölkerung spricht sowieso Hochdeutsch und nur dann Platt, wenn der Gesprächspartner ihn in „Platt“ anspricht. Ich kenne nur ganz wenige Personen, die ausschließlich „Platt schnacken“. Die verstehe ich allerdings auch nicht immer 😉 .
        Grüßli 🙂

  2. Nein, eine Ohrwurm habe ich nicht, da ich das Lied und seine Melodie nicht kenne, liebe Gudrun.
    Eine schöne Geschichte ist das.
    Danke dafür
    deine Bärbel

    1. Ich kenne eine alte Bäuerin in einem Dorf bei Leipzig. Die hat mir erklärt, wie Federnschließen geht. Sie hat natürlich immer ihren Flederwisch. Von der Gans wird nichts ungenutzt weggeworfen. 😀
      Liebe Grüße an dich

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