Vom Schaf zum Faden und wieder zurück, ganz persönliche Bestandsaufnahme und ein großes Dankeschön.

Muetze aus selbstgewaschener und gesponenner Schafwolle
selbst gewaschen, kardiert, gesponnen und gestrickt

Als ich gestern Abend aus dem Fenster sah, fiel Schneeregen. „Passt“, dachte ich. Mit meiner Strickmütze war ich fast fertig.

Jetzt wird Frühling, die Fotografen sind auf entsprechender Motivsuche, und ich stricke eine Mütze. Warum jetzt? Und warum immer nur Wolle, Wolle, Wolle?
Stimmt, ich habe nichts von aufregenden Reisen zu berichten, habe nichts zu bieten in Sachen Dicht- und Wortkunst, habe keine bonforzionöse (ein Lieblingswort meines Sohnes) Kamera und excellente Fotos. Eine „Häkeloma“ (bitte, ich meine das nicht abwertend) bin ich aber auch nicht. Was soll es dann?

Wolle hat es mir nun mal angetan, nicht nur, weil es gut tut zu erleben, wie unter den eigenen Händen aus „schmutziger“ Schafwolle ein nützliches Teil entsteht. Das Spinnen, ob mit Handspindel oder Spinnrad, ist eine so beruhigende Tätigkeit, dass ich es nur weiterempfehlen kann. Selbst, wenn man das Spinnrad hört, einer Spinnerin nur zuschaut, überkommt einem ein wohliges Gefühl. Man kann es in Gemeinschaft machen, Sprachbarrieren gibt es kaum, Kraftakte bedarf es nicht und ganz am Ende kann man sich verwöhnen mit einem selbstgeschaffenen Produkt aus einem genialen, nachwachsenden Rohstoff. Das möchte ich gerne weitergeben und deshalb spielt Wolliges so eine große Rolle auf meinem Blog.
Ich möchte auch all die unterstützen, die Schafe halten. Wenn die Wolle wieder etwas mehr Wertschätzung erfährt, dann hilft es den Schafhaltern und den Schafen. Und vielleicht kann im Hofladen genauso geschwatzt werden wie früher unter der Dorflinde.

In diesem Monat habe ich drei Veranstaltungen „Vom Schaf zum Faden“ mit anschließendem Osterfilzen. Einmal gehe ich zu Frauen, einmal zu Kindern und einmal zu einer Selbsthilfegruppe für Behinderte. Ich freue mich schon sehr auf diese Begegnungen.
Noch nie bin ich unvorbereitet irgendwo hingegangen. Und so sitze ich und probiere, denn es soll für die, die da sitzen einfach nur ein schöner Tag werden. (Ich zeig noch, was wir filzen werden.)

Noch immer kämpfe ich darum, mir (wieder) eine Existenz aufzubauen. Es ist nicht zum ersten Mal, aber mit zunehmendem Alter, ohne Kapital und als Frau wird es immer schwieriger. Trotzdem, ich glaube daran, habe lange gesucht und überlegt, wie ich das, was ich mir im Laufe des Lebens angeeignet habe, zusammen bringen und nutzen kann. Von meiner Pädagogikausbildung kann ich zehren und bei der Arbeit in einem Freizeitpark habe alle Hemmungen verloren, mich auch mal im Kostüm zu zeigen, als mittelalterliches leipzscher Marktweib zum Beispiel. Die erschlichene Vorlesung an der Uni hat mir gezeigt, wie wichtig Dialekte sind.
Reich werde ich nicht werden, aber ich fühle mich gut.

Langeweile kenne ich nicht. Von mir aus könnte der Tag länger sein. Manchmal sitze ich sehr lange über meiner Wolle, den Filz- und Stricknadeln, dem Knüpfhaken. Langsam könnte die Dokumentation dieser Tätigkeiten und der Geschichten drumherum ein Buch füllen. Das ist ein Projekt, was mich in der nächsten Zeit auch noch sehr beschäftigen wird, neben vielen anderen Vorhaben, die mir durch den Kopf spuken.

In diesem Jahr droht mir auch noch ein besonderes Ereignis. So eines, an dem man doch irgendwie da sitzt und Bestandsaufnahme macht, wie ein schrulliger, schon etwas kurzsichtiger Buchhalter mit Ärmelschonern von anno dunnemals in den einzelnen Lebensabschnitten wie in Karteikarten blättert. Und manchmal fällt einem dann ein, was man vergessen hat zu sagen oder zu tun.
Ich habe oft so wenig Zeit, bei den Freunden, die ich über das Bloggen im Netz gefunden habe, vorbei zu schauen, zu kommentieren, da zu sein. Manchmal kann ich nur noch lesen, denn für anderes bin ich einfach zu müde. Dafür aber, dass es euch gibt, dass ihr bloggt, dass ihr so oft für mich da seid, möchte ich euch, und allen anderen, die mir immer wieder Mut machen, heute etwas Wichtiges sagen:

Danke.

 

19 Kommentare zu “Vom Schaf zum Faden und wieder zurück, ganz persönliche Bestandsaufnahme und ein großes Dankeschön.

  1. Ich habe auch keine tollen Fotos, nicht mal eine Kamera, nur mein Smartphone zum Knipsen, und ich kann nie Urlaubsreisen machen und davon erzählen, Tiere habe ich auch nicht zu bieten, meine Kinder sind groß, arbeiten gehe ich nur tageweise, was soll ich der Welt und den Menschen bieten, auch nix Besonderes. Liebe Gudrun, wir müssen nix Besonderes bieten beim Bloggen, wir müssen nur mit Freude über uns und unseren ganz normalen Alltag erzählen, das genügt doch? Du hast so großes Interesse an Schafen und Wolle und all dem Drumherum, das ist eine sehr schöne Sache, du kannst damit Menschen etwas erzählen, ihnen vielleicht Neues beibringen, und dir selbst gibt es auch was. Und so soll es sein. Das ist das Leben.
    Ganz liebe Grüße!
    Linda

    1. Liebe Linda,
      du hast ja so Recht: Wir müssen nichts besonderes bieten. Es ist eigentlich gut so wie wir sind.
      Ich habe gerade mal nachgesehen. Fünf Jahre blogge ich nun fast. Du warst von Anfang an dabei. 🙂
      herzliche Grüße an dich

    1. 🙂
      Es ist manchmal nicht leicht, in unserer Welt von „schneller, weiter, höher“ die richtige Einstellung zu finden, liebe Piri.

  2. ich kann dich in vieler Hinsicht gut verstehen. Fuer mich gehoert Handarbeit zum taeglichen Leben. Ohne das, ist es nix fuer mich. Habe viel probiert, viel gemacht, auch schon gesponnen, weil es mich eben interessiert hat. Frueher, als meine Kinder ncoh klein waren, da gab es einige Wollgeschaefte und ich habe sehr viel gestrickt. Heut gibt es gerade noch eins und so haekle ich wieder, ausser meiner Stickerei. Und ich blogge. Das macht mir auch viel Spass, mit einer kleinen Leserschaft. Das reicht mir voellig, ich brauche nicht mehr.
    Ausserdem habe ich ja auch meine Enkel und dafuer gebe ich viel von meiner Zeit her. Wann immer ich gebraucht werde, versuche ich da zu sein, habe feste Tage und viele „kannst du mal ..“ Tage.
    Damit wollte ich eigentlcih nur sagen, dass ich dich gut verstehe und dich gerne lese, und mich freue, dass du Spass an der Wolle hast.

    1. Liebe Vivi,
      wir werden unsere Handarbeiten behalten, gell? 🙂 Mir kommt das manchmal so klein vor, und trotzdem ist es schön.
      Ich freue mich besonders wieder auf die Kinder. Ich war schon mal mit dem Wollkorb bei ihnen. Mal sehen, wie es diesmal wird. Wir wollen tatsächlich Flachs spinnen, wie im Märchen.
      Ich schicke dir ganz liebe Grüße in die Ferne.

  3. Liebe Gudrun,
    ich lese immer sehr gerne bei Dir und freue mich ganz besonders, wenn Du auch Zeichnungen zeigst. Dein Blog ist authentisch. Da ist nichts gekünstelt. Du zeigst Dich, wie Du bist. Und das ist das ganz Besondere hier auf dieser Seite. Du gibst mir immer das Gefühl, es mit einem echten Menschen zu tun zu haben.
    Ganz liebe Grüße schickt Dir Elvira,
    die gerne Deine Strickausdauer haben würde

    1. Frag mal meine Kinder nach meiner Strickausdauer. 🙂 Das fliegt öfter mal in die Ecke. Bis ich es dann doch wieder raushole.
      Liebe Elvira, liebe Grüße an dich

    1. Danke, liebe M. Das werde ich mir heute noch ansehen. Hach, ich möchte mal wieder zu Schafen. 🙂
      Und mal alle Kraft zusammen kratzen.
      Liebe Grüße nach München.

  4. Gerade habe ich meinem Mann die Haare geschnitten, dieses Mal saß er auf der Fußbank und ich auf einem sogenannten Elefantenfuß. Das ist ein runder Hocker auf Rollen.
    Denn im Stehen kann ich sowas nicht mehr machen.
    Es ging wohl in seinen Rücken, er musste sich zweimal recken.
    Aber es hat geklappt.
    Du hast immer solche schönen Ideen, ich drücke dir alle Daumen, dass es endlich mit der Selbständigkeit klappt.
    Aber erst einmal die drei Veranstaltungen.
    Deine Mütze sieht richtig schön aus.
    deine Bärbel

    1. Danke, liebe Bärbel. Du hast immer viel gestrickt und ein Kompliment von dir weiß ich sehr zu schätzen.
      Anderen habe ich auch schon die Haare geschnitten. Nur bei mir selber klappt das nicht. 🙂
      Weißt du, so lange uns immer noch etwas einfällt, muss uns nicht Bange sein.
      Ich schicke dir liebe Grüße, und natürlich auch an P. mit neuem Kopf. 🙂

  5. Ich mag es wie du erzählst, wie du einen einlädst deinen Gedanken und Interessen zu folgen, und ich mag deine Auseinandersetzungen mit dir, mit dem Leben und mit der Welt und auch, dass du ein Handwerk davor bewahrst auszusterben. Und dich, ja dich mag ich auch 🙂 Du bist ein feiner Mensch, wie man bei uns sagt, und ich wünsche dir, dass dir deine Aufgaben sehr viel mehr bringen, als die täglichen Kämpfe dir jemals nehmen können.

    1. Liebe Isa, dein Kommentar hat mir die Tränen in die Augen getrieben. Deshalb konnte ich auch nicht gleich antworten.
      Weißt du, man kommt sich manchmal so klein vor, und wenn es noch einige gibt, die das dauernd erzählen, glaubt man es fast.
      Ich hatte jetzt noch mehr geschrieben, aber wieder gelöscht. Wir müssen mal wieder telefonieren.
      Liebe Grüße an dich.

  6. Ich muss Isas Kommentar noch bekräftigen – es gibt nicht viele hier, die ihren Weg so strikt und geradlinig gehen und so viel Phantasie aufbringen, um immer wieder etwas neues zu probieren.
    Irgendwo las ich, dass du Schafe willst, dann bekommst du Schafe – nicht gleich und sofort aber bald und reichlich!

    1. Du bist gut, liebe Clara, ich werde doch nicht jünger. Aber im nächsten Leben, da verziehe ich mich mit einer Herde auf die Alm. Oder eine Nordseeinsel. Oder nach Brandenburg. 🙂
      Gruß nach Berlin

  7. Manchmal schreibst Du so, daß ich an Deiner Balkontür zu sitzen glaube, eine Katze wuselt um die Beine und Du, Du sitzt da und kommentierst und redest und schimpfst vor Dich hin …

    Danke.

    Und: Dieser besondere Tag, der da kommt, ist ja wohl Dein 38. Geburtstag? 😉

    1. 🙂
      Wenn man nicht dauernd daran erinnert werden würde, könnte ich es glatt vergessen, der wievielte Geburtstag das ist. Trotzdem: Ganz schön alt.
      Das Katzennetz ist immer noch nicht am Balkon. Aber bald! Das habe ich den Weibern versprochen. Der blanke Eigennutz ist das. Wenn die beiden auf dem Balkon zu spionieren haben, dann muss ich sie nicht beschäftigen.
      Musst mal wieder kommen. Bloß nicht montags. Da ist es in Leipzig scheußlich.
      Gruß nach nebenan.

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