Du Linnentuch, du Linnentuch! Ein jeder Faden sei ein Fluch! (Ludwig Pfau)

der größte Dunderklumpen in der kleinsten Box
der größte Dunderklumpen in der kleinsten Box

Komisch! Die größten „Dunderklumpen“ müssen sich immer in die engsten Hüllen quetschen. Penny war es wohl doch nicht so ganz konfortabel im Paketkarton. Jedenfalls kuckt sie so.
Ich bekam heute ein Päckchen von Wollknoll. Das Filznadeldepot ist nun wieder gut aufgefüllt. Im Päckchen war aber auch noch etwas anderes: Leinenfasern im Kardenband. Die Fasern werde ich mit zu den Kindern in Wyhra nehmen, wenn auf der Tenne in einer Märchenstunde gezeigt wird, wie aus Pflanzenfasern, aus Lein, ein Faden entsteht.

Im Sommer hatte ich im Garten Lein gesät (Leinen oder Flachs; altgr. „linon“, lat. „linum“), weil ich wissen wollte, wie die Pflanze beschaffen ist. Mit ihren schönen, blauen Blüten machte sie sich gut zwischen all den anderen Gartenpflanzen. Nach der Ernte habe ich die Samenkapseln entfernt, geriffelt. Danach habe ich den Rest der Fasern, das Stroh, auf die Wiese gelegt. Tauröste nennt man das oder Rotte. Die harten Teile des Strohes sollen „verrotten“. Das ist auch gut so, denn am Ende will man nur die langen Fasern behalten, die versponnen werden können.
Der Gartenbesitzer mit seinem Rasenmäher war leider schneller als ich mit meiner Röste oder Rotte.

Der nächste Schritt wäre das Schwingen gewesen. Dabei wird das Stroh zuerst gebrochen und durch das Schwingen die kleinen Holzteile ausgeworfen. Man behält das Schwingwerk übrig, einen Berg Faserfitz. Diese Fasern werden nun in eine Richtung gebracht, kurze Stücke aussortiert, indem man sie immer wieder über „Kämme“ zieht. Hecheln nennt man das. Es ist mühselig und kann dauern! So, wie es dauern kann, wenn man das neue Kleid und den neuen Liebhaber der Nachbarin durchhechelt. 🙂

Gut, ich hätte eh kein Handwerkszeug gehabt, aber im Volkskundemuseum Wyhra steht welches. Die Leinenfasern werde ich mitnehmen auf die Tenne.

Ach ja: Wahrscheinlich kommt von diesem langwierigen Prozess der Ausdruck „Stroh zu Gold spinnen“. Das Stroh ist das Leinenpflanzenbündel, das Gold die mit großer Mühe gewonnenen und versponnenen Leinenfasern.
Warum jeder Faden ein Fluch sein soll, erzähle ich ein andermal.


Comments are closed.

%d Bloggern gefällt das: