Die Blüten der Schlehen und die Schlehenjule.

die Blüten der Schlehen
Schlehenblüten

Fast hätte ich in diesem Jahr die Blüten der Schlehen verpasst. Fast, denn ich änderte noch schnell meinen Sonntagsplan und sammelte. Gut so, denn jetzt regnet es in Leipzig. Ich werde also mit Inch nasse Füße bekommen, wenn wir heute Abend zur Gegendemo in die Stadt gehen. Gut, richten wir uns eben ein. Der Regen ist nötig, denn die Erde ist seit Wochen furztrocken.

Nein, Schlehen dürfen bei mir nicht fehlen, denn meine „Mutation“ zum Kräuterweib fing mit ihnen an. Mit etwas muss man anfangen, wenn man Kräuter und anderes sammeln will, was einem gut tut. Es kommt immer mehr dazu und jetzt brauche ich inzwischen schon einen persönlichen Sammelkalender. Ich hatte Schlehen zufällig entdeckt, begann zu lesen und machte so langsam einen Kult daraus. Sogar eine Verbindung der Schlehen zu Schafen, Wolle und Spinnstuben habe ich gefunden. Es dauerte nicht lange und man verpasste mir den Spitznamen „Schlehenjule“.
Vieles habe ich ausprobiert. Aus der Rinde des Baumens habe ich Tinte gemacht und Früchte habe ich getrocknet als Leckerei für Zwischendurch, als Vitaminspender und hervorragendes Pflegemittel für das Zahnfleisch. Welche Leckerei kann das alles für sich in Anspruch nehmen? Ötzi hatte übrigens getrocknete Schlehen bei sich als man ihn fand. Ich habe aus den Früchten der Schlehen Gelee gekocht und Likör angesetzt. Im Frühjahr habe ich die Blüten gesammelt für Tee, Aufgüsse für die Haut und Wundöl.

Wißt Ihr, wenn man es sein Leben lang gewöhnt war, früh auf Arbeit zu hetzen und abends zurück und wenn der Tag plötzlich diese Strukturierung verliert, muss man sich ganz schnell nach neuen Inhalten umsehen. Es braucht immer einen Grund, dass Körper und Geist aktiv bleiben. Mir kamen die Schlehen gerade Recht, mit ihnen fing vieles an. Innerlich grinsen musste ich immer, wenn mich Bekannte mit dem nämlichen Unterton in der Stimme und der am Satzende immer höher werdenden Stimmlage fragten:
„Und? Was machst du eigentlich jetzt?“
Dann konnte ich antworten:
„Ich gehe Schlehen sammeln.“
Punkt.

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