Unterwegs in Leipzig-Grünau: Die verpasste Gelegenheit.

Heute war ich wiedermal in Leipzig-Grünau unterwegs. Notgedrungenerweise, denn morgen muss ich in die Uniklinik und habe natürlich vergessen, mir vom Hausarzt die Überweisung zu holen. Also, rein in die Puschen und los.

Ein Stückchen fahre ich immer mit dem Bus mit, der mich vor einiger Zeit immer in mein Dörfchen kutschiert hat. Meine Güte, drei Jahre ist das nun schon her, dass ich wieder zurückgezogen bin in meine liebste Lieblingsstadt. Irgendwann fahre ich mit dem Bus nochmal eine Runde, vorbei an dem Haus im Dorf, indem ich wohnte. Irgendwann. Heute musste ich erstmal in meinem Viertel unterwegs sein.

In Leipzig-Grünau ist nichts „hipp“. Es gibt keine Ansiedlungen von Kreativen, keine tollen Flohmärkte und Straßenfeste, wo sich jeder, der will, einbringen kann. Man kann nicht sagen, dass nichts los ist, aber ehrlich, so richtig wird Grünau seinen Ruf als „Schlafstadt“ nicht los. Viele Ältere wohnen hier und so dudelt bei irgendwelche Festen Helene Fischer. Das ist nun mal gar nicht mein Ding. Ich fahre also in andere Wohngebiete, meist nach Lindenau oder Plagwitz, wenn ich etwas erleben will. Schade, auf das Seifenkistenrennen auf dem Fockeberg in Leipzig musste ich leider verzichten. Mit einer Wärmflasche im Kreuz macht sich das nicht so gut. Ich nehme mir das für das nächste Jahr vor.

Auf der „Heimreise“ mit dem Bus muss ich an der Haltestelle Zschampertaue einsteigen. Den Zschampert kannte ich nicht, als ich in den Achzigern des vergangenem Jahrhunderts in die Zschampertaue zog. Im vergangenem Jahrhundert, wie das klingt! Zschampert, so heißt ein Fluß, der dort in der Nähe und in Lausen zu finden ist. Als ich mich das erste Mal auf die Suche nach ihm machte, fand ich ihn nicht. Wohl überquerte ich ein Rinnsal, aber als Fuß nahm ich das nicht wahr.

An der Zschampertaue kam ich mit einer Frau ins Gespräch. Wir waren uns bald einig, dass Leipzig-Grünau seinen Namen alle Ehre macht. Das viele Grün sieht im Frühling besonders schön aus, so sauber und frisch und mit ganz vielen Farbtönen. Wir schnatterten auch darüber, wie das war in den Achzigern in Grünau und wie sich alles entwickelt hat und dass wir immer noch gerne hier wohnen. Irgendwie empfand ich es fast als störend, dass der Bus kam.

Nach meinen restlichen Besorgungen sah ich die Frau wieder. Alleine saß sie in einem Kaffee, nicht weit von meiner Wohnung entfernt.
Moment, was ist wenn ich ihr meine Visitenkarte gebe und sie bitte mich anzurufen, wenn sie wieder mal in das Kaffee geht? Vielleicht hat sie ja Lust, das nette Gespräch fortzusetzen. Ich hatte das Gefühl, dass wir uns ganz gut verstanden haben. Ich wühlte meine Handtasche durch. Mein Lieblingsprofessor würde jetzt wieder Sprüche darüber ablassen, was Weiber so alles in ihren Handtaschen herumschleppen. Toll, meine Visitenkarten fand ich nicht. Und fragt mich mal nach meiner eigenen Telefonnummer!

Schade, eine verpasste Gelegenheit. Visitenkarten aber habe ich jetzt wieder eingesteckt.

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