Minnesang in der Großstadt.

MinnesangWenn ich nachts zu Bette gehe, höre ich immer noch ein Weilchen den Nachrigallen zu. Das ist jetzt eine schöne Zeit. Pünktlich dreiviertel Zwölfe beginnt der Gesang und dauert manchmal bis zum frühen Morgen. Die einen singen um die Wette, damit sie von der Nachtigallendamenwelt erhört werden Die anderen singen gar nicht, sondern maulen den Konkurrenten an, sich aus dem Revier zu verpissen. Und wieder andere brabbeln einfach so vor sich hin. Letzteres kann ich verstehen, denn das passiert mir auch manchmal.

Ich liege nun also in meinem Bette und stelle mir vor, dass da unten einer plötzlich wie im Mittelalter anfängt, seinen Minnesang anzustimmen, selbstverständlich mir zu Ehren. Für wen sonst?

Garantiert gäbe es in meinem Haus welche, die ungehalten vor sich hin brabbeln.
Eine Nachtigallin aus dem Haus stuppst energisch ihren Gatten an: „Nu sag doch mal was, Horst-Egon!“
Und garantiert würde sich auch jemand finden, der dem da unten lauthals klarmacht, dass er lieber die Luft anhalten soll.

Wenn mir dann, mitten in der Nacht, das große Lachen ankommt, dann frage ich mich:

Wie soll man hier bloß schlafen können bei so viel Minnesang?  😀

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