Gezeichnete Wiese vor den Toren der Stadt und eine Frage. Eigentum verpflichtet. Zu wirklich allem?

Wiese vor den Toren der Stadt
gezeichnete Wiese vor den Toren der Stadt

Eine gezeichnete Wiese am Rande meiner Stadt. So ungefähr jedenfalls stelle ich sie mir vor. Am nächsten Sonnabend werde ich mit der Inch eine solche Wiese besuchen. Aber dazu später.

Pfingsten ist also vorbei. Ach nein, besonders schöne Tage waren es nicht gerade für mich. Ich wäre gerne weggefahren, aber dazu fehlt mir gerade mal das nötige Kleingeld. Nun wäre das auch nicht schlimm, denn ich habe ja noch mein Fahrrad. Damit zu fahren traue ich mich aber gerade nicht. Ich habe Medikamente umgestellt und bin jetzt fast schmerzfrei. Leider ist es so, dass das nicht bedeutet, voll einsatzfähig zu sein. Nochmal möchte ich allerdings keine Bruchlandung erleben. Also aktiviere ich alles, was ich an Geduld zu bieten habe und halte mal stille. Ich fühle mich wie ein Kettenhund.

Es blieb ja noch der Gastgarten. Was ich aber dort erlebte, bekomme ich nicht so schnell wieder aus dem Kopf heraus. Auch sorgte es dafür, dass ich dann doch lieber auf meinem Balkon blieb.
Schon vor einer Woche erzählten Gartennachbarn aufgeregt, dass sich auf dem Dachboden ihrer Laube ein Waschbär eingerichtet hätte und den Stimmen nach, die zu hören sind wenn man ordentlich Krach macht, hat er Junge. Ich kann schon verstehen, dass so etwas ärgerlich ist und dass man sich Gedanken macht, wie man Familie Waschbär wieder los wird. Man kann sich auch Hilfe holen. Die wird in allen großen Stadten angeboten.
Wir stehen noch da und diskutieren, als die Waschbärmutti über das Dach verschwindet. Die Gartennachbarin wird hysterisch, fuchtelt wild um sich und schreit mit schriller Stimme ihren Mann an: „Hol das Beil! Erschlag das Vieh!“ In dem Moment lief es mir kalt den Rücken hinunter. Neben der Dame stand ihr kleiner Sohn.

Manchmal, noch ehe ich etwas sehe, fühle ich, dass etwas passiert sein muss. Als wir Pfingsten in den Garten kamen, war bei Nachbars ein Brett am Dachbau ab. Dämmung lag auf dem Weg vor der Laube verstreut. Oh ja, es war etwas passiert. Ich weiß nicht, was mich bewogen hat, in das Wasserfass an der Grundstücksgrenze zu schauen. Ein kleiner Waschbär war ertrunken. Ich habe ihn beerdigt. Einige Blumen aus dem Garten habe ich ihm mitgegeben.
Wenig später rief ein anderer Nachbar, dass etwas Kleines auf dem Hauptweg herumkrabbelt. Naja, eigentlich ist nicht der richtige Ausdruck. Wir waren alle etwas hilflos und hofften, dass die Mutter erscheint. Ich sah, dass der Kleine am Sterben war. Meine Tränen konnte ich jetzt nicht mehr zurückhalten. In der winzigen Küche der Laube habe ich meine Vorfahren angerufen und gebeten, dem Kleinen zu helfen. Nein, ich bin nicht gläubig oder irgendwie esoterisch angehaucht. Kurze Zeit später war das Tierchen verschwunden. Weglaufen hätte er nicht können.

Wir waren zum Grillen verabredet mit ganz lieben Gartennachbarn. Es hat mir nicht geschmeckt. Ich wollte eigentlich nur nach Hause und war auch in den folgenden Tagen nicht wieder im Gastgarten. Ach, ich kann schon verstehen, wenn jemand sein Eigentum schützen will. Wenn es aber mit Tierquälerei einher geht, dann habe ich kein Verständnis mehr.

Eine gezeichnete Wiese. Was hat es damit auf sich?
Wenn alles klappt, werden wir uns, die Inch und ich, an einer Aktion der Nabu und des Ökolöwen beteiligen. Jaja, auf einer ganz besonderen Wiese und mit einer Tätigkeit, die ich schon immer mal machen wollte. Ich werde jeden Tag ein bissel mehr dazu zeichnen, bis man sieht, was wir machen werden. Und vielleicht schafft es das Zeichnen, dass ich mich wieder sortiert bekomme.

 

 

21 Kommentare zu “Gezeichnete Wiese vor den Toren der Stadt und eine Frage. Eigentum verpflichtet. Zu wirklich allem?

  1. Ach wie schrecklich was Du zu Beginn beschreibst! Mir fehlen die Worte.
    Sehr interessant finde ich Dein Erlebnis mit der Bitte an die Vorfahren.
    Es zeigt doch deutlich, dass es in Wahrheit keine Trennung gibt: Alles ist miteinander verbunden.
    Ich bin sehr gespannt wie es mit der Wiesenzeichnung weiter geht
    Sei lieb gegrüßt:
    Beate
    P.S.: Eine gute Besser wünsche ich Dir. ♥

    1. Stimmt, eine Trennung gibt es nicht. Wie immer alles geregelt ist und wie wenig wir davon wissen, aber etwas bleibt, etwas ist da.
      Manchmal wird man als Spinner abgetan, wenn man so etwas behauptet. Ich denke aber, dass man es spüren kann, wenn man einwenig sensibel an die Dinge heran geht. (Ich weiß jetzt gar nicht so Recht, wie ich es ausdrücken soll.)
      Liebe Grüße an dich, liebe Beate.

  2. Töten und Quälen ist halt für so manche Menschlein „einfacher“, als eine Lösung zu finden, die allen Lebewesen, Waschbären groß und klein, sowie den felllosen Zweibeinern zugute kommen würde…
    Mir ist jetzt ganz elendiglich zumute, liebe Gudrun…

    1. Elendig war mir auch. Das kannst du mir glauben. Weißt du, manchmal hat man gar keine Chance nach Lösungen zu suchen.
      Aber auf den Sonnabend freue ich mich sehr. 🙂
      Liebe Grüße an dich

  3. Ganz knapp und bündig, wer so mit Tieren umgeht, der geht mit Menschen auch nicht anders um. Ich bin nicht nur traurig, sondern sehr wütend. Es hätte bestimmt einen anderen Weg gegeben, die Waschbären zu vertreiben. Auf deine weiteren Zeichnungen bin ich gespannt.

    1. Das denke ich auch, dass es andere Wege gegeben hätte. Mich macht so etwas auch trurig. Übrigens hat den Spruch von den Tieren und Menschen meine Mutter auch immer gebraucht.
      Auf meine Zeichnungen freue ich mich selber auch, liebe Ute. Sie bringen mich mal wieder raus aus dem Mauseloch. Vorhin gerade habe ich uns angemeldet für Sonnabend auf der Wiese. 🙂
      Ich freue mich sehr.

  4. Mann Mann Mann. Das regt mich so auf. Das mit den Waschbären. Klar gehört er hier nicht her und klar ist es ein Raubtier und klar richtet er viel Schaden an. Nicht nur an der Dämmung. Aber das sit ja wohl kein Freibrief für Tierquälerei. Solche Leute wie Deine Gartennachbarn wollen sicher auch alle Wölfe abschhießen lassen, und die Vögel fressen die Saat weg…

    1. Oh ja, mich hat das nicht nur aufgeregt, es hat mich auch tieftraurig gemacht und gipfelte in eine Diskussion, wie nun „der Mensch“ wirklich ist, eher gut oder eher mehr nicht. Kein lustiges Thema.
      Zum Glück sind nicht alle Nachbarn so. Dem Rabe habe ich gesagt, dass er in den Gastgarten gehen soll, wenn er naschen will. Wir teilen.
      Früher habe ich immer gerne darüber geschrieben, wenn ich Wildtiere getroffen habe. Jetzt halte ich lieber den Mund, oder das Blatt Papier leer.

  5. Wir Menschen machen ja vom Gefühl her große Unterschiede, um welche Art Tier es sich handelt – ob es Schädlingstier eingestuft wird oder als putziger Waschbär, der aber dennoch den Leuten unter sich die Nacht zur Hölle machen kann.
    Werden Ratten oder Mäuse in Fallen gefangen, wird sich kaum jemand aufregen, da wir keine über Spielplätze wandernden Ratten haben wollen oder gar welche, die aus der Kanalisation gucken, wenn wir den Toilettendeckel lüften. – Doch hier bin ich auch der Meinung, dass man eine bessere Lösung hätte finden können.
    Liebe Grüße zu dir

    1. Liebe Clara, ich sprach davon, dass es Dienstleister, Jäger, gibt, die helfen. Aber wir Menschen neigen oft zur Selbstjustiz. Und da kommt nie was Gutes dabei heraus. Die Bilder habe ich lange nicht aus dem Kopf bekommen. Wir anderen haben noch überlegt, wie wir das Kleine erlösen können. Uns fiel nichts ein und wir konnten es nicht. Ohne Quälerei Probleme zu lösen ist das eine. Das andere ist, wie wir das Zusammenleben mit den Tieren organisieren. Meist ist es so, dass nicht sie in unseren Lebensraum gekommen sind, sondern wir in ihren.
      Die Waschbären haben hier keine natürlichen Feinde. Wie und wo sie herkamen, weiß ich. Deshalb muss man vielleicht auch etwas tun. Aber nicht so.
      Bei mir gibt es übrigens keine guten oder schlechten Tiere. Ich habe auch was dagegen, wenn Ratten für den neuen Lippenstift oder die neue Haarfarbe gequält werden.

  6. Gudrun, in dem Blog „belauscht.de“ fand ich gerade das:

    „Altenberger-Dom-Straße, Buchhandlung “Bücherscheune”.

    Kundin: “Ich suche was zum Thema ‘Kaninchen’.”
    Verkäuferin: “Gerne! Wollen Sie das Tier pflegen oder zubereiten?”

    belauscht von Silke1975“

    So unterschiedlich gehen Menschen an Tiere heran.

    1. Ach, ich bin kein Vegetarier. Ich esse Fleisch, wahrlich nicht jeden Tag, aber sehr wohl. Aber auch da sollte maß- und respektvoll mit dem Tier umgegangen werden. Auf den Dörfern geht es manchmal “ sauberer“ zu als in den Tierfabriken. Schlimm der Ausdruck, aber schon irgendwie richtig.
      Clara, ich hatte mich so sehr auf den Abend gefreut. So oft bin ich nicht unter Menschen. Das Erlebnis hat mir nicht gut getan.

  7. meine liebe Gudrun, das war ja ein schrecklicher Tag.
    Wie lieb, dass du das Ertrunkene beerdigt hast.
    Und wieso war das andere verschwunden, eigenartig das Ganze.
    Ich hoffe, du konntest einigermaßen schlafen.

    Aber mit Inch wirst du eine Kräuterwiese entern, da bin ich ziemlich sicher.
    deine Bärbel

    1. Mit der Kräuterwiese liegst du nicht ganz falsch, meine liebe Bärbel. 🙂 Ich freue mich sehr darauf, weil mir so etwas immer dann besonders gut tut, wenn es mir vorher ans Gemüt ging.
      Den kleinen Waschbär haben wir nicht wieder gefunden. Wir haben in allen Gärten gesucht, wollten nicht, dass er einfach so liegt. Er war weg. Ich finde es gut so.
      Herzliche Grüße an dich.

  8. Das ist wirklich traurig, man hätte wirklich jemand holen sollen, der da hilft. Frage nur, was machen die dann mit den Tieren? Einfangen und aussetzen? Mir wäre da auch der Appetit und die Lust auf Garten und Menschen vergangen.
    Liebe Grüße Linda

    1. Sie dürfen bejagt werden, das ganze Jahr. Die Mutter zu erledigen oder einzufangen und wo anders auszusetzen gilt als Tierquälerei. Mit Recht!
      Der Appetit war mir wirklich vergangen und die Bilder bekam ich lange nicht aus dem Kopf. Im Moment bin ich ein Sensibelchen und Tränen gab es an dem Sonnabend reichlich.
      Liebe Grüße an dich, liebe Linda.

  9. Ich habe eben diesen Artikel gelesen: http://m.tagesspiegel.de/berlin/tierdrama-in-karlshorst-feuerwehr-rettet-100-jungvoegel-aus-verschlossenen-nestern/11828592.html?utm_referrer=http%3A%2F%2Ft.co%2FBZw2vzOEPG

    Es gibt aber GsD auch Menschen, die sich kümmern, wie der Artikel zeigt. Auf der anderen Seite leider auch die anderen, denen das Tierwohl gleichgültig ist. Als ich im letzten Jahr mit einer Bekannten im Fläming telefonierte, erzählte sie mir, dass ihr Mann (Jäger) gerade bei Nachbarn einem Waschbären auflauert. Tier ist leider nicht Tier. Umso mehr erfreut mich Deine Wiese!
    Liebe Grüße,
    Elvira

    1. Ja, diese Menschen gibt es. Danke für deinen Link. Es hat gut getan.
      Als ich in den Landkreis eingeladen war, durfte ich solche Menschen kennen lernen. Ihnen ist nicht egal, was auf die Felder gekippt wird oder wie mit den Tieren umgegangen wird. Alls ein Grundstück mit alten Mauern und alten Baumbestand frei wurde, haben sie es gekauft, damit es erhalten bleibt. Klar muss uns alle die Landwirtschaft ernähren. Aber wie das geschieht, darüber muss noch geredet werden.
      Liebe Grüße an dich, liebe Elvira. Danke, dass du da warst.

  10. welch eine Aufregung! Das mit dem Kind ist ja krass…
    Da hilft nur Aufklärung. Je mehr Waschbären getötet werden, umso mehr Nachwuchs wird sich nämlich einstellen. So ist das bei den Waschbären. Es gibt aber Möglichkeiten sich vor einem Waschbär-Einzug zu schützen. Die sollten genutzt werden.

    1. Ach, liebe Isa, die haben schon alle gelesen. Wenn es aber dann einen selbst betrifft, dann hört jegliche Vernunft auf.
      Mich macht traurig, dass es so einfach ist, auszugrenzen, Tiere und auch Menschen. Passt etwas nicht ins Schema, dann ist Abgrenzen leichter als über ein Miteinander nachzudenken.
      Im Moment hat mein Optimismus sehr gelitten.
      Liebe Grüße an dich

  11. Die Waschbären (und nicht nur die) suchen sich neue Räume, weil Mensch ihre natürlichen Räume immer mehr einengt, das eigentliche Problem begann schon viel viel früher …

    Die Waschbär-Wohnstube im Gartenidyll war weder für Tier noch für Mensch ideal, so dass sicher Handlungsbedarf war … aber so!?

    Achtsam und respektvoll müssen wir mit unserer Umwelt, mit allem was darin kreucht und fleucht und wächst, umgehen.

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