Alte Handwerkskünste. Auf der Streuobstwiese, Teil 3.

Alte Handwerkskünste: das Dengeln.
Alte Handwerkskünste: das Dengeln.

Dass mich alte Handwerkskünste begeistern, ist wahrscheinlich bekannt. Schließlich gehören Spinnen und Filzen auch dazu, genauso wie Salz und Seife sieden, Wolle färben und anderes. Clara meinte irgendwann, dass ich wahrscheinlich gerne im Mittelalter gelebt hätte. Oh, nein, das nun nicht. Die rauhen Sitten und das harte Leben hätte ich Sensibelchen bestimmt nicht lange durchgehalten. Aber vieles ausprobieren oder wissen, was damals schon bekannt war, möchte ich schon. Es begeistert mich immer wieder, wie mit wenigen Mitteln und aber viel Geschick gewerkelt wurde. Auch möchte ich, dass alte Handwerkskünste nicht in Vergessenheit geraten.

Wenn wir Glück haben, zeigt man uns am Sonnabend, wie eine Sense gedengelt wird. Mit kurzen, harten Schlägen auf die Schnittkante kann man die Dellen aus dem Stahl schlagen.
„Du kannst noch so lange dengeln,“ sagte meine Mutter immer, wenn ich wiedermal besonders ungeduldig war und von einem Bein auf’s andere hüpfte, „es geht trotzdem nicht schneller. Also gib Ruhe!“
Klar, wenn meine Ungeduld hörbar gewesen wäre, dann so: „Deng, deng, deng.“

Und morgen verrate ich, was wir nun wirklich auf der Streuobstwiese machen werden. Einmal zeichne ich noch. 🙂

17 Kommentare zu “Alte Handwerkskünste. Auf der Streuobstwiese, Teil 3.

  1. Haha, Gudrun, hat dich diese Clara ins Mittelalter versetzen wollen – wirklich allerhand von ihr.
    Bei uns hieß dieses nörglige Ungeduldigsein eher „ningeln“ – aber dengeln kenne ich vom Handwerk her auch.
    Liebe Grüße zu dir!

    1. Jaaaaa, das hat sie tun wollen. 😀
      Ningeln ist bei uns so eine Weinerlichkeit, ein Herz erweichen wollen. Ich habe gute Ohren und hörte mal, wie meine Tochter im Kinderzimmer zu ihrem Bruder sagte: „Los, ningele mal noch ordentlich. Dann darfst du das bestimmt.“ Neiiiiiin. Er durfte nicht. 🙂
      Gruß an dich,liebe Clara.

  2. Liebe Gudrun, deine Geschichten und selbstgezeichneten Bider sind einfach einzigartig interessant. Du hast eine unnachahmliche Art uns von der früheren Zeit zu erzählen. Deine tollen Bilder runden dieses wundervoll ab.
    ganz liebe Grüße von Bärbel

    1. Oh, du machst mich ganz verlegen, liebe Bärbel. Herzlichen Dank, dass du mir das geschrieben hast. Es tut gut. Und es ist Ansporn.
      Liebe Grüße an dich.

  3. Deine Art uns alte Techniken beizubringen, ist so zart und doch intensiv.
    Du kannst es einfach.
    Was bin ich froh, dich zu kennen.
    deine Bärbel

    1. Ich versuche es, meine liebe Bärbel. Ein Weilchen möchte ich schon noch meine Geschichten erzählen.
      Ich schick dir ganz liebe Grüße und werde jetzt noch einmal zeichnen.

  4. An das Dengeln kann ich mich noch gut erinnern, ich kenne das aus Kindertagen, da hat der Bauer seine Wiesen in der Nachbarschaft immer mit der Sense gemäht. Ich habe noch das sanfte „Wusch-Wusch“ im Ohr, wenn das Sensenblatt durch das üppige grüne Gras und die ungezählten Wiesenblumen fuhr…
    ♥liche Grüße!

    1. Haha, du hast den Daumen drauf, liebe Martha. 🙂
      Ich freue mich sehr auf morgen, denn im Moment feiert Leipzig sich selber. Ich mag nicht mitfeiern, habe dafür nicht so recht einen Grund.
      Liebe Grüße an dich.

  5. Liebe Gudrun, die rauen Sitten und das harte Leben im Mittelalter spiegeln sich in der damaligen Lebenserwartung von in etwa 35 Jahren wider … also ich hätte in jenen Zeiten das Verfallsdatum schon mehr als deutlich überschritten. 😉

    Mich faszinieren alte Handwerkskünste ebenso wie Dich, deshalb zieht es mich und die Meinen auch immer wieder in Freilichtmuseen oder auf Burgen/in alte Klöster. Ebenso wie heute war früher vieles nicht gut. Aber das was gut war, sollte man bewahren und weiterreichen. Bei altem Handwerk kann man noch die Wertigkeit einer Arbeit/eines Gegenstandes erfahren, etwas was bei modernen Produktionsverfahren nicht mehr sichtbar ist.

  6. Das Hauen mit der Sense, das Dengeln und Wetzen kenne ich auch noch. Früher gab es keine Rasenmäher, da bekam das Gras bzw. das Heu das Vieh. Ich liebte den Geruch von frischem Heu. Die Katzen saßen gern darin und warteten auf die Mäuslein.
    Liebe Abendgrüße von Kerstin.

    1. Stimmt, der Duft ist umwerfend. An der Sense habe ich mich noch nie versucht. Mein Arbeitsgerät war bisher immer der Rechen. 🙂 Ich möchte es schon gerne können, mit der Sense umzugehen.
      Liebe Grüße an dich, liebe Kerstin.

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