In der Bibliotheca Albertina, mit ganz viel Lesehunger und auf der Suche nach Antworten.

Eingang zur AlbertinaAls ich annodunnemals meine Diplomarbeit schrieb gab es die Albertina nicht so, wie sie jetzt wieder nutzbar ist. 1994 begann man mit der aufwendigen Wiederherstellung und Erweiterung des Hauptgebäudes. Abgeschlossen wurde der vollständige Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gebäudes 2002.
Damals, vor einem halben Leben, hatte ich mir ganz fest vorgenommen, in die Bibliotheken zu gehen und all das zu lesen, was ich lesen will und nicht das, was ich gerade sollte und musste.
So richtig wahr gemacht hab ich das nie.

Auf „Hypezig“ habe ich gerade so gar keine Lust. Die Berichte von tollen, charismatischen „Ecken“ und außergewohnlichen Events überschlagen sich geradezu. Nicht dass ich nicht rausgehe,  nichts sehe und nichts erlebe, aber ich liebe meine Stadt auch ohne Trommelwirbel. Ich sehne mich geradezu nach Ruhe.

Gestern nun war ich mit meiner Tochter in der Albertina verabredet. Ich wollte unbedingt etwas lesen, hatte mir auch die Signatur herausgesucht und musste feststellen, dass ich nicht richtig gekuckt hatte. Das „Werk“ gibt hier nicht. Ich werde also nochmal los müssen, in die Karl-Heine-Straße.
Wenn ich aber nun schon mal da war, dann blieb ich auch.  Meine Tochter wird bald nicht mehr in Leipzig sein, die Albertina allerdings bleibt mir erhalten.

Mir ging es wie Emil, der immer Bücher „findet“, die ihn dann nicht gleich wieder loslassen. Ich fand auch Zweie, las mich fest. Gut, dass die Albertina in der Prüfungszeit bis 24.00 Uhr auf hat. Besonders in den Abendstunden, sitzend in einem großen Lebersessel, ließ sich das gut aushalten. Ich gebe zu, dass es eher ein Fläzen war. Einen tollen Blick aus den geöffneten Fenstern auf den in den letzten Sonnenstrahlen liegenden Innenhof hatte ich auch noch.

Das eine Buch war von Dirk Schröder, „Deutschland einig Vaterland“.
Wisst ihr, dass ausgerechnet die Literaturwissenschaft mir so viele Fragen beantwortet, die mich umtreiben und nicht zur Ruhe kommen lassen, hätte ich nicht für möglich gehalten.
Ich habe mir Notizen gemacht.

Das zweite Buch war von Thomas Andre Kriegskinder und Wohlstandskinder – Die Gegenwartsliteratur als Antwort auf die Literatur der 68er“.
Da schaut mir meine Tochter über die Schulter und flüstert mir ganz leise ins Ohr: „Hehe, das sind ja unsere Generationen. Das sind wir.“ Ja, irgendwie schon. 😀

in der Albertina, mit Fensterblick

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