Abschied in Leipzig.

Leibnitzdenkmal
Leibnitzdenkmal im Hof der Uni Leipzig

Leipzig, heute Mittag.
„Treffpunkt 11:30 Uhr am Denkmal.“
Zum letzen Mal bin ich heute zum Leibnitzdenkmal in den Unihof gegangen, um die Tochter abzuholen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie ihre letzten Prüfungen hinter sich. Ihr Studium ist vorbei, der Arbeitsvertrag ganz oben im Norden der Republik ist unterschrieben. Alles ist erfreulich und gut.
Es bedeutet aber auch Abschied und Abschiede tun immer etwas weh.

Das ist jetzt so, dass die Kinder nicht mehr an der Scholle kleben. Man hat sie ja auch zur Selbständigkeit erzogen, zu offenen und neugierigen Menschen, die auch anderswo zurecht kommen und ihren Weg gehen. Man muss sich einfach einrichten.
Im September fahre ich die Tochter besuchen, ganz oben zwischen Nord- und Ostsee. Ich wollte schon immer mal barfuß durch die Nordsee „latschen“.

Die Tochter hat mir „meine“ Uni wieder nahe gebracht, wo ich schon dachte, dass es nicht mehr meine ist. Ich bin mit zu Vorlesungen geschlichen und in die Bibliothek, und als die Studis gegen Kürzungen auf die Straße gegangen sind, bin ich mit gewesen.

Meine Tochter wird jetzt die Uni und Leipzig verlassen und ich habe beschlossen, im Wintersemester ein Seniorenstudium zu beginnen. Wissen ist etwas, was einen keiner wieder wegnehmen kann, zu keinem Zeitpunkt und unter keinen Umständen.

Trotzdem, mir ist die Tage ein bissel das Herz schwer, denn das jüngste Kind macht sich auf, verlässt Leipzig.

36 Kommentare zu “Abschied in Leipzig.

  1. Ja das kann ich sehr gut verstehen, dass das Herz ein wenig schwer ist. Ich glaube das gehört wohl dazu. 😉
    Aber es ist doch das Wichtigste, wenn die Beziehung zu den Kindern gut ist!
    Schön, dass Du sie besuchen kannst und Deine Füße werden sich auch freuen. :-0

    1. Ja, die Füße werden sich freuen. 🙂
      Gut ist, dass es so viele Kommunikationsmöglichkeiten gibt. Man ist also nie außen vor.
      Liebe Grüße an dich, liebe Beate.

  2. Die Nordsee ist was wunderbares!
    Wir machten einmal eine Reise – nein, sogar zweimal- nach Wings und Helgoland.
    Es ist eine andere Welt. Wenn du oben auf dem Felsen stehts auf Helgoland und weit auf das Meer schaust, denkst das Universum gehört dir.
    Nun weiss ich aber nicht in welche Ecke sie kommt, nah genug ist es alles um die Schönheiten des Nordens kennen zu lernen.
    Seniorenstudium ist eine gute Idee. Was möchtest du studieren? Egal was, es soll dich weiterbringen, wir möchten aber auch was davon haben!
    Viel Erfolg! Bleib gesund und munter!

    Marta,
    Von Nordosten Hungary

    1. Meine Tochter hat mir gestern verraten, dass sie schon geplant hat. Ich werde zum Beispiel mit in eine Schaferei und Käserei gehen und Käse herstellen. Das finde ich Klasse. 🙂 Und für Blicke auf’s Meer reicht es bestimmt auch noch. Ich freue mich auf die Leute da oben.
      Einen lieben Gruß an dich

  3. Abschied tut immer weh, ganz besonders natürlich von der eigenen Tochter. Aber liebe Gudrun, sieh es einfach so – du kannst sie besuchen und lernst eine neue Ecke deines Heimatlandes kennen.

    1. Ja, das stimmt. Ich freue mich sehr darauf. Meine Tochter hat mir schon viel erzählt und nun bin ich natürlich neugierig auf das Land und besonders auf seine Leute.

    1. Naja, das ist nun das dritte Mal. Eigentlich müsste ich es schon gewöhnt sein. So ist es aber nicht.
      Trotzdem freue ich mich sehr, dass es m Leben meiner Kinder sich alles so gut fügt.

  4. das ist schwer. Da hatte ich es viel leichter. Erstens hatten meine bis sie geheiratet hatten, daheim gelebt, und danach wohnen sie ganz in der Naehe. Dadurch bin ich eine sehr zufriedene und auch fast immer erreichbare Mutter und Oma geworden. Jetzt hat gerade mein Mann einen Enkel mit zum Markt genommen. Das geht alles, wenn man nahe wohnt
    alles Liebe an dich

    1. Ich hätte sie mir auch alle in der Nähe gewünscht und ab und zu um einen großen Tisch herum. So ist es nicht gekommen, aber ich glaube, so wie es ist, ist es gut.
      Mit dem Wollkorb werde ich eben immermal zu anderen Kindern gehen. 🙂
      Liebe Grüße in die Ferne, liebe Vivi

  5. Das schreibst du was… Wir „verlieren“ unsere Tochter gerade an den „schönsten Arsch der Welt“. Womit kein Schwiegerkerl gemeint ist, sondern ihre Auswanderung nach Neuseeland.
    In wenigen Tagen geht es los.
    Ich kann also gut verstehen, wie einem ums Herz ist, das Töchterlein in die Ferne ziehen lassen zu müssen…

      1. Wenn man das Töchterlein fragt, legt sie das „Projekt“ für 4-5 Jahre an. Beim SchwieSo in spe klingt es nach „für immer“. Ich hoffe, die weibliche Seite der Auswanderung setzt sich durch 😉

          1. Das stimmt, ist in der Tat sehr tröstlich. Das Haus meiner größen Tochter in den USA kenne ich inzwischen ganz gut, obwohl ich noch nie da war.

    1. Ach ja, die älteste Tochter wohnt in den USA. Das ist auch ein bissel weit weg. Trotzdem haben wir immer einen recht engen Kontakt dank der Kommunikationsmöglichkeiten. Ich kenne mich in ihrem Haus inzwischen ganz gut aus.
      Neuseeland! Hach, da gibt es ganz viele Schafe. 🙂
      Lassen wir sie mal ziehen, liebe Frau Tonari. Ich glaube, sie machen alles richtig.

    2. liebe Frau Tonari, genau die Zeit fuer dich, die naechste Reise dorthin zu planen. Es wird dir sicher nciht leicht werden, aber aendern kann man da nix. Ich habe ganz einfach Glueck gehabt, aber meine Eltern udn Schwiegereltern hatten es schwer, dass sie die Enkel fast nur „auf Bildern“ hatten. Sie kamen meist einmal im Jahr oder zweimal auf Besuch, bis sie endlich auch herkamen, aber das war schon um einiges spaeter.

      1. Tja, Nz hat uns gut gefallen. Wer hätte im Dezember letzten Jahres ahnen können, dass wir wohl bald wieder zwischen all den Schafen stehen werden 😉

  6. Ich nehme dich mal ganz fest in den Arm … Das Loslassen der erwachsenen Kinder tut doll weh, auch wenn man gleichzeitig stolz darauf ist, daß sie ohne uns leben können, was sie ja auch sollen!
    Liebe Grüße Linda

    1. Dir geht es ja auch so, liebe Linda. 🙂 Komisch, man weiß um die Situation schon lange, müsste eigentlich vorbereitet sein. Und trotzdem drückt der Stein auf dem Herzen.
      Liebe Grüße an dich

  7. Bis meine Waldkinder flügge werden vergeht zum Glück noch etwas Zeit, aber ein wenig kann ich es schon nachvollziehen.

    Das Seniorenstudium finde ich eine tolle Idee. Zumal ihr in Leipzig anscheinend in den normalen Lehrveranstaltungen mit drin sitzt. Hier in Chemnitz gibt es eigen Vorträge für die Senioren. Hat wohl alles seinen Vor- und Nachteile.

    1. Man kann sogar fachübergreifend wählen. Gut, es geht ja nicht mehr um Berufsabschlüsse.
      Ich hatte mich ja schon mal mit eingeschmuckelt. Die jungen Leute fanden gar nichts dabei, dass älteres Semester mit rum hockt und mir tat deren Gegacker und die Unruhe der Jugend gut. Diesmal werde ich mich auch in Seminare wagen. Das ist bei Ausgewiesenen möglich.
      Diese Möglichkeit der ganz privaten Weiterbildung tröstet mich darüber hinweg, dass ich wieder in eine heiße und laute Stadt ziehen musste. 🙂

  8. Ich kann nachempfinden, was Du gerade fühlst. Der Aus- und Wegzug der erwachsenen Kinder hinterlässt eine Lücke. In der Wohnung, der Stadt und dem Herzen. Unser Verhältnis zu ihnen kann noch so gut sein, wir werden dennoch zu Zuschauern. Ein großer Teil ihres Lebens wird für uns unsichtbar werden. Auch wenn ich weiß, dass das der normale Gang ist, tut es manchmal immer noch weh.
    Ich drücke Dich!
    Ganz liebe Grüße schickt Elvira

    1. Ach, jetzt kullern gerade mal wieder einpaar Tränen.
      Ich hab schon mit mir gekämpft, als die Kinder aus der Wohnung auszogen. Was war hier manchmal für ein Theater auf engstem Raum. Trotzdem.
      Ich beneide jede Oma, die ihre Enkel ab und an bei sich hat.
      Danke für’s Drücken. Wenn ich Anfang Oktober meinen Sohn besuche, drücke ich zurück.
      Liebe Grüße an dich.

  9. Ich kann sehr gut verstehen, dass dir das Herz schwer wird. Aber so hast du künftig immer einen mehr als guten Grund an die See zu fahren. 🙂

    Hab ein schönes Wochenende.

    LG Frauke

    1. Das stimmt. Und ich freue mich auch sehr darauf. Ich glaube, ich werde mich da oben wohlfühlen.
      Liebe Frauke, herzliche Grüße an dich.

  10. Gaststudium – ich komme mir!

    Ich denke es tut gut zu wissen, dass es deiner Tochter dort oben gut ergehen wird – sie ist ja nicht ganz aus der Welt! Mir fallen gerade nicht die richtigen Worte ein, aber ich glaube: ein Teil bleibt immer da bei dir!

    1. Ich weiß, dass es ihr gut gehen wird. Sie hat tolle Kollegen und einen Lebensgefährten, auf den sie sich verlassen kann, der ihr immer Halt und Stütze ist. Ich zerbreche auch nicht daran, aber mit klugen Gedanken bekomme ich den Stein auf dem Herzen nicht weg. Er ist nun mal da.

  11. Unsere Tochter ist auch weit weg gezogen.
    Wir sehen uns nicht gerade oft, leider.
    Aber es gibt E-Mails… und Telefon.
    Deine Fotos kommen mir so bekannt vor, danke, danke, danke
    deine Bärbel

    1. Stimmt, man kann auch so Kontakt halten.
      Manchmal, wenn es mal wieder etwas schlimm ist, dann wünsche ich mir manchmal Hilfe. Gut, dass muss eben anders gehen. Sie sollen bloß nicht wegen mir und meine Zipperleins angebunden sein.
      Meine liebe Bärbel, herzliche Grüße zu dir.

  12. Liebe Gudrun, die Kinder ziehen zu lassen, ist wohl die schwerste und dennoch edelste Aufgaben, die eine Mutter oder die Eltern haben, denn sie müssen und sollen ja ihre Erfahrungen machen. – Und es ist wohl so, dass man zu Kindern auf anderen Kontinenten besseren Kontakt haben kann als zu denen, die nur in anderen Städten wohnen.
    Das mit der Seniorenuni finde ich ganz, ganz toll. Du schreibst: „Wissen ist etwas, was einen keiner wieder wegnehmen kann, zu keinem Zeitpunkt und unter keinen Umständen.“ Leider kann ich das nicht bejahen, denn der Zahn der Zeit nagt sehr, sehr vieles aus dem Gedächtnis wieder heraus – aber dennoch denke ich, dass es gut ist.
    Mit Gruß zu dir!

    1. Ich freue mich schon auf das Wintersemester, hatte schon ersten Kontakt. Weißt du, was das Beste ist? Man kann sich aussuchen, was man machen möchte. Jetzt nach so vielen Jahren kann ich mich damit beschäftigen, was ich damals überhaupt nicht angedacht hatte, was mich aber heute sehr interessiert. Und die jungen Leute um mich herum werden mir gut tun.
      Liebe Grüße an dich
      (Manches von anno dunnemals habe ich auch vergessen. Sei’s drum! Ich habe mich auch nicht sehr gemüht, es mir zu merken. Zum Beispiel kann ich nicht ein einziges Gedicht aufsagen. Aber vorlesen kann ich ganz gut. 🙂 )

  13. Ich nehme dich auch mal sanft in den Arm…
    Leider habe ich ja selbst keine Kinder, aber ich denke doch, dass ich mich gut in Mütter hinein versetzen kann, die ihre Töchter und Söhne ziehen lassen…
    Um das Seniorenstudium beneide ich dich fast ein bisschen. 😉 Obwohl ich als Zuhörerin ohne Weiteres in die Uni dürfte, denn diese steht ja laut Gesetz Allen offen, könnte ich mangels Abitur nie ein geregeltes Studium in Angriff nehmen…
    Herzliche Grüße!

  14. Liebe Gudrun, lass dich drücken. Bei mir ist ja noch eine Zuhause und ihre Zwillingsschwester wohnt in der Nachbarstadt. Also hab ich beide Mädels noch nah bei mir. Was die Zeit bringt weiß aber niemand. Aber sind wir stolz, dass wir sie zu selbständigen Menschen haben werden lassen. Mein Papa ist nach dem Tod meiner Mama weggezogen und ich sehe in max. zwei Mal im Jahr. Das macht mir auch nach über 30 Jahren immer mal wieder zu schaffen, auch weil er jetzt nicht mehr so fit ist.
    Ein Seniorenstudium. Klasse! Sowas könnte mir auch gefallen.
    Liebe Grüße
    Heidi

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