Spuren im Schnee.

Spuren im Schnee

Als Kind machte es mir besonderen Spaß, loszustapfen, wenn es gerade geschneit hatte. Alles wirkte so sauber, unberührt. Ich war oft die erste, die Spuren im Schnee hinterließ.

Dass alles so sauber wirkte, war wirklich außergewöhnlich, denn um meinen Wohnort herum waren einige Brikettfabriken aktiv. Die Luft schmeckte nach immer nach Kohle und in kürzester Zeit sah die Landschaft nicht mehr aus wie mit Puderzucker gepudert, sondern der Schnee war mit Ruß bestäubt.
Aber, wenn es schneite hielt mich nichts drinnen in der Stube.

Manchmal setzte ich mich einfach auf meinen Schlitten. Komisch, richtig kalt war mir selten. Ich wurde zwar immer zu einem Fußbad genötigt, wenn ich nach Hause kam, aber so richtig kalt war mir nie.
Im Schein der Straßenlaterne glitzerte der Schnee silbern. Ich hab das immer wie ein Geschenk empfunden. Wenn die Flocken auf die trockenen Äste, Zweige und Blätter rieselten, gab das ein feines, leises Geräusch. Ruhe überkam mich. Ich habe das sehr genossen.

Ich war dann doch nicht die einzige, die Spuren im Schnee hinterlassen hatte. Es sah aus, als hätten die Vögel einen Tanz aufgeführt. Eine Katze war vorbeigeschlichen und die Spuren eines Fuchse fand ich auch. Den hatte ich gesehen, wie er an unseren Häusern entlang huschte. Manchmal musste ich erst die Scheibe anhauchen, um mir ein Guckloch in die Eisblumen zu schmelzen.
Die Welt um mich herum war voller Geheimnisse.

Manchmal wünsche ich mir meine Kindheit zurück oder wenigstens, dass es schneit.

 

15 Kommentare zu “Spuren im Schnee.

  1. Schööön! ja, wir warten auch schon auf Schnee. Soll nicht sehr viel sein, damit die Autofahrer auch zufrieden bleiben, aber wenigstens weiß soll die Landschaft aussehen gerade zum Weihnachten!
    Veronika Fischer besingt das schön. Ich erinnere mich, einmal war ich mit der Schwiegermutter von Veronika Fischer nach Ungarn geflogen. Rein zufällig. Wir saßen nebeneinander auf dem Flugzeug und konnten uns sehr gut unterhalten über alles. Sie war doch mit einem Ungar verheiratet… Ich weiß es nicht, wie das jetzt ist, aber die Schwiegermutter schwärmte über Veronika, was für ein tolles Mädchen sie ist! Das wollte ich Dir sagen. Mehr nicht. Ach ja, als Kind war ich genauso begeistert vom Schnee. Ich habe mich auch fleißig gewaschen, mein Gesicht, mit dem ersten Schnee- hat aber nicht viel geholfen…

    1. Mir haben ihre Lieder immer gefallen. Damals.
      Ja, manchmal gibt es schon Zufälle, bei denen man Leute trifft und das Gefühl hat, dass die Welt ein Dorf ist. 🙂
      Gruß um die Ecke.

  2. Vor Jahren wurde ich auf SriLanka gefragt, ob ich nicht Bilder vom Schnee dabei hätte. Hoffentlich müssen wir nicht auch mal auf Bilder zurückgreifen.

    1. Diese Befürchtung habe ich auch. Kleo saß jetzt gerade in der Sonne auf der Balkonbrüstung. Weihnachten war bestimmt nicht immer weiß, aber kalt war es und genügend Schnee gab es dann im Januar und Februar. Für uns Kinder in den Winterferien ein wahres Vergnügen..

  3. Liebe Gudrun,
    es macht mir Freude, Deine Kindheitserinnerungen vom Schnee zu lesen.
    Ich kann mich auch gut daran erinnern, wieviel Spaß es mir gemacht hat, Spuren im unberührten Schnee zu hinterlassen.
    Ich habe sehr gerne am Fenster gestanden und den herunterrieselnden Schneeflocken zugeschaut. Das sah besonders schön aus, wenn es schon dunkel draußen war.
    Wenn meine Brüder und ich vom Schlittenfahren heimkamen waren unsere Füße eisig kalt und es war wunderbar, sie über der Heizung zu wärmen und dabei einen heißen Kakao zu trinken.
    Einmal haben meine Brüder und ich ein Iglu im Garten gebaut.
    Schöne Erinnerungen sind wach geworden.
    🙂
    Liebe Grüße von : Beate

    1. Haha, liebe Beate, so eine Schneehütte hatten wir auch, meine Kinderfreundin und ich. Unsere Väter hatten sie gebaut und drum herum ein Labyrinth aus Schneequadern. Man musste sich mühen, wenn man in die Schneehütte wollte. 🙂
      Ich muss mal suchen, ob ich noch ein Foto finde.
      Liebe Grüße an dich
      Ich höre mir jetzt deinen Beitrag zum akustischen Adventskalender an. 🙂

  4. Liebe Gudrun, seit Tagen sind meine Fenster voller Regentropfen und es ist so grau und trüb, dass sogar ich hier oben Licht anmachen muss.
    Zu Schnee in Berlin habe ich ein sehr gespaltenes Verhältnis, da er immer nach ein bis zwei Tagen nur noch Matsch ist.
    In meiner Kindheit war das ähnlich wie bei dir. Ich bin auf unsere Wiese gegangen, auf der sonst Wäsche aufgehängt wurde – der sogenannte Bleichplan, denn manche Frauen legten die Bettwäsche auch aufs Gras und begossen sie mit Wasser.
    Mit Gruß zu dir!

    1. Wäsche bleichen konnten die Frauen nicht als ich Kind war. In kürzester Zeit wäre alles voll Kohlestaub gewesen und hinter unseren Häusern rumpelte auch noch die Kohlebahn vorbei.
      Aber ich danke dir für deine Erinnerung. Ich merke mir das mit dem Bleichplan. Irgendwie brauch ich es noch. 🙂
      Auf dem Dorf war es schön, wenn es schneite. Alles war hell und ich sah die Rehe auf dem Feld.
      Hier geht es gerade noch so. Ich muss in den Park und in die angrenzenden Lachen. Aber dort kann ich die Stadt mal vergessen.
      Liebe Grüße ins dicke B.

  5. meine liebe Gudrun,
    wir hatten Fenster mit einem Luftloch unten in der Mitte. Da war im Winter immer Eis. Und die schönen Eisblumen an den Fenstern.
    Ja die ersten Spuren im Schnee, das war immer toll!
    Bei uns kamen nur Vogelspuren dazu.
    Und wir legten uns in den Schnee, Arme und Beine im Schnee schwingen, und ein Engel war da.
    deine Bärbel

    1. Ach ja, den Engel machen, das kenne ich auch. 🙂
      Eisblumen an den Fenstern konnte ich immer lange betrachten. Sie faszinierten mich immer wieder.
      Liebe Grüße an dich, meine liebe Bärbel.

      1. Ich hab als Kind auch immer so gerne im weichen, frischen Schnee den Engel gemacht… Hach, ja… Und Schneeballschlachten haben wir Kinder uns geliefert, die Nasen liefen, die Wangen waren rot, und uns ist nie kalt gewesen, weil wir uns so intensiv bewegt hatten. Und manchmal, wenn wir böse drauf waren, haben wir eine Handvoll Schnee gefasst, und uns einen Kleineren und Schwächeren gegriffen, und dessen Gesicht mit dem eisigen Weiß eingerieben… Da geht jetzt ein ganz großes Faß mit Erinnerungen auf… Ich bin dann mal weg, schwelgen… 😉

  6. Bei mir war und ist es eher umgekehrt, ich mag die schöne und unberührte Schneedecke nicht zerstören. Ich muss mich oft richtig überwinden, als Erste eine Spur im Schnee zu hinterlassen 🙂
    Liebe Grüße von der Silberdistel und einen schönen 4. Advent für Dich, liebe Gudrun

    1. Liebe Silberdistel, irgendwie passt das zu dir. 🙂 ich kann mir dich gut vorstellen, mit dem Schlitten auf dem frisch verschneitem Weg.
      Herzliche Grüße an dich im Norden.

  7. Ja, so war auch der Winter meiner Kindheit. Im Winter gab es Schnee und da hielt auch mich nichts mehr drin. Dick eingepackt und mit roter Nase gab es doch nichts Schöneres, als sich mit dem Schnee zu beschäftigen.

    Nun schaue ich schon, ob die Krokusse sich schon melden. 14 Grad in der Weihnachtswoche ist irgendwie abartig.

    Liebe Grüße
    Anna-Lena

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