Spuren im Schnee.

Spuren im Schnee

Als Kind machte es mir besonderen Spaß, loszustapfen, wenn es gerade geschneit hatte. Alles wirkte so sauber, unberührt. Ich war oft die erste, die Spuren im Schnee hinterließ.

Dass alles so sauber wirkte, war wirklich außergewöhnlich, denn um meinen Wohnort herum waren einige Brikettfabriken aktiv. Die Luft schmeckte nach immer nach Kohle und in kürzester Zeit sah die Landschaft nicht mehr aus wie mit Puderzucker gepudert, sondern der Schnee war mit Ruß bestäubt.
Aber, wenn es schneite hielt mich nichts drinnen in der Stube.

Manchmal setzte ich mich einfach auf meinen Schlitten. Komisch, richtig kalt war mir selten. Ich wurde zwar immer zu einem Fußbad genötigt, wenn ich nach Hause kam, aber so richtig kalt war mir nie.
Im Schein der Straßenlaterne glitzerte der Schnee silbern. Ich hab das immer wie ein Geschenk empfunden. Wenn die Flocken auf die trockenen Äste, Zweige und Blätter rieselten, gab das ein feines, leises Geräusch. Ruhe überkam mich. Ich habe das sehr genossen.

Ich war dann doch nicht die einzige, die Spuren im Schnee hinterlassen hatte. Es sah aus, als hätten die Vögel einen Tanz aufgeführt. Eine Katze war vorbeigeschlichen und die Spuren eines Fuchse fand ich auch. Den hatte ich gesehen, wie er an unseren Häusern entlang huschte. Manchmal musste ich erst die Scheibe anhauchen, um mir ein Guckloch in die Eisblumen zu schmelzen.
Die Welt um mich herum war voller Geheimnisse.

Manchmal wünsche ich mir meine Kindheit zurück oder wenigstens, dass es schneit.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.