Literaturtreff in Leipzig-Grünau und ein Winterchen.

Ich bin auf dem Weg zum Grünauer Literaturtreff in meiner Plattensiedlung.
Hier ist der Beweis, dass ich haarscharf einem Schneegetreiben entgangen bin. Gepasst hat mir das Wetter heute gar nicht. Ich hatte Schneefatsche auf der Brille, fror jämmerlich an die Hände und stapfte ein bissel ningelig durch die Nässe.

Einmal im Monat findet in der Bibliothek unser Grünauer Literaturtreff statt. Ich finde das gut, weil man nicht in seiner Wohnung hockt, sondern sich mit anderen austauschen kann. Bekanntschaften entstehen, ja sogar Freudschaften.

Meine Plattensiedlung ist immer so etwas wie eine „Schlafstadt“. Man schläft halt hier, ruht sich aus. Gearbeitet wird wo anders und auch „das Leben“ tobt an anderen Ecken von Leipzig. Das wollen einige Engagierte ändern. Ein Moment in dem Prozess ist eben der Literaturtreff.
Ich bin immer wieder erstaunt, was in der Platte für ein Potential schlummert, was hier für interessante Menschen wohnen, an denen man sonst achtlos vorbeigehen würde.

Heute ging es um den Schlagersänger Fred Frohberg, das heißt um seine Autobiografie, die der Leipziger Journalist Manfred Anders geschrieben hat. Schlager sind überhaupt nicht mein Ding. Das war schon immer so und wird wohl auch immer so bleiben. Interessant war es aber dennoch, immerhin wohnte Frohberg die letzten Jahre in Grünau. Also fast nebenan.
Frohbergs Chef der Anfangsjahre, Kurt Henkels, kannte ich aus den Erzählungen meines Musikervaters. Mein Vater war damals nicht mit nach Leipzig gegangen. Irgendwie ahne ich, dass es gut so war.
Die Anwesenden waren alle – sagen wir mal – älter. Junge Leute reißt man mit den alten Schlagern von damals nicht hinter der Heizung vor. Trotzdems wurde es eng im Raum.

Auf den nächsten Literaturtreff freue ich mich schon, denn es geht um Robert Capa, der mit seiner Fotografie „Der letzte Tote des Krieges“ nicht nur in Leipzig Berühmtheit erlangte.

Und damit ihr mir glaubt, dass ich dem gnadenlosen Winter heute in die Augen gesehen habe, musste ich noch einpaar Bilder machen. Oder sagen wir mal lieber: Ich habe es versucht.
So und jetzt hat es sich aber hoffentlich ausgewintert.

Einen schönen, kuschligen Abend euch allen.

 

10 Kommentare zu “Literaturtreff in Leipzig-Grünau und ein Winterchen.

  1. Die jungen Leute können mit den alten Schlagern nichts anfangen – das ist wohl wahr. Ein Jüngling, der in der benachbarten Radaukneipe arbeitet, ist ein bisschen frech geworden. Da sagte ich zu ihm: „Du bist mir ja einer – keinen A… in der Hose, aber La Paloma pfeifen.“ Danach guckte er mich völlig verdattert an. Und ich dachte mir: Hach, der wird gar nicht wissen, was La Paloma ist… Und dann ging ich ganz flugs von dannen. 😉

  2. So ein Literaturtreff ist ja eine tolle Sache. Lest ihr immer alle das gleiche Buch oder kann man auch kommen, wenn man das Buch nicht gelesen hat? Bei meinen Büchermädels stellen wir ja einfach Bücher vor, die uns gut gefallen haben und oft ergeben sich heiße Diskussionen zu den verrücktesten Themen. Wir haben auch schon mal alle das gleiche Buch gelesen („Die Wand“ von Marlen Haushofer) das war auch interessant, aber einige fühlten sich von dem „Zwangslesen“ doch zu sehr unter Druck gesetzt und das wollten wir natürlich nicht. Liebe Grüße von Rana

    1. Es gibt uns noch nicht so lange. Die, die puplizieren, dürfen ihre Werke vorstellen, andere suchen sich ein Thema oder einen Lieblingsautor. So werden wir uns erstmal kennenlernen. 🙂 Nu ja und wer nur zuhören will, der kommt und hört zu. Das gibt es auch.
      Liebe Grüße in den Norden.

  3. Das ist ja eine witzige Bezeichnung für diese Plastik, die mir übrigens gut gefällt. – Kommen da die Jugendlichen hoch und klettern darauf herum?
    Ich finde so einen Literaturtreff besser als nur einsam in seiner Wohnung zu leben.
    Liebe Grüße zu dir!

    1. Clara, ich weiß nicht, ob da je einer hochgekraucht ist. Das scheint guter, edler Stahl zu sein und verdammt glatt. 🙂 Den Schnürsenkel gab es schon zu DDR-Zeiten.
      Grüße nach Berlin.

  4. Meine Gudrun,
    ein Literatur-Treff, das ist ja super!
    Das Richtige für dich.
    Muss da niemand Schnee schieben?
    Das ist ja blöd.
    Die Schnürsenkel gefallen mir.
    deine Bärbel

    1. Nein, Schneeschieben muss keiner. So viel war es nicht. Die Schneeschieber fahren nur ab und an Spazieren. 🙂 Hier war nichts mit Winter und ich glaube, es wird auch nichts mehr.
      Liebe Grüße an dich, meine liebe Bärbel.

  5. Bei uns wurde ein Stadtteilmamagement gegründet, das die Leute aus den Häuserblöcken locken soll, um gemeinsam aktiv zu werden. Man will erreichen, dass sich Menschen die hier leben für ihren Stadtteil verantwortlich fühlen und, dass sie bei Neugestaltungen mitreden wollen. Literaturtreffen sind hier allerdings weniger besucht. Hoffentlich ist es bei euch anders. Das wäre doch wunderbar für dich 🙂
    Kalt sieht es bei euch aus. Bei uns ist alles sehr früh dran in diesem Jahr. Schneeglöckchen, Winterlinge, Krokus und auch die Osterglocken zeigen bereits ihre Blüten.

    1. Ach ja, Stadtteilmanagement haben wir auch. Das ist auch wichtig, ersetzt aber nicht das kulturelle Beieinandersein. Da versuchen wir uns einzubringen.
      Der Raum war gestern sehr voll. Alle Stühle waren besetzt. Und das ist ein schöner Erfolg.
      Liebe Grüße an dich, liebe Isa.

Comments are closed.