Wollt ihr mitkommen auf (m)einen Leipziger Schuttberg in Grünau?

Mein Leipziger Schuttberg in Grünau.
Seit langem wollte ich da hinauf. Heute war richtig gutes Wetter, also machte ich mich auf den Weg durch die Schönauer Lachen, hin zu meinen Grünauer „Scherbelberg“.
Im Moment mag ich es nicht so sehr, wie aus meiner Stadt berichtet wird. Alles muss außergewöhnlich, ausgefallen, überwältigend, phänomenal … sein, selbst Unschönes. Wenn man schon in einer aufstrebenden Stadt wohnt, will man den gegenwärtigen Hype auch leben.
Ich sehne mich nach den ruhigen „Ecken“. Und die findet man auch. Garantiert.

Die Schönauer Lachen liebe ich so sehr wegen der Wiesen, der kleinen Gewässer (den Lachen) und der Urwüchsigkeit der Vegetation. Schön ist es, wie auf den Wiesen und in den Gewässern neues Leben erwacht neben vertrockneten Gräsern und Beeren, Vergangenem aus den Vorjahr.  An den Schlehenblüten tummeln sich die ersten Bienen und Hummeln und am selben Zweig hängen noch Früchte vom Herbst. Faszinierend.

Leipziger Schuttberg in Grünau

Zwischen den letzten Häusern von Grünau und den ersten Häusern von Rückmarsdorf befinden sich die Schönauer Lachen, ein Flächendenkmal. Aus den feuchten Wiesen erhebt sich ein Hügel, eine Halde, die 1976 aufgeschüttet und renaturiert wurde.
Ich will auf den Schuttberg laufen, den Grünauer Fockeberg, meinem Mont Klamott. Dass er vier Etagen hat, ist auf diesem Foto nicht zu sehen. Wenn man die hochgestiegen ist, hat man einen wirklich schönen Ausblick über die Stadt und die Gegend. Man sieht die Arena, das Cityhochhaus, das Völkerschlachtsdenkmal auf der einen Seite und auf der anderen kann man den Saale-Elster-Kanal, Rückmarsdorf, Leuna, Nova Eventis und den Flughafen sehen. Auch die Windräder in der Nähe meines Dörfchens habe ich wieder gesehen. Allerdings sieht man auch die Dreckschleuder von einem Kraftwerk in Lippendorf. Letzteres ist aus der Ferne schön anzusehen, ist es aber eigentlich überhaupt nicht. Es ist eben doch nicht nur Wasserdammpf, was da in die Luft aufsteigt.

An den Lachen bereiteten sich die Vögel auf das Brüten vor. Ein Schwanenpaar baut ein Nest im Schilf. Die Bussarde erheben sich elegant in die Lüfte. Es ist eine Freude, ihrem Werben um einander zuzusehen.

Oh ja, ich bin froh auf den Leipziger Schuttberg in Grünau gestiegen zu sein. Das nächste Mal mache ich da oben Picknick. Oh ja.

14 Kommentare zu “Wollt ihr mitkommen auf (m)einen Leipziger Schuttberg in Grünau?

  1. Mont Klamott – was für ein herrlicher Begriff 😆 .
    Danke fürs Mitnehmen, liebe Gudrun, wie eine kleine Oase wirkt das auf mich.

    Liebe Grüße und willkommen in der Welt nach Ostern,
    Anna-Lena

    1. Den Mont Klamott gibt es in Berlin. Ich bin noch auf der Suche nach einem Namen für den Schuttberg in Grünau, einen, der genauso schön ist. 🙂
      Liebe Grüße

  2. Mont Klamott — und schwups, singt Tamara Danz lauthals durch meinen Kopf!

    Am Hafen war ich ja schonmal, hab mich aber nicht in den letzten Speicherbau hineingetraut. Hm. Zu den Lachen hätte ich vor der (gerade nicht vorhandenen Brücke) hinter dem Polizeigelände nach links gehen müssen — ach nein, einfach nur über diese Straße am Ende, beim Boot vorbei …

    Irgendwann seh ich mir die auch noch an, einschließlich Scherbelberg.

    1. Ach ja, einen Ohrwurm hatte ich auch.
      Auf der Speicherseite vom Hafen bin ich fast nie. Mir gefällt es da nicht und alles Neue schon gar nicht. Auf der anderen Seite habe ich meine Schlehensträucher, Kräuterwiese, Vogelparadiese und eben auch diesen Ausblick, wenn ich auf den Berg laufe. Das gefällt mir besser und ich hoffe, dass es so erhalten bleibt.

  3. Wie viele Namen der Berg hat, Mont Klamott gefällt mir am besten.
    Wunderschöne Fotos hast du mitgebracht, Natur pur.
    Toll, dass da die da in die Natur niemand eingreift.
    deine Bärbel

    1. Den Namen Mont Klamott habe ich mir nur ausgeborgt, denn der steht in Berlin. Manche sagen „Grünauer Fockeberg“ nach einem Schuttberg im Süden von Leipzig. Und auch einen Scherbelberg gibt es schon, in der Nähe des Rosenthals und des Zoos. Ich habe keinen Namen gefunden.
      Liebe Grüße an dich.

  4. Bloß gut, liebe Gudrun, dass es nicht DEIN Berg ist, denn sonst wärst du ja unter die Immobilienhaie gegangen. Es ist gut, dass ihm seine Natur bleibt.

    1. Ach, Clara, ich würde mir wünschen, dass er mir gehört. Dann dürfte er so bleiben, wie er ist, und müsste nicht vielleicht motorbootbesessenen Großkotzen weichen. Es passiert gerade viel Ungutes neben meinen Lachen.
      Liebe Grüße

    1. Ja, ich habe ihn wirklich genossen. Der Bussard poste extra für mich, aber nur mit dem Handy wurde das natürlich nix. Gefallen hat es mir trotzdem. 🙂

  5. es nimmt nun Anlauf das Leben, auf dem Berg und überall. Ich freue mich auch schon sehr. Ganz besonders auf das erste helle, zarte Grün. Ich liebe diese Zeit und hoffe sie ausgiebig genießen zu können, bevor die Sonne alles Blattwerk ins dunkelgrün taucht.

    1. Ja, genau, jeden Moment sollte man genießen. Weißt du, Isa, für mich ist das Freiheit pur. Ich habe mich mit ausgebreiteten Armen auf den Berg gestellt und hoffe, dass es keiner gesehen hat. 🙂

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