Gib nie das Fell, wo du mit Wolle bezahlen kannst.

Gib nie das Fell, wo du mit Wolle bezahlen kannst. 
Über dieses deutsche Sprichwort bin ich gestolpert, als ich mal wieder im Netz nach Wolligem gesucht habe. Natürlich ist das Sprichwort und einige andere dazu sofort in meinen „Wollordner“ gewandert. Warum? Weil ich sie nicht vergessen will und weil man so schön darüber nachzudenken kann.

Klar, wenn man seinen Schafen das Fell über die Ohren zieht, kann man nie mehr mit Wolle bezahlen. Man vergibt eine wirtschaftliche Grundlage.
Heute geht es in der Schafhaltung bei uns eigentlich fast nur um das Fleisch. Nicht mal am Fell besteht großes Interesse. Billigimporte, bei denen ich gar nicht wissen will, mit welchen Chemikalien und wie gegerbt wurde, überschwemmen den Markt. Die Geiz-ist-geil-Mentalität versaut so vieles. Die Hoffnung habe ich noch nicht aufgegeben, dass man von denen Wolle kauft, denen man vertraut und wo man vielleicht die Tiere kennt.

Dieses Sprichwort gibt mir aber auch zu denken, was es betrifft, die eigene Haut zu Markte zu tragen. Manchmal ist der Druck so groß, dass man ihm nachgibt und sich fügt, in alles. Hauptsache Arbeit, Einkommen, Wohlstand. Eigener natürlich. Man kann sich dem schwer entziehen,

  • weil man gefallen will
  • weil man beeindrucken will
  • weil man Wohlstand zeigen will, der Ansehen verspricht
  • weil Geborgenheit und Sicherheit in Geld gemessen wird
  • weil man „normal“ sein will, der gesellschaftlichen Norm entsprechend
  • weil es sich besser über das neue Auto erzählen lässt als über neue Ideen und Erkenntnisse
  • weil man glaubt, nur so stolz auf sich sein zu können.

Und die, die aus irgendwelchen Gründen raus sind aus dieser ökonomischen Tretmühle? Die fühlen sich nicht gut, ziehen sich zurück, werden manchmal krank, gehen verloren.
Gib nie das Fell, wo du mit Wolle bezahlen kannst. Das heißt für mich auch, sich des eigenen Wertes durchaus bewusst zu werden und zu sein. Man hat immer etwas zu geben. Es muss nicht gleich das ganze Fell sein.

Und wenn wir schon bei Wolligem sind, ich habe noch etwas Sprichwörtliches gefunden, welches mich schmunzeln ließ:

So manch einer geht nach Wolle und kommt geschoren heim.
(Sprichwort aus Portugal)

gib nie das Fell, wo du mit Wolle bezahlen kannst

 

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