Oma und Opa Tag im Volkskundemuseum Wyhra

Ich kam etwas zu spät. Drei Umleitungen wegen Baustellen und eine Vollsperrung wegen eines Unfalls mussten umfahren werden. Schön, dass ich auf diese Weise so allerlei vom Landkreis Leipzig kennenlernen konnte, denn einmal ordentlich verfahren, lässt einen gut herumkommen.
Aber dann war ich angekommen im Volkskundemuseum Wyhra zum Oma und Opa Tag.

mit der Handspindel zum Oma und Opa Tag

Die Handkarden und das Spinnrad waren kaum ausgepackt, da war das Spinnrad umringt. Es fing an zu regnen und wir verzogen uns in eine Ecke des ehemaligen Stalles. Dort war es eng wie bei Rumpelstilzchen in der Dachkammer. Aber wahrscheinlich machte es das gerade so gemütlich.

Wir haben Schafwolle gekämmt, sie erst mit dem Stöckchen und dann mit der Handspindel versponnen, haben das Spinnrad kennengelernt und den alten Knacker an der Haspel und wir haben jede Menge wahre und erfundene Geschichten erzählt. Die Stöckchen mit dem ersten selbstgesponnenen Faden durften die Kinder mit nach Hause nehmen und bestimmt mussten die Eltern sich später erzählen lassen, wie man einen guten Faden spinnt.
Zum Oma und Opa Tag hatte sich heute sogar ein Opa an das Spinnrad gewagt.

spinnen wie vor hundert Jahren zum Oma und Opa Tag

Am meisten beeindruckt hat mich heute ein Junge. Ich weiß nicht, wie alt er war. Er wurde in einem Wagen gefahren, konnte nicht reden und war sehr aufgeregt. Die vielen Leute machten ihm zu schaffen. Seine Mutti sagte, er ist schwerstbehindert. Irgendwie muss man es ausdrücken, obwohl ich mit diesem Ausdruck nicht sehr zurecht komme. Was weiß man schon, was in dem kleinen Kopf vorgeht.
Dieser Junge hat sich so sehr über die Schafwolle gefreut, sie anzufassen, an sein Gesicht zu halten. Er wurde ganz ruhig und ein Lächeln huschte über das kleine Gesicht. Am Abend hat er mich und den Herrn Hanssen, meinen treuen Begleiter, gedrückt.

Ein kleines Klappertänzchen mit den Holzpantinen könnte ich jetzt schon aufführen. Ich habe eine ausgefranzte Gusche, wie die Sachen sagen, und ich bin auch reichlich müde. In mein Bett werde ich allerdings ganz zufrieden fallen. Ich habe mich sehr gefreut, dass es Lob gab für mich, weil alles gut erklärt und interessant war.
Schade, dass ich gar nicht alles mitbekommen habe, was sonst noch so los war beim Oma und Opa Tag im Volkskundemuseum in Wyhra.

12 Kommentare zu “Oma und Opa Tag im Volkskundemuseum Wyhra

    1. Die Mutti hatte erst große Bedenken. Er hat Angst vor Fremden und unbekannsten Stoffen, sagte sie. Es kam anders. Der Junge griff sehr zielsicher nach dem Wollbausch.
      All die Adjektive, die wir der Wolle zubilligen, empfinden manche Menschen viel, viel stärker als wir. Es ist schon das zweite Mal, dass genau das passierte. 🙂

        1. Das war wirklich ein Zufall. Die Biene war ein Muster. Ich hatte in Wyhra auch noch das Filzzeug mit. Zum Filzen sind wir aber gar nicht gekommen. 🙂

  1. Ach ich bekomme richtig Gänsehaut, wenn ich das lese, was Du von diesem kleinen Jungen schreibst. Nein, wir wissen wirklich nicht, was ihn ihm vorgeht…
    Sicher sehr viel mehr, als er es uns zeigen kann.
    Sei herzlich gegrüßt von der Beate

    1. Ja, das habe ich mir auch gedacht. Genau das war mein Eindruck.
      Liebe Grüße an dich
      PS: Ich werde immer wieder auf Menschen zugehen, auch, wenn es erstmal unbequem scheint. Jeder ist das Wert.

    1. Wir werden uns bestimmt wiedersehen. Herrn Hanssen werde ich immer mitnehmen. Den hat er besonders gemocht. Wenige Momente der Freude können so viel bewirken.
      Liebe Grüße an dich, meine liebe Bärbel.

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