Das alte Spinnrad surrt leise beim Spinnen.

Meine Veranstaltung, die Kräutergeschichten, ist vorbei. Ich kann mich jetzt wieder damit beschäftigen, wie das alte Spinnrad arbeitet, welches mir mein Sohn dauergeliehen hat. Clara Himmelhoch hatte schon den Daumen drauf als sie neulich schrieb: „Dass du dich mal trennen kannst von deinem neuen Spinnrad!“

Das alte Spinnrad ist ein Flachsrad, d.h. damit wurden dünne Flachsfäden gesponnen. Man sieht es am großen Antriebsrad, der großen Übersetzung. Das Holzteil, welches über dem Spinnflügel und der Spule in die Höhe steht, ist der Wocken, auch Rocken, Spinnrocken, Spinnwocken, Flachsstab,  Flachsstock,  Flachsständer, Kunkel, Kunkelstab. Damit ließ sich eben gut kunkeln, das heißt auf diese Holzstange wurden Fasern fest gebunden. Flachs klumpt unter Feuchtigkeit. Da reichen schon schwitzige Hände. Aus den gebundenen Fasern wurden wenige ausgezogen und versponnen.

Früher schenkten die jungen Männer ihren Angebeteten ein besonders schönes Band, mit denen der Flachs gebunden wurde. Eine schöne Tradition, finde ich.

Nun will ich also mit diesem Rad keinen Flachs, sondern Wolle spinnen. Ich muss wieder üben wie anno dunnemals, denn ich muss die Wolle schnell ausziehen und ins Rad laufen lassen. Sonst wird der Drall zu groß. Das alte Spinnrad hält mich auf Trab.

Nein, jetzt höre ich auf, über das Spinnen und mit diesem Spinnrad im Besonderen zu schwatzen. Viel lieber schwärme ich, wie das Rad verarbeitet ist. Geschraubt und genagelt ist da nichts, wohl aber verschränkt. Nein, ganz stimmt das nicht. Damit bestimmte Teile fixiert werden können, wurden fein gestaltete Holznägel verwendet. Genial, wie alles zusammenhält und zusammen funktioniert. Das alte Spinnrad hat schon viele Jahre auf dem Buckel, aber es funktioniert und surrt ganz leise während es den Faden dreht und aufwickelt.

Genial.

das alte Spinnrad

9 Kommentare zu “Das alte Spinnrad surrt leise beim Spinnen.

  1. Spinnradliebe nenne ich das. So schön…..
    Und in „alten Zeiten“ schwelgen.
    Beim lesen merkt man, dass Dein Herz ganz dabei ist.

    Liebe Gudrun, ich sage jetzt einmal „Piep“ im Versuch im Blogschreiben wieder mit dabei zu sein.

    1. Ich freue mich auf dein Bloggen. Fein, wenn ich wieder bei dir lesen kann, liebe Mia.
      Stimmt, das Spinnen ist Liebe. Erst hat es mir Ruhe gebracht und dann auch großes Vergnügen. 🙂

  2. Nicht nur deine Spinn(rad)liebe begeistert mich, sondern auch, wie du handwerklich versiert über die Herstellung solch eines Rades vor langer Zeit berichtest. – Was wäre aus dir vor ca. 200 Jahren geworden??? Die Spinn- und Flachskönigin Deutschlands oder Sachsens oder Leipzigs oder alles miteinander?
    Herzliche Grüße zu dir

    1. Oh, eine Hochwohlgeboren wäre ich nicht gewesen und mit Spinnen konnte man nicht reich werden. Im Mittelalter hatten es Frauen nicht leicht, alleine lebende noch schwerer. Spinnen mussten alle, denn man brauchte Kleidung. Gesponnen und gewebt wurde nebenher, nach der Arbeit im Stall und auf dem Feld. Ach nee, ich bleibe lieber hier. 🙂
      Liebe Grüße
      PS: Die erste Spule ist fast voll.

    1. Ja, ich war heute wieder an meinem Lieblingsarbeitsplatz. Das alte Rad war lange nicht bewegt worden, liebe Bärbel. Heute lief es schon ganz rund. Das Rad metert ganz schön was weg.
      Liebe Grüße an dich.

    1. Spürt man das wirklich so sehr? Mir ist das immer gar nicht so bewusst.

      Herzlichen Dank für deine schöne Postkarte, liebe M. Ich habe mich heute riesig gefreut.
      Liebe Grüße an dich.

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