Eine Kastanie für dich, eine Kastanie für mich.

Die Kastanie ist seit Jahren für mich das Herbstsymbol. Jedes Jahr stecke ich mir eine davon in die Tasche. Überhaupt, es wurde Zeit, dass ich in meinem Park und an dem Angelteich mal nach dem Rechten sehe.

Die Blätter der Sträucher im Park sehen zum Erbarmen schlimm aus. Kraft- und saftlos hängen sie herunter, grün noch, aber zum Sterben verurteilt. Es hat kaum geregnet in diesem Jahr und wenn das weiter so geht, werden wir hier Palmen anpflanzen müssen.

Zack! Mir fiel eine Kastanie vor sie Füße.Neugierig blickte ich nach oben.
Ein rotbraunes Eichhörnchen saß auf dem Ast über mir.
„Hast du mir die geschenkt?“ Während ich mich nach der Kastanie bückte, huschte das Eichhörnchen am Ast entlang, kopfüber den Baum hinab und verschwand im Unterholz. Lange noch hörte ich es rascheln.

Der Teich, um den sich der Anglerverband liebevoll kümmert, ist ein Paradies für Vögel und allerlei Kleingetier. Ruhig zogen die Enten ihre Kreise. Im Gestrüpp zankten sich einige Tauben. Ich sah ein Weilchen den Libellen zu, die im Sonnenlicht herrlich leuchteten. Fast zu meinen Füßen begann ein Frosch zu quaken. Ich kraxelte den Hang zum Teich hinunter, in der Hoffnung, den Frosch vor die Kamera zu bekommen. Ich fand ihn nicht.

Am Teich, unter den Kastanien, steht eine besondere Bank. Hier hatte ich öfter mit meinem Sohn gesessen. Wir haben geschwatzt, viel gelacht und so ganz nebenher manche Idee ausgeheckt. Mir fehlt das sehr. Das Schwatzen. Das gemeinsame Ideenausbrüten.

Auf dieser Bank ließ ich mich nieder und packte mein Buch aus. Die Sonne blinzelte durch eine Lücke in der Baumkrone. Vom Spielplatz in der Nähe schallte Kinderlachen herüber. Müsst ihr auch immer lächeln, wenn ihr das hört?
Noch lange blieb ich sitzen auf meiner Bank, gönnte mir auch noch eine Vesperzeit. Ich hatte nur Wasser mit und einen Müsliriegel, aber es war köstlich.

Peng! Wieder kullerte mir eine Kastanie vor die Füße. Ach, ich habe doch schon eine, dachte ich und tastete nach der Kastanie in meiner Hosentasche.

Ihr wisst schon: Klicken und ansehen.

 

 

 

8 Kommentare zu “Eine Kastanie für dich, eine Kastanie für mich.

    1. Da bin ich also nicht die einzige! Bein ersten Frühlingsspaziergang im Jahr, lasse ich meine Kastanie wieder im Park. 🙂 Rituale finde ich gut, zu indest die, die keinerlei Schaden anrichten.
      Liebe Grüße an dich

  1. Liebe Gudrun,
    Deine Zeilen berühren mich heute sehr!
    Deine Beschreibung der Natur um Dich herum ist so zart und liebevoll. Und dann die „Janbank“. Ach, ich kann Dir schon jetzt nachfühlen. Diesen Monat zieht meine Jüngste nach Kassel und mir wird es weh ums Herz, wenn ich daran denke, dass wir uns nur noch selten sehen werden.
    Sei lieb gegrüßt von der Beate

    1. Ich hätte mal nie gadacht, dass mich das so beschäftigt, wenn ein Kind wegzieht. Es zieht ja nur um. Trotzdem. Gerade dort, an der Bank, wird mir deutlich, dass sie auch fehlen.
      Für den Park wünsche ich mir ausgiebigen Regen. Er braucht es dringend.
      Liebe Grüße 🙂

    1. Meine liebe Bärbel, den Park hätte ich dir gerne gezeigt, wenn du nochmal nach Leipzig hättest kommen können. Dir hätte er gefallen mit seinen Grünen Wegen, den vielen Bänken und dem Teich. Ich habe dirt eine Bank gefunden mit einem Schild daran. Es hat sich ein Ehepaar zum Jubiläum eine Bank schenken lassen und hat sie dem Park gestiftet. Sie steht jetzt an dem Teich. Das hat mich nun wiede sehr berührt.
      herzliche Grüße an dich

  2. Bist du auch eine Momentensammlerin? 🙂 Das ist etwas Wunderbares! Das kannich auch sehr genießen. Nur lesen, das gelingt mir draußen in der Natur nicht. Danke für die bildschöne Beschreibung.

  3. Ja, von den Momenten lebe ich, liebe Isa. Gut, dass ich sie wahrnehmen kann, weil es ja auch noch die anderen Momente gibt, denen mN etwas entgegen setzen muss. 🙂
    Liebe Grüße zu dir nach ganz oben.

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