An der Via Imperii Geschichten finden.

via Imperii in Borna

Als ich meine Freunde durch Leipzig führte, habe ich es sehr bedauert, dass wir zwar ein Stück auf der alten Via Imperii entlang gehen konnten, aber dass ich kein altes Stadttor mehr zeigen konnte. Die hatte man schon vor langer Zeit abgerissen, weil sie zu eng für einen Transportweg geworden waren und sich die Stadt auch ausdehnen musste.

In Borna gibt es noch ein altes Stadttor, das Reichstor. Reichstor heißt es, weil eben die Via Imperii, die Straße vom Reiche kommend, da entlang ging. Ursprünglich gab es vier Tore, genau wie in Leipzig. Heute beherbergt das Stadttor und das angrenzende Gebäude das Stadtmuseum von Borna. Man kann die Wachstube besuchen, sich über die Gerichtsbarkeit der Stadt Borna informieren und in die Türmerstube ganz nach oben steigen.

Ich bin von solchen alten Mauern immer so angetan, dass ich sie anfassen muss. Das heißt, ich lege beide Hände gegen die Mauer und bitte sie, mir zu erzählen, wie es vor hunderten von Jahren hier zugegangen ist. Ich weiß, das hört sich irgendwie verrückt an.

Wenn ich Glück habe, dann höre ich schwere eisenbeschlagene Räder über das alte Pflaster rollen. Ein Junge rennt fluchend einem entflohenen, laut gackernden Huhn hinterher. Beinahe hätte er die alte Jule mit ihrer Holzkiepe umgerannt. „He, pass doch auf“, rief sie dem Jungen nach und drohte ihm mit ihrer hageren Faust. Am Tor zankt sich laut eine Hübschlerin mit den Stadtschergen, die die Straßenzugänge zur Stadt bewachen. Sie musste heute unbedingt in die Stadt. Es war Markt und manchem Bauern saß das Geld heute locker. Vielleicht konnte sie den Schergen einige Groschen und besondere Dienste versprechen. —

Wenn man sucht, kann man hier an der Via Imperii  und überhaupt an alten Mauern feine Geschichten finden. Ich muss nochmal wieder kommen.

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