Emmauskirche. Träume und Visionen einfordern.

Ich hatte sie schon erwähnt, die Kirche, die 12 km umziehen musste von Heuersdorf nach Borna. Als ich in der Emmauskirche stand, wusste ich, dass ich an einem besonderen Ort stand. Und dass man Träume und Visionen einfordern muss. Träumen alleine reicht nicht.

Emmauskirche in Borna

Das Dorf Heuersdorf

wurde schon 1950 zum „Bergbauschutzgebiet“ erklärt. Das heißt, dass es zur Abbaggerung im Tagebau Schleenhain frei gegeben war. Die Bewohner mussten Jahrzehnte zwischen Hoffnung und Heimatlosigkeit leben.
Nach der Wende beschlossen die Bewohner, nun erst Recht und mit allen Mitteln für den Erhalt ihres Dorfes zu kämpfen. Sie verloren den Kampf. 2004 wurde das Heuersdorfgesetz endgültig verabschiedet, das Dorf für die „Überbaggerung“ freigegeben.

Die Kirchgemeinde verzichtete auf eine finanzielle Entschädigung und handelte mit dem Betreiber des Tagebaus, der Mibrag, aus, dass ihre Kirche nach Borna transportiert wird und dort einen neuen Standort findet. Und da ist sie nun, neben der Bornaer Stadtkirche, auf dem Luther-Platz.

In der Emmauskirche aus Heuersdorf

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In der Kirche hängt eine Tafel, auf der die Orte genannt sind, die dem Bagger schon zum Opfer fielen. Mir wurde mulmig ums Herz. Ich kann mir die Gefühle der Leute kaum vorstellen, wenn sie sahen, wie ihre Dörfer im Abraum versinken. Jedes verlorene Dorf ist ein Stück verlorene Geschichte und Heimat. Einige Dörfer kannte ich als Kind und ja, ich kannte auch die Tagebaue und Brikettfabriken.

Das Dorf Pöderlwitz

Poedelwitz Kirche
Die Kirche in Pödelwitz

Das Dorf Pödelwitz ist ist wahrscheinlich der nächste Ort, den es bald nicht mehr geben wird. Lange wurde diskutiert, was aus dem Ort wird. Eventuell hätte man die Bagger drum herum lenken können. Achzig Prozent der Einwohner haben sich für die Entschädigung durch die Mibrag entschieden und damit scheint das Schicksal des Dorfes besiegelt.

Wenn der Ort nicht unbedingt weg muss, warum darf er dann nicht bleiben?
Warum gibt man ihn nicht frei zur Nutzung durch den Kulturraum Leipzig, als Musterdorf quasi? Handwerker, Künstler, Kleingewerbetreibende könnten hier leben. Die Bedingung wäre, dass sie ihr Handwerk zeigen, ihr Haus öffnen und den Garten. Dementsprechend könnten Kurse und Workshops stattfinden, Herbergen entstehen, Geschichte gelebt werden. Beiläufig entsteht ein lebendiges Museum. Mir fällt noch vieles ein. Und ich wünsche mir junge Leute im Dorf.

Beinahe spinne ich schon wieder und diesmal einen Gedankenfaden. Mittlerweile geht mir das  nicht mehr aus dem Kopf. Einfach nur zu träumen reicht wahrscheinlich nicht. Gelegentlich sollte man sich Mitstreiter suchen und seine Träume und Visionen einfordern.

2 Kommentare zu “Emmauskirche. Träume und Visionen einfordern.

  1. Hallo Gudrun, kannst Du dich noch an den Tag erinnern, als dieses Foto entstand. Wir haben noch mehr Fotos gemacht. Aber etwas mulmig war uns schon, weil in Pödelwitz bei den meisten Einwohnern der Wille zum Überbaggern fest stand. Wir trauten uns gar nicht so recht durchs Dorf zu laufen, kamen uns wie Paparazzi vor.
    Übrigens hatte Heuersdorf zwei Kirchen. Die Taborkirche, wesentlich größer als die Emauskirche stand im Heuersdorfer Ortsteil Großhermsdorf. Der Baumeister – Maurermeister Karl Müller lebte in Kleinhermsdorf und der Zimmermeister August Schellenberg stammte aus Nehmitz. (In Nehmitz-Kleinhermsdorf wohnt heute meine Tochter). Die Kirche wurde 1866/67 gebaut., also innerhalb eines Jahres. Da kann man heute noch den Hut ziehen. Die Kirchturmspitze der Taborkirche steht heute auf dem Platz in der Wohnsiedlung der ehemaligen Heuersdorfer in Regis-Breitingen.

    Danke, dass Du meine und auch Deine alte Heimat zeigst und ihre Geschichte erzählst.
    Immer wenn ich auf Deiner Seite bin, suche ich Trost. Heute ist so ein ganz schlimmer Tag.
    Liebe Grüße
    Hella

    1. Meine liebe Hella,
      ich möchte dich mal wieder besuchen in deinem Neukieritzsch. Ich weiß, es tut sich viel in unserer Gegend. Nicht alles ist beruhigend.
      Ich kann mich noch gut an den Besuch in Pödelwitz erinnern, auch an das unangenehme und bedrückende Gefühl, was einen beschleicht, wenn man durch ein fast verlassenenes Dorf geht.
      Danke, dass du über die beiden Kirchen von Heuersdorf geschrieben hast. Ich wusste, dass es zwei gibt. Mehr nicht.
      Liebe Hella, neulich schrieb ein Freund auf Twitter: “ Auch der schlimmste Tag hat nur 24 Stunden. Ich drück dich heute ganz fest. Morgen versuche ich dich anzurufen. Vielleicht erreiche ich dich ja.
      Liebe Grüße an dich.

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