Den Tag durch nichts vermiesen lassen.

Früh, wenn ich erwache, schaue ich mir erstmal die Nachrichten an. Manchmal, das gebe ich zu, würde ich mir am liebsten die Decke wieder über den Kopf ziehen. Weiter bringt mich das aber nicht, Probleme löst es nicht und meine Weltsicht wird dadurch auch nicht besser. Auf alle Fälle aber will ich mir den Tag durch nichts vermiesen lassen.

Einfach schweigen, so tun als geht mich alles nichts an, will ich nicht. Jammern möchte ich nicht und mit dem Finger auf andere zeigen und Schuld zuweisen ist zwar einfach, aber nicht mein Ding.

Seit Jahren wird versucht, irgendwelche Probleme in der Welt zu lösen, indem man das, was man als bedrohlich und schädlich findet, einfach auslöscht. Bisher war das immer weit weg von uns. Bomben treffen aber nie nur das, was als „das Schlechte“ gilt. Sie bringen Unheil und das produziert Wut, Zorn, Aggression. Und dann braucht eigentlich nur noch jemand daher zu kommen, der predigt, wie alles wieder gut werden kann und man selber ein Held. So einfach ist das und eigentlich wissen wir das auch.
Es wird höchste Zeit, dass sich die Staatsvertreter an die runden Tische setzen.

Die Nachrichten heute morgen fand ich sehr schlimm. Mein Beileid gilt den Opfern in London und ihren Angehörigen, Freunden, Nachbarn. Als ich aber so manches Geschreibsel auf Twitter las, war ich froh, dass ich noch nicht gefrühstückt hatte. Da waren sie wieder, die Schuldzuweisungen und das Aufschaukeln der Gefühle.
Aber auch jetzt wollte ich mir den Tag durch nichts vermiesen lassen.

Eigentlich wollte ich heute mein Insektenhotel bauen. Ich habe mir schon den Spitznamen „Bienenfreund“ eingehandelt. Ach ja, damit kann ich ganz gut leben.
Weil es aber regnete, habe ich Rohlinge für Fingerpuppen gefilzt, natürlich wieder Fotos gemacht und alles aufbereitet für mein Buch. Morgen sind auch meine Schrumpelhände wieder glatt.

Und jetzt gehe ich wieder zur Tagesordnung über und mache meinen „Wollkram“. Für mich ist das einfach verdammt wichtig.

den Tag durch nichts vermiesen lassen

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
(Verfasser nicht eindeutig geklärt)

Ich bin kein gläubiger Mensch, aber mir schenkte mal ein ganz lieber Kollege eine Karte mit diesem Text. Ich habe sie immer noch.

 

Comments are closed.