Die Oase, zum Leben notwendig.

Ich wusste immer genau, warum ich Ausbildungen machte, ein Studium durchstand, mich auch mal schinderte. Damit schuf ich ich mir meine Oase, in der ich tätig sein konnte und letztendlich auch mein Auskommen fand, was die materielle Absicherung des Lebens anbelangte. Arbeit und Leben, für mich gehört das zusammen.
Manchmal kommt es dennoch anders.

Nun stellen wir uns mal vor, meine ganz persönliche Oase wäre an einer CNC-Fräsmaschine gewesen und irgendwann hätte man mir diese Maschine weggenommen? So ist es leider ganzen Betrieben im Osten gegangen. Ich kann es verstehen, dass es manchen die Füße weggezogen hat.
Der Tweet des CDU-Generalsekretär Peter Tauber „Wenn Sie was Ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs.“ finde ich so was von verachtend, weltfremd und überheblich. Die meisten damals waren ordentlich ausgebildete Facharbeiter und auch heute trifft es nicht nur die Ungelernten (und auch das hat Ursachen im System).

Ich wollte nicht dasitzen, die Hände im Schoß, grübelnd und vielleicht irgendwelchen Süchten verfallend. Mein Traum war es immer, auch anderen eine Oase zu bieten, in der sie sich ein bisschen zu Hause fühlen können. Das ist mir nicht gelungen, denn ich habe dafür keinen Raum. Oder sagen wir so: Ich kann mir keinen kaufen oder mieten.
Und so hangele ich mich von Veranstaltung zu Veranstaltung, transportiere meinen Krempel dort hin. Ohne Auto, denn ich habe keins. Missen möchte ich das nicht, denn es erhält mich am Leben. Es lässt mich die quälenden Existenzängste wegdrücken.

Meine ganz kleine und ganz persönliche Oase ist hier auf meinem Balkon. Ich hoffe, dass sie mir noch lange erhalten bleibt, denn hier kann ich neue Ideen andenken. Und manchmal kann ich hier auch heimlich weinen, weil ich so vieles in diesem reichen Land gerade unerträglich finde. 

9 Kommentare zu “Die Oase, zum Leben notwendig.

  1. Der Herr Tauber ist wieder einmal ein überaus deutliches Beispiel dafür, wie sehr unsere Politiker/innen bereits das Verständnis und den Kontakt für die „einfachen“ Leute, für das Stimmvieh, verloren haben. Dem Internet sei Dank – oder auch Fluch -, dass solche entlarvenden Entgleisungen in Sprache und wohl auch Denke heutzutage ganz rasch an die Öffentlichkeit gelangen. Früher hätte der „christlich-demokratische“ Herr Tauber derartige Äußerungen wohl nur im kleinen Kreis gemacht, und dann hätte man ganz schnell mit dem Schwamm drüber gewischt…
    Ich bin auch Facharbeiterin, habe vor fast dreißig Jahren viel Geld in meine Schulung und Prüfung zur Restaurantmeisterin gemacht – und verdiene heute ein Almosen, das knapp zum Überleben reicht – Lohn bzw. Gehalt kann man das, was man mir monatlich überweist, beim besten Willen nicht nennen…
    Ich habe zwei Oasen: Meinen Schreibtisch nahe des kleinen Balkons im Wohnzimmer – und mein Bett. 😉
    Sei herzlich gegrüßt! ♥

    1. Twitter ist manchmal ein Segen. Da ballern Leute Sachen heraus, die sie besser hinuntergeschlückt hätten. Gut so, weil es mir sagt, wen ich nicht und nimmer wählen werde.
      Am Schreibtisch mache ich es mir auch immer gemütlich. Aus dem geschenkten Schafvlies will ich Sitzfellchen machen, zusammenhängende Haare, ähnlich eines Felles. Der Unterschied ist, dass das Schaf noch lebt. Wenn mir das gelingt, gebe ich welche ab. 🙂
      Liebe Grüße zu dir in deine Oasen.

  2. Ich liebe meine Balkonoase auch über alles. Das was Herr Tauber da abgesondert hat, spottet jeder Beschreibung. Da kann er jetzt zurückrudern, soviel er will. Es ist völlig klar, wessen Geistes Kind er ist. Und nicht nur er… trotzdem wird es wohl im September keinen Politikwechsel geben.

    1. Nein, zurückrudern nützt da nichts mehr. Sascha Lobo hat es auf den Punkt gebracht. Was regen wir uns über einen Tweet auf, das ist doch genau die Sozialpolitik der letzten Jahre.
      Deine Balkonoase ist aber auch schön. Bei mir ist das eher ein Versuchslabor. 😀

  3. Nicht nur im Osten gab und gibt es solche Menschen wie Herrn tauber. Als ich 1989 beim Amtsarzt wegen meiner vorzeitigen Pensionierung war, verabschiedete er mich im gehäßigen Ton mit den Worten, „Sie sind sowieso für den Arbeitsmarkt nur noch Schrott“. Aus Trotz lebe ich entgegen aller Vorhersagen immer noch.
    Auch ich habe auf unserer Terrasse/Balkon eine kleine Oase.
    Liebe Grüße von Bärbel

    1. Das ist ein starkes Stück, was dir da passiert ist. Ich weiß nicht, wie manche Menschen zu ihrer Empathielosigkeit gekommen sind. Da werden anderen Dinge vor den Latz geknallt, die schwer zu verkraften sind.
      Liebe Bärbel, für deine Unerschütterlichkeit bewundere ich dich sehr und dass du das nächste gesundheitliche Problem packst, dafür drücke ich dir alle Daumen.
      Herzliche Grüße zu dir.

  4. Liebe Gudrun, ich war über die Verachtung, die in dem Tauber-Tweet mitspricht, so etwas von entsetzt. Doch es wird die CDU keine Punkte kosten, sie wird nach wie vor die stärkste Partei bei der nächsten Wahl sein. – Leider muss ich als ausgeprägte CDU-Gegnerin dennoch fragen: „Welche Partei wäre besser?“
    Dein Balkon mit der „riesigen“ roten Pflanze sieht ja wirklich prächtig aus.
    Sommergrüße aus Berlin von mir

    1. Die riesige rote Pflanze ist eine Buntnessel. Sie hat offensichtlich beste Bedingungen auf meinem Balkon, denn sie wächst und wächst. Man sieht schon den Balkonkasten dahinter nicht mehr aus dieser Perspektive. Im Herbst werde ich mir wieder einen Senker für nächstes Jahr ziehen. Den werde ich aber etwas ausgeizen, so wie bei den Tomaten. 🙂
      Grüße nach Berlin.

  5. Solche Twitterkommentare ziehen einen die Schuhe aus… wäääh
    Eine Balkonoase will ich mir auch schaffen. Wenn ichs denn schaffe 🙂 Meine Stadt hat Projekttöpfe mit denen sie kleine Projekte von Bewohnern benachteiligter Stadtteile fördert. Vielleicht hat deine Stadt auch eine niederschwellige Fördermöglichkeit für dein Projekt. Ich bekomme gerade eines gefördert und kann meine Ausstattung für die ehrenamtliche Arbeit damit finanzieren.

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