Textile Handarbeit wie anno dunnemals. Experimente.

In meiner Küche gibt es nicht viele Elektrogeräte. Nicht, weil ich mir so gar keins leisten kann. Ich will es nicht. Meine drei Möhren kann ich mit einem Messerchen putzen, während es in der Pfanne schon brutzelt. Handarbeit wie anno dunnemals tut mir gut, die Ruhe der Abläufe auch.

Und wie ist das mit textilen Arbeiten?

Man muss heute nicht glauben, dass man eine Textilindustrie aushebeln kann, in der so einiges derquer läuft, immer mehr produziert wird, immer schneller, immer billiger. Es gibt inzwischen auch Elektrospinner für den Hausgebrauch zu kaufen.
Im Steinzeitpark Dithmarschen in Albersdorf habe ich in einer nachgebauten Hütte aus der Steinzeit einen Gewichtswebstuhl gesehen und auch verschiedene Spinnwirtel, die man bei Ausgrabungen gefunden hat. Ich hätte am liebsten angefangen zu spinnen.
Textilien herstellen hat also eine sehr lange Geschichte.

Aber, wie hat man es gemacht vor vielen Jahren?

Mich interessiert natürlich vornehmlich das Verspinnen von tierischen und pflanzlichen Fasern. Spinnen kann man eigentlich mit allem. Glaubt ihr nicht?

Nun gut, der Apfel ist etwas groß und die Nadel etwas klein. Besonders haltbar ist meine Spinndel auch nicht. Ich hatte aber gerade nichts anderes. Und: Es geht!

Bei Ausgrabungen hatte man oft Spinnwirtel gefunden. Das ist das kleine scheibenartigen Gewicht, welches auf dem Spindelstab sitzt und dafür sorgt, dass die Spindel rund und sanft läuft. (Mein Apfel sollte oben die Funktion übernehmen.) Einen Spindelstab zu finden, war schon schwieriger, weil sich Holz nicht dauerhaft hält, nur unter extrem guten Bedingungen. Man fand schließlich einen in der Schweiz.

Bei Dr. Katrin Kania, die sich mit experimenteller Archäologie beschäftigt und die Gerätschaften zum Spinnen anbietet, habe ich mir eine nach archäologischen Funden nachgebaute Spindel bestellt. Die Spindel besteht aus einem Stab aus Holz und einem abnehmbaren Wirtel aus Keramik. Ich musste das Spinnen damit natürlich sofort ausprobieren.

Und heute, lieber Emil, suche ich mir im Auwald einen Stecken, der mir als Spinnrocken dienen soll. Wir sprachen ja gestern darüber und ich bin heute mal mutig. Mal sehen, wie es mit meinem Experiment, der Handarbeit wie anno dunnemals weiter geht. Es bleibt spannend.

5 Kommentare zu “Textile Handarbeit wie anno dunnemals. Experimente.

  1. Auch wir verzichten wo es geht auf Elektrogeräte. Brot wird mit der Hand geknetet, Teig für Kuchen so angerührt und fürs pürieren haben wir die flotte Lotte. Mein größter Wunsch wäre es meine Kleidung selbst herzustellen, leider kann ich nicht nähen. Der Liebste hat sich allerdings einmal ein Sambakleid genäht, für den Karneval. Ruht sich nun aber auf seinen Lorbeeren aus. Allerdings stopft und flickt er, dass es eine Art hat. Ich stricke Socken und nun auch Pullover und häkele Tücher. Vielleicht schaffe ich es ja noch zum Nähen.

    1. Mit der Hand nähen, das muss ich irgendwann auch noch tun, weil meine Mittelalterklamotte eben nicht authendisch ist. 😊 Das hatte mir mal jemand von einem Mittelalterverein gesagt und er hatte Recht. Eine Nähmaschine gab es damals noch nicht. Wenn ich also mal ganz große Langeweile habe …
      Ich fürchte nur, dass das nicht passieren wird. Mit der Maschine nähen kann ich aber auch nicht.
      ich werde jetzt erstmal Puschen filzen. Mal sehen, ob ich das hinbekomme.

    1. Ich brauche es vor allem zum Zeigen und höchstens mal für unterwegs. Interessant ist es allerdings schon. 🙂
      Liebe Grüße zu dir.

  2. Manche Haushalthilfen möchte ich heut nicht mehr missen, aber alles muss man auch nicht haben. Im Urlaub schneiden wir unser Brot immer mit einem großen Brotmesser, das wir extra mitnehmen. Auch, wenn es einen Schneider dafür gibt.
    Ich spüle auch gern mal mit Hand und gönne dem Geschirrspüler eine Auszeit.
    Und kleine Reparaturen an Kleidung werden mit Hand ausgebessert, dafür hole ich nicht extra die Nähmaschine hervor.
    Nun hab Spaß mit deinem neuen Experiment liebe Gudrun.
    Viele Grüße von Kerstin.

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