Das Spinnrad weiß noch die Tage. Spinnradgeschichten.

Dieser Tage habe ich die Wolle gewaschen, die mir eine Spinnerin aus Norddeutschland geschenkt hat und über die ich mich so sehr gefreut hatte. Das heißt, ich habe die Wolle gewaschen, die nach dem Filzen von Sitzfellchen noch übrig geblieben war. Eine feine Wolle ist das von den Bengtheimer Landschafen, weich, weiß, langfasrig.  Ich hatte plötzlich Lust auf mein Spinnrad.

Und so flattern auf dem Balkon flatterten mal wieder „Weihnachtsmannbärte“. Als es zu gewittern anfing und der Wetterdienst Unwetterwarnungen für Leipzig verkündete, schleppte ich den Wäscheturm ins Wohnzimmer. Die Wolle ist mir zu kostbar, um damit Risiken einzugehen.

Irgendwie macht der Sommer gerade Pause. Da bietet es sich an, einen Tee zu kochen und zu spinnen.
Das alte Spinnrad hat mir mein Sohn aus Schweden mitgebracht. Ist das nicht lieb? Da schleppt er aus dem Urlaub ein Spinnrad mit. Ich wüsste zu gern, wo es schon überall gestanden hat und wer daran gesponnen hat. Wer weiß, wie viele Geschichten es erzählen könnte.
Ich werde mir wohl welche ausdenken.

Viele Jahre hat das Spinnrad schon auf dem Buckel, aber es läuft immer noch ganz ruhig und leise. Es hat einen zweifädigen Antrieb und ich kann den Einzug gut kontrollieren. Hach, es ist schön, zu sitzen und zu spinnen. Alles wird ruhig und still fließend.
Diese Ruhe überträgt sich auf mich und die Gedanken werden leicht und frei. Gut so in diesen unruhigen Zeiten.

Wenn in Großmutters Stübchen ganz leise
surrt das Spinnrad am alten Kamin
hör ich manche verklungene Weise
wie im Traum durch die Dämmerung zieh’n.
Und dann erwacht die alte Zeit, die längst entschwunden.
Kindertage und der ersten Liebe Glück.
Altes Spinnrad, ach bring‘ mir die Stunden
meiner Jugend noch einmal zurück!
(aus einem Lied der Comedian Harmonists)

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