Wollprojekte, Garten, wenig Zeit für Internet, Woyzeck.

Im Netz bin ich gerade nicht sehr oft zu finden. Meine Wollprojekte nehmen mich voll in Beschlag. Ich habe eine große Sehnsucht danach, mal wieder Schafe zu streicheln. In meiner Nähe habe ich keine Schafe, aber Wolle. Viel Wolle. Sie riecht nach dem Schaf, ist weich, bei Hitze kühlend und hat immer etwas Weiches, Mütterliches an sich.

Socken stricken mit Zopfmuster

Eines meiner Wollprojekte ist das Stricken von Socken.
Ich bin erstaunt, wie viel Ruhe dieser Prozess mir gerade bringt. Am alten Spinnrad aus Schweden habe ich einen sehr dünnen Faden gesponnen, den verzwirnt und anschließend aus zwei Knäuel davon gestrickt. Der Faden ist jetzt also vierfach. Die Socken werden ein Weilchen halten, sind dennoch schön weich.
Wenn ich mich mal verstrickt hatte, habe ich das eben nochmal gemacht. Das wäre früher bei mir nicht möglich gewesen, cholerisch wie ich immer war.

Jetzt werde ich mich gleich in den Garten aufmachen. Ich muss einfach nochmal die Blütenpracht genießen, ehe der Herbst kommt.

Im Netz bin ich gerade nicht sehr aktiv. Es gibt nicht viel zu berichten und vieles, was ich lese oder sehe, belastet mich.
Heute Abend werde ich mir die Inszenierung der Schaubühne Lindenfels zu Woyzeck auf dem Leipziger Markt ansehen. Am 27. August 1824 wurde der Soldat Johann Christian Woyzeck geköpft. Es war die letzte öffentliche Hinrichtung in Leipzig. Die Schaubühne will mit ihrer Darstellung, natürlich ohne Toten oder spritzendes Blut, die Diskussion anregen über die Todesstrafe.

Damals waren die Fenster der Bürgerhäuser am Markt teuer vermietet, der Marktplatz voller Schaulustiger. Und das in einer aufgeklärten Stadt in der es den Buchdruck schon gab. Mich macht nachdenklich, dass wir doch eigentlich heute noch viel aufgeklärter sein müssten. Eigentlich.

Ich mach mich mal auf den Weg und wünsche allen einen guten Sonntag.

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