Und wer soll jetzt den Berg Wolle kardieren?

Schon immer habe ich mich gefreut, wenn ich Wolle geschenkt bekam. Für mich ist das ein wertvoller Rohstoff, der mich nur Zeit und Arbeit kostete. Also habe ich die Wolle gewaschen. Und schon, wenn die Wolle auf dem Wäscheständer trocknete, habe ich mich mit Entsetzen gefragt: Und wer soll jetzt den Berg Wolle kardieren?

Beim Kardieren werden die Fasern aufgelockert und in eine Richtung „gelegt“. So wird die Wolle für das Spinnen vorbereitet.
Ich hatte dafür zwei Handkarden, gebogene Bretter mit Griff und dichter Benadelung. In eine Karde wurde die Wolle eingehängt und dann arbeiteten die Karden gegeneinander bis die Wolle so war, wie man es sich wünschte. Wenn die Kraft nachließ und eine Karte wegrutschte, dann wollte ich sie halten und haute mit der Hand auf die Stahlnadeln. Autsch! Oh, ein feines Gefühl, wenn der Schmerz nachlässt, auch der Muskelkater in den Händen und den strapazierten Sehnen im Handgelenk.

Jetzt ist das Kardieren für mich viel, viel leichter geworden, denn ich besitze eine „Rudy“, eine Kardiermaschine. Die produziert schöne, weiche Vliese und Muskelkater vom Kurbeldrehen hatte ich bisher noch nicht. Es bleibt sogar Zeit und Muße, nebenher Tee zu trinken.

Die Frage „Und wer soll jetzt den Berg Wolle kardieren?“ beantworte ich nun immer gerne und ohne zu zögern. Ich freue mich sehr über das Maschinchen und über die schöne Milchschafwolle, die mir Frau Momo geschenkt hat.

Die letzte Wolle trocknet gerade. Es ist schon empfindlich kühl geworden draußen. Ich freue mich darauf, es mir am Spinnrad gemütlich zu machen, mit feiner, weich kardierter Wolle. Das ist genau die richtige Beschäftigung für diese Jahreszeit.

Wolle kardieren und nebenher Tee trinken

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