Gudrun im Sockenmodus, mit schweren Gedanken.

Der letzte Monat im Jahr fängt an und ich bin im Sockenmodus. Ich genieße die Ruhe in diesen Tagen sehr. Ich finde es schön und gemütlich, wenn ich mir in meiner Wohnung gemütliche Eckchen schaffen kann, in denen ich in aller Ruhe werkeln kann.
Neben meinem Spinnrad habe ich Lichter aufgestellt.

Lichter neben dem Spinnrad

Es gab auch in dieser Woche wieder Begebenheiten, die mich fassungslos machen. Manchmal glaube ich, dass Regeln verloren gehen, nach denen man seine Worte wählt und nach denen man handeln kann. Da ist einerseits dieser Landwirtschaftsminister Schmidt, der sich über alle Regeln hinweg setzt und Entscheidungen trifft, die eine tiefe Verbeugung vor Monsanto und Bayer bedeuten.
Da gibt es aber auch in meinem Umfeld öffentlich geäußerte Meinungen, nach denen Arbeitslager nicht schaden könnten für Sprayer, „Wirtschaftspflüchtlinge“, Menschen, die für „Nichtstun Geld bekommen“. Ich hatte mich sehr auf eine Schreibgruppe gefreut in meinem Wohngebiet. Manchmal sage ich mir: Hättest du das nicht gelesen in fb, dann wärst du unbelastet hingegangen. Kann ich unbeschwert Geschichten schreiben, wenn ich diese Äußerungen nicht wieder aus dem Kopf bekomme? Rückzug ist bestimmt nicht der richtige Weg, aber alles einfach hinnehmen um des lieben Friedens Willen kann ich einfach nicht.

im Sockenmodus

Ich freue mich, wenn ich mich an mein Spinnrad zurückziehen kann. Nein, ich dränge da nichts weg, ich habe aber viel mehr Ruhe, darüber nachzudenken, welche Gesellschaft mit all ihren Erscheinungen ich mir wünsche.

Das letzte Paar Hüttenschuhe habe ich in Arbeit, diesmal helle für ein Mädchen, welche mit Grün, weil sie Grün liebt. Weil ich gerade im Sockenmodus bin, habe ich mir überlegt, noch einige mehr zu stricken und sie denen zu schenken, die gar keine Wohnung haben. Manchmal möchte ich nicht wissen, warum Menschen weggelaufen, ausgestiegen sind. Es würde mir wahrscheinlich das Herz brechen. In ein Arbeitslager gehören sie jedenfalls nicht und eine kleine Freude zu Weihnachten sollte eigentlich jeder haben.

10 Kommentare zu “Gudrun im Sockenmodus, mit schweren Gedanken.

  1. Vieler dieser Menschen sind nicht weggelaufen, sie sind aufgrund von Schicksalsschlägen obdachlos geworden und das geht manchmal schneller, als man denkt. Ich helfe ja immer wieder mal in einer Obdachlosentagesstätte und die Schicksale sind relativ ähnlich und sie gehen durch alle soziale Schichten. Ihnen die Würde zurückzugeben, das ist die Arbeit der Tagesstätte und ich bewundere die Menschen, die das dort täglich machen.

    1. In Leipzig gibt es Kinder und Jugendliche, die von zu Hause weggelaufen sind. Manchmal möchte ich die Gründe nicht wissen.
      Du sagst es, ihnen Würde wieder geben, wenigstens für einige Momente.

  2. Gudrun, das ist eine wunderbare Idee.

    Ich habe heute einem mir seit Jahren „bekannten“ Mann, den ich immer wieder mit seinem Hund sitzen sehe in der Stadt, einen kleinen Adventsvorschuß gegeben mit Lebkuchen, Hundefutter und etwas Geld.

    Und für einen Schuhkarton hat es auch wieder gereicht. Trotz aller Anfeindungen des Projektes …

  3. Die, die am Wenigsten haben, beschenken andere Menschen, denen es noch schlechter geht. Du hast ein gutes Herz Gudrun. Und gerade Socken – warme Kleidung – werden nun im Winter gebraucht.
    Ich stricke gerade Socken für meinen Mann, die werden noch eine kleine Weihnachts-Überraschung. Reine Schurwolle. Aber ich könnte sie leider nie tragen, mich kratzt die Wolle. Aber schön und warm sehen sie immer aus.
    Liebe Grüße von Kerstin.

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