Die Zeit der Heimlichkeiten und Geheimnisse.

Ich vermisse sie, die Vorweihnachtszeit als Zeit der Heimlichkeiten und Geheimnisse.
Wenn ich  früh das Radio anmache, dann wird mir erstmal erzählt, was ich alles kaufen soll. Besser ich kaufe drei was, dann wird mir eines geschenkt. Sonntagsöffnungszeiten gibt es damit das „Shoppen“ zum besonderen Event wird. Ich mochte das noch nie.
In der Straßenbahn unterhalten sich Mütter, was sie ihren Kindern zu Weihnachten kaufen und welchen Ring sie sich selbst gewünscht haben. Ich bin froh, dass mich das alles kaum berühren muss.

Zeit der Heimlichkeiten und Geheimnisse

An meine Kindheit erinnere ich mich gern. Wenn meine Mutter den Stollenteig knetete, kniete ich auf dem Hocker am Tisch, weil es immer etwas zu naschen gab. Kurze Zeit später verschwanden meinen Puppen. Nein, ich bekam nicht ständig Neue, je nach dem, was gerade Mode war. Immer vor Weihnachten strickte meinen Mutter für das Baby und nähte Kleider für die andere. Meine Freundinnen beneideten mich sehr darum.
Süßigkeiten, Nüsse, Orangen, am Weihnachten war das etwas Besonderes. Es roch so gut und wenn leise die Lieder im Radio erklangen, dann fühlte ich mich besonders wohl und geborgen.

Später, als Hortnerin, versuchte ich, ein bisschen von dieser Stimmung ins funktionale Klassenzimmer zu bringen. Mit den Kindern habe ich gebacken, gebastelt und das Zimmer geschmückt. Nach der Arbeit passierte das zu Hause mit meinen eigenen Kindern nochmal.

Und jetzt? Der Koffer mit dem Weihnachtszeug ist immer noch im Keller. Ein Klassenzimmer habe ich nicht mehr, meine  Kinder wohnen weit weg. Für wen also schmücken?
Für mich. Ja, für mich. Weil es gut tut.

Heute mache ich es mir gemütlich. Für eine Freundin stricke ich die Stulpen für ihre geplagten Beine fertig. Morgen, zum zweiten Advent, werde ich nach Wyhra zur Hofweihnacht fahren, mit den Kindern filzen und spinnen. Märchen und Geschichten habe ich auch eingepackt.

Gerade fängt es an zu schneien und ganz leise und vorsichtig stellt sich das Gefühl wieder ein, wie damals in der Zeit der Heimlichkeiten und Geheimnisse.

Stulpen aus wärmender Schafwolle

16 Kommentare zu “Die Zeit der Heimlichkeiten und Geheimnisse.

  1. Wir haben unsere Erinnerungen – und sie sind mehr wert als die meisten während des grade tobenden Konsumterrors erstandenen Geschenke…
    Ich wünsche dir für morgen viel Erfolg, liebe Gudrun. Du wirst die Leute begeistern, da bin ich ganz sicher. ♥

    1. Ich habe mir Vorgenommen, den Konsumterror (gutes Wort) zu ignorieren. Dass es auch geht, hat mir die Hofweihnacht in Wyhra gestern gezeigt. Wohlfühlen kann man sich auch ohne ständig kaufen zu müssen.
      Liebe Grüße an dich.

  2. liebe Frau Spinnrad …grad vorige Woche hab ich das Kinderlied „so viel Heimlichkeit in der Weihnachtszeit „kennengelernt und hab mich sooo gern zurück erinnert .. meine puppen sind auch verschwunden… für unsere Kinder arbeitete mein mann im Keller an der Eisenbahn … er hat sogar das Schlüsselloch verklebt ;o) … und irgendwie versuche ich das jetzt auch ins alter zu retten.. für die Nachbarn wichteln… fröbelsterne auf die Fußmatte und solche Kleinigkeiten …neudeutsch das innere Kind beglücken ! um so viel wichtiger ist das auch in Kindergarten und Schule tragen …klasse 1-6 bei zwei Kindern also 7 jähre hab ich jedes jähr am Nikolaus tag mir einem Korb und Kerze an der Klassentür gepoltert und bin losgesaust und mich versteckt… wenn ich wen von den Kindern treffe heisst es mit Augenzwinkern ..wissen sie noch
    es war schön…. an uns alten ist es diese dinge nicht zuvergessen lebendig zu halten und den sinn der Weihnacht zu LEBEN.
    ich wünsche am Spinnrad, den Nadeln viel Spass mit Heimlichkeiten
    für nah und fern
    gross und klein (vielleicht ein Schaf aus dem stall gestrickt aus handgesponnener wolle fürs Enkelkind… )
    und weihnachten ist das grösste Geheimnis
    tschüss aus der grossen Stadt
    Karo

    1. Das verklebte Schlüsselloch finde ich klasse und aufregend. 😊 Das alleine ist schon eine Weihnachtsgeschichte wert. Danke für deinen Beitrag. Er hat gut getan.
      Grüße von einer großen Stadtb in die andere.

  3. Morgen werde auch ich in der Mönchskutte irgendwo sitzen und Weihnachtsgeschichten und Märchen vorlesen, mitten hier in der Stadt, vor Kindern und ihren Eltern … Ich bin jetzt schon nervös.

    Bei mir muß das Weihnachtszeug stehen, ohne fühlt es sich nicht richtig an, sieht es nicht richtig aus.

    Viel Freude wünsche ich Dir, morgen und den Rest der Zeit der Heimlichkeiten hindurch.

  4. Liebe Gudrun, alles Gute für deine Zeit in Wyhra, es wird dir Freude machen.
    Ich habe schon lange aufgehört, für andere zu schmücken, sondern mache es einzig und allein für mich. Es macht Spaß, im sternenerleuchteten Zimmer zu sitzen.
    Herzliche Grüße von mir

    1. Deine Guten Wünsche sind angekommen, liebe Clara. Es war gut zur Hofweihnacht in Wyhra. Von so lieben Menschen umgeben zu sein hat mir mehr als gut getan.
      Liebe Grüße zu dir.

  5. An meine Kindheit im Advent habe ich auch schöne Erinnerungen. Puppenstube und Kaufladen, und beim Backen gab es für den Kaufladen kleine Brote gebacken. Ich wünsche dir heute einen schönen Hofweihnachtstag. Liebe Grüße Linda

    1. Das ist eine feine Idee: kleine Brote für den Kaufmannsladen. Ich werde das probieren, liebe Linda. 🙂
      Danke für deine Kindheitserinnerungen und herzkiche Grüße an dich.

  6. Die schönsten Erinnerungen an die Weihnachtszeit haben wir wohl alle aus der Kinderzeit. Da war alles noch voller Heimlichkeiten. Es wurde gebacken und wir Kinder bastelten Baumschmuck. Wenn der Nikolaus Apfelsinen brachte und Nüsse, das war schon was Besonderes für uns.
    Heut leben wir im Überfluss und wenn wir Appetit auf Süßes haben, so kaufen wir es uns nebenbei.
    Besinnen wir uns auf den Sinn von Weihnachten!
    Liebe Abendgrüße von Kerstin.

  7. An alle

    Ich kann erst heute auf eure lieben Kommentare antworten, war mot den Vorbereitungen zur Hofweihnacht in Wyhra beschäftigt und dann halt unterwegs. Gesundheitlich geht es mir nicht besonders. Mein Blutdruck scheint Berge erklimmen zu wollen. Nun ja, da müssen wir durch, ich und mein Blutdruck.
    Über alle Kommentare habe ich mich sehr gefreut. Vielen, vielen Dank.

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