Es geht immer weiter, egal was passiert.

Meine Wollprojekte haben mich wieder voll in Beschlag genommen. Es geht immer weiter, egal was passiert. Auch, wenn mal etwas auf der Seele drückt, ich kann mich nicht hinsetzen, seufzen und über die Ungerechtigkeiten der Welt zu jammern. Das liegt mir so gar nicht. Also habe ich heute den Rest weißer Wolle kardiert.
Meiner Katze Kleo habe ich ein ebenerdiges Lager gebaut. Sie lag neben mir. Das hat sie schon immer gerne so gehabt. Jetzt habe ich das Gefühl, dass es sie sehr beruhigt.

In einem alten Spinnbuch habe ich mal gelesen, dass man um so besser spinnen kann, je mehr man es vorbereitet. Stimmt.
Ich habe heute die gewaschene Schafwolle gezupft, aufgelockert, fluffig gezogen. Erst dann ließ ich es in die Kardiermaschiene laufen. Das ging dann auch ganz leicht. Ohne Anstrengung und ohne dass ich Klimmzüge machen musste lief meine Wolle in die Maschine. Als ordentliches Vlies konnte ich es abnehmen.

Zum Auflockern der Fasern kann man auch die Flickkarde nehmen, die mit der Kardiermaschine geliefert wird. Ich nehme zum Zupfen lieber meine Hände, weil ich das Gefühl habe, dass die Flickkarde mehr zerreißt als ordnet.

Ich muss mir überlegen, was ich mit dem ganzen Wissen mache, welches ich mir im Laufe der Jahre angeeignet habe. Wie es auch wird: Es geht immer weiter.

7 Kommentare zu “Es geht immer weiter, egal was passiert.

  1. Auch wenn ich so gar nichts von der Materie verstehe, finde ich es immer spannend, wenn du die Vorgehensweise erklärst. Die Eertschätzung für Wolle wird größer, weil ich mitbekomme, wie immens viele Arbeitsgänge nötig sind von der Schafschur bis zum Wollknäuel.
    Für die kleine liebe Cleo nur die besten Wünsche und ein ganz lieber Streichler.

    1. Ich müsste mal an meinen Büchern weiterschreiben, aber irgendwie hat mich gerade der Mut verlassen. ich ziehe gerade alles in Zweifel: die Schreibe, die Bilder … Irgendwann raffe ich mich bestimmt wieder auf.
      Mit Kleo zieht es sich bestimmt noch. Manchmal habe ich mir gewünscht, dass sie morgens nicht mehr aufwacht. Aber so einfach ist es nicht.
      Wir schaffen das auch noch zusammen.

  2. Ich kenne diese Tiefs nur selber zu gut, auch wenn sie bei mir schon lange her sind. Ich mag da auch nicht schreiben, Du schaffst das schon oder so. Manchmal ist es einfach Käse und dann darf man auch mal seufzen und klagen. Mir selber haben immer meine Ehrenämter geholfen, die ich damals gemacht habe. Ich war unter Menschen, hatte auch interessante Aufgaben. Ich hatte teilweise echte fulltime Jobs, jedenfalls zusammengenommen, aber das hat mich vor der sozialen Isolation bewahrt und hat auch Spaß gemacht.Aber das war mein Weg, das muß nicht für jeden das richtige sein.
    Paul und Sammy haben wir in ihren letzten Wochen immer durch die Wohnung geschleppt und da „abgelegt“ wo wir uns aufgehalten haben, damit sie immer in der Nähe waren. Aber es ist einfach traurig, wenn man weiß, dass so ein Tier geht. Auch wenn es Zeit für sie ist. Sammy war am Schluß ja auch reichlich klapprig. Aber irgendwann ist sie mit einem letzen Miau neben Martin friedlich eingeschlafen und wir haben sie dann würdig beerdigt, wie alle Katzen.

    1. Bei euch sind die Strukturen für ein Ehrenamt anders gewachsen. Umziehen wegen eines Ehrenamtes kann ich allerdings nicht.
      Ich habe da viel gemacht, einfach auch, weil ich die Zeit dazu hatte. Sehr oft sah man das als selbstverständlich an und ich bekam nicht mal ein Dankeschön. Jetzt entscheide ich sehr genau, wo und wann ich etwas tue. Ich mach schon noch, keine Sorge.
      In sozialer isolation befinde ich mich nicht, was das Zusammensein mit Menschen betrifft. Bei der kulturellen Teilhabe sieht es allerdings ganz schlecht aus. Ich kann nicht ins Opernhaus oder zu diversen Konzerten, kann nicht reisen und mir Dinge ansehen, die ich schon immer mal sehen wollte. So ist es aber nun mal und ich kann mich nur irgendwie einrichten.
      Über all das schreibe ich sehr ungern, weil mit wenigen Worten nichts auszudrücken ist. Ich mache mich blank und das ist in einer Welt des beruflichen und finanziellen Erfolges nicht gut.

      1. Das mag sein, dass es bei uns anders ist. Das kann ich nicht beurteilen. Mir hat es damals geholfen, aber es war auch mein Weg, der muß für andere nicht richtig sein. Ich weiß ja wie das ist, denn leider kostet fast alles Geld und ich finde, darüber darf man sich ruhig mal beklagen. Ich glaube nicht, das, wer hier liest Dich nach Geld und beruflichen Erfolgen misst. Ich tue das ganz sicher nicht. Ich selber bin ja auch nicht hinter beruflichen Erfolgen her. Mir ist es wichtig, das ich auch was halbwegs sinnhaftes tue, von dem ich dann allerdings auch leben können will. Beides habe ich erreicht, aber daran messe ich niemanden, denn es war mein ganz eigener Weg.

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