Das Sterben gehört zum Leben dazu. Machs gut, Kleo.

Es deutete sich schon lange an: Die Zeit für meine Katze Kleo war gekommen. Das Sterben gehört zum Leben dazu und ich muss sie über die Regenbogenbrücke gehen lassen.

Kleo war noch winzig, als ich sie bekam. Ein Feuerwehrmann brachte sie mir. Sie wohnte mit Mutter und Bruder auf dem Dach einer Industrieruine. Als die gesprengt werden sollte, riefen Anwohner die Feuerwehr. Und ich bekam die Kleo, für die ich nun Ersatzmutti sein musste, denn sie konnte noch nichts alleine.

Für Kleo wurde eine Katzenklappe in die Haustür gebaut, damals im Haus in der kleinen Stadt vor Leipzig. Kleo hatte alle Freiheiten und wir immer mal wieder eine Maus. Ich wurde in der Zeit von ihr zum fast perfekten Mäusejäger erzogen.

Dann zogen wir beide aus. Die neue Wohnung war im vierten Stock in einem Mietshaus. Kleo konnte kein Freigänger mehr sein. Sie ertrug ihr Schicksal tapfer. Als sie vor 14 Tagen an unserer Wohnungstür saß und intensiv darum bat, gehen zu dürfen, wusste ich, dass es ernst wird. Ich fing an, mich ernsthaft auf den Tag X vorzubereiten und Kleo an den Plätzen in der Wohnung zu lassen, die sie sich jetzt suchte.

Ich hatte ihr vor Monaten schon Hilfen gebaut, damit sie ihre Lieblingsplätze erreichen konnte, auch gab es immer mal Tage, wo es Kleo nicht so gut ging, aber immer hat sie sich wieder gefangen. Man merkte, dass sie schwächer wurde. Sie schlief viel, suchte immer menschliche Nähe und schnurrte laut, wenn man sie streichelte. Das hatte sie sich als ehemalige Außenkatze immer verkniffen. Die Krallen wetzen ging nicht mehr so gut, also habe ich es gelernt, sie zu schneiden. Bis zu letzt klappte es prima mit uns und bis zuletzt schlich die Kleo auf ihr Katzenklo. Ich hätte sie sonst getragen.

Machs gut, Kleo.Die ganze Zeit habe ich überlegt, ob ich zum Tierarzt gehen soll und ihn bitten, das Sterben zu beenden. Aber warum? Das was jetzt gerade hier passierte, war eine ganz normale Geschichte. Unter anderen Umständen wäre ich gegangen. Aber so hatte ich die Pflicht, einfach für meine Katze da zu sein. Auch, wenn wir es manchmal nicht wahrnehmen wollen: Das Sterben gehört zum Leben dazu. Und so saß ich heute Nacht neben ihr auf dem Fußboden. Kleo wollte nicht hochgenommen werden oder irgendwo hingetragen. Das signalisierte sie sehr entschieden.

Als es vorbei war, habe ich Kleo noch einige Stunden auf ihrer Decke liegen gelassen, damit auch die zweite Katze Abschied nehmen konnte.

Ich war heute sehr froh, dass ich nicht alleine war.

36 Kommentare zu “Das Sterben gehört zum Leben dazu. Machs gut, Kleo.

  1. ןich denke, ihr beide habt so am besten Abschied von einander nehmen koennen. Alles Liebe fuer dich und ich haette dich jetzt so gerne wirklich in den Arm genommen.

  2. Es ist immer traurig, wenn ein Tier geht… aber ich fand es immer tröstlich, wenn sie zuhause und in unseren Armen gestorben sind. Paul mußte ich einschläfern lassen, das war der blanke Horror. Max, Sammy und Fiete sind bei uns zuhause, Max in meinen Armen, die anderen beiden in unserer Nähe, gestorben und auch wir haben sie immer noch etwas aufgebahrt, damit die anderen Katzen es mitbekommen.
    Viel Kraft, Gudrun, auch wenn es zum Leben dazu gehört, es ist schmerzhaft.

    1. Sie wollte leider nicht hochgenommen werden, aber sie wollte in meiner Nähe sein. Es war schon Lles gut, aber traurig ist es dennoch. Kleo fehlt mir so sehr. Wir haben so vieles gemeinsam durchgestanden. Ach, Mensch.

      1. Sammy hat sich auch nie hochnehmen lassen, aber sie ist immer in unserer Nähe gewesen und an dem Tag, an dem sie gestorben ist, hat Martin sie zu sich ins Wohnzimmer getragen, wo sie dann mit einem letzen Maunzer neben ihm friedlich gegangen ist. Max und Sammy haben mich fast 20 Jahre begleitet und wir haben auch so vieles miteinander durchgestanden. Aber wir werden sie nie vergessen und manchmal stehe ich an der Stelle, wo wir sie alle beerdigt haben. Das ist bei Freunden im Garten. Vergessen werde ich sie nie. Auch Fiete und Paul liegen dort.

    1. Ach, Beate, was ist das wieder für eine Gemeinsamkeit, die wir gerade erleben? Wir trauern also nun beide.
      Wir werden unsere beiden Tiere in guter Erinnerung behalten.

  3. Schon zweimal fuhr ich die allerallerallerbeste Freundin durch die halbe Repulik zu einem Tierkrematorium, eines ihrer Katzentiere dabei. Nach – wenn ich mich recht erinnere – 15 und 18 Jahren zusammenleben war so ein Abschied schwer … Die Freundin hatte nur kurze Zeit keine Katze, jetzt lebt ein Tierheimkater bei ihr.

    Ich denke, daß … Nunja, normalerweise ziehen sich Tiere zum Sterben zurück. Kleo hat Deine Nähe zugelassen. Und ja, in solchen Zeiten nicht alleine zu sein ist gut und wichtig. Fühl Dich umärmelt …

    1. Danke. Ach, lieber Emil, ich werde keine neue Katze wieder haben. Ich möchte kein Wehtun mehr. Noch ist meine Gastkatze Penny da und danach erscheine ich immer mal mit einer Palette Katzenfutter im Tierheim.

  4. Du hast sie begleitet bis zuletzt. Mehr konntest du nicht tun. Wir werden unsere Tiere, auch wenn sei über die Regenbogenbrücke gegangen sind, immer im Herzen tragen.

    1. Das hatte ich ihr damals versprochen, als sie so klein zu mir kam.
      Kleo hat mich über viele graue Stunden hinweggebracht. Sie wird mir fehlen.

  5. Nun hat sie es endlich geschafft, die gute Kleo. Ich denke, du hast alles gut und richtig gemacht, liebe Gudrun. Sicher geht es ihr besser und sie konnte ganz behütet gehen.

    Auch wenn dir das Herz nun schwer ist, ein stolzes Katzenherz ist zur Ruhe gekommen.
    Ich denk an dich,
    Anna-Lena

    1. Es war ein langer Prozess, liebe Anna-Lena, und am Ende etwas traurig. Man weiß, dass alles an der Zeit ist und trotzdem überfällt einen die Trauer.
      Liebe Grüße an dich.

  6. So ein liebevoller Abschied <3 Und wie sehr Du mit deinen Tieren verbunden bist. Kleo hatte es sehr gut bei Dir. Nun ist sie frei…… Das Bild kann ich mir gut vorstellen, wie Du bei Kleo auf dem Boden platz genommen hast. Erinnert es mich an Silvester als sich mein Hundemädel unter dem Küchenschrank in Todesangst verkrochen hat. Ich sass auch bei ihr auf dem Fussboden und habe sie gestreichelt. Soweit ich eben unter den Schrank fassen konnte. Ich kann Dich sooooo gut verstehen, dass Du bei ihr Platz genommen hast.
    Auch wenn die Trauer darüber nun da ist….. sie wird vergehen. Was bleibt sind die vielen schönen Erinnerungen an Kleo. Gut dass Du nicht alleine warst.
    Ich schicke Dir einen lieben Gruß

    1. Danke, liebe Mia. Ja, Kleo ist jetzt frei und das ist gut so. Ihr geht es jetzt gut, da wo sie ist. Und wer weiß, vielleicht passt sie noch ein bisschen auf mich auf.
      Liebe Grüße zu dir und danke.

  7. Es stimmt schon, das Sterben gehört mit zum Leben. Trotzdem tut es weh, wenn es soweit ist – egal, ob ein Mensch oder ein Tier gehen muss. Ich weiß, welche Leere bleibt, vor allem, wenn man so viel gemeinsam erlebt hat, wie Du es hier in Deinem Blog ja immer wieder einmal geschildert hast.
    Einen lieben Gruß und einen Trostdrücker schickt Dir, liebe Gudrun, die Silberdistel <3

    1. Danke für den Trostdrücker, liebe Silberdistel. Oh ja, Kleo hat sehr lange bei mir gelebt und hat mich durch manche Durststrecke gezogen. Sie wird mir sehr fehlen.
      Ich schicke dir ganz liebe Grüße.

  8. Liebe Gudrun. Erst habe ich bei Beate gelesen, dass ihre Priska gegangen ist und nun muss ich bei dir auch so traurige Nachrichten lesen. Aber deine Cleo ist friedlich eingeschlafen, du warst bei ihr. So sollte es sein können. Du wirst sie immer in Erinnerung behalten, in deinem Herzen.
    Ich drücke dich mal, ich bin sehr gerührt.
    Liebe Grüße von Kerstin.

  9. Es tut mir so Leid, da es immer hart ist ein Familienmitglied gehen zu lassen. Aber ihr hattet eine wirklich tolle Zeit zusammen und das ist so schön!
    Ich wünsche dir alles Gute!

  10. Ich finde, dass du es genau richtig gemacht hast. Du bist das letzte Stück Weg mit ihr gegangen, hast ihr und dir und auch Penny Zeit gegeben Abschied zu nehmen. Sie war bis zu letzt bei Euch und musste nicht in einem kalten Behandlungszimmer bei Fremden ihren letzten Atemzug tun.

  11. Liebe Gudrun
    Du hast den Abschied so berührend erzählt. Unglaublich schön, wie Du bei Kleo geblieben bist. Dein Verlust tut mir sehr leid. Ich drücke Dich.
    Priska

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