Nachtrag zu gestern: einen Stein bemalen und einiges zu Kreativität.

Ich muss heute noch einen Nachtrag schreiben zu meinem gestrigen Beitrag „Einen Stein bemalen“. Es bewegt mich gerade so viel.

Als Kind dachte ich, dass ich völlig talentfrei wäre. Für meine Mutter war es wichtig, dass ein Mädchen kochen kann oder Socken stopfen. Die Haustreppe auf Hochglanz zu bohnern war wichtiger als Bücher zu lesen oder zu lernen. Es war ein Segen, dass ich Lehrer hatte, die mich in ein Internat geschickt haben.

Und mein Vater? Er hatte seine Ausbildung an einer kaufmännischen Schule geschmissen, war zur Stadtpfeife gegangen und von seinen Eltern darum enterbt worden. Er war ein begnadeter Musiker, der nach dem Krieg seine Familie nicht ernähren konnte. Malen, schreiben, musizieren waren für meine Eltern brotlose Künste. So etwas durfte bei mir nicht gefördert werden. Als uns eine ältere Dame ein Klavier schenken wollte, lehnten das meine Eltern ab. „Ein Staubfänger kommt mir nicht in die Bude“, sagte meine Mutter und mein Vater hätte wahrscheinlich gerne das Wort „Klavier“ aus dem Duden streichen lassen, damit ich es nie sehe.

Warum ich darüber schreibe?
Jeder kleine Mensch und auch die Großen sollten immer unterstützt werden bei der Suche nach Kreativität und eigenen Talenten. Jeder. Immer. Zu Hause, in der Schule, in Weiterbildungen. Es reicht nicht, Wissen in die Köpfe „zu treten“. Man muss es auch mit Lust verarbeiten wollen und darüber hinaus gerne leben. Dafür braucht es Bedingungen. Die Hände zu beschäftigen, beide Hirnhälften zu trainieren, sind dafür ganz gute Voraussetzungen.

Vor Jahren schickte mir ein lieber Mitblogger ein Grafiktablett. Und weil es nun einmal da war, fing ich an zu zeichnen. Grafikprogramme hatte ich bisher nur unterrichtet. Jetzt bekamen sie einen ganz neuen Stellenwert bei mir. Lieber Barry, ich bin dir sehr dankbar.
Und meine Tochter schickte mir vor einigen Tagen Farben, weil ich für meine verstorbene Katze einen Stein bemalen wollte. Das sind kostbare Geschenke für mich, weil es mir nicht immer möglich ist, das zu kaufen, was ich gerne ausprobieren würde.
Nun kann ich es.

einen Stein bemalen: mit Bleistift vorzeichnen

Einen Stein habe ich noch nie bemalt. Ich wusste bis jetzt nicht, wie Farbe und der Untergrund miteinander reagieren. Die ersten Objekte habe ich mit Bleistift skizziert und dann ging es auch schon los.
Ohne einen Pott Kaffee geht natürlich gar nichts. 🙂

einen Stein bemalen: der Anfang/ Grundieren

Die Einteilung, was zuerst gemalt wird, ist mit Pinsel und Farbe ganz anders als im Grafikprogramm. In Schichten und Ebenen zu denken ist da nicht schlecht.
Ich bin erstaunt, wie gut die Farbe den Stein abdeckt.

die ersten Blüte auf dem Stein

Der Anfang ist gemacht. Langsam werde ich kühner mit dem Pinsel und je lockerer die Hand arbeitet, um so besser gefällt mir das gezeichnete Objekt.
Die Farbe trocknet recht schnell. Man kann also recht recht zügig einen Stein bemalen.

Ich sitze am Fenster, schaue ab und zu nach draußen wie Schneeflocken langsam zur Erde sinken. Dann widme ich mich immer wieder meinem Stein. Schön ist es. Das kleine Glück möchte ich gerne festhalten.

 

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