Straßenbahngeschichten. Der zerrissene Faden.

Straßenbahngeschichten? Ja, gleich, denn heute war ich mit meinem Spinnrad auf dem Hackenporsche unterwegs. So geht der Transport auch mit der Bimmel ganz gut.

Aufregend ist es immer wieder sehr, wenn ich zu Veranstaltungen gehe. Zumindest für mich. Das ändert sich nie, glaube ich.
Heute waren viele Kinder gekommen zur Ferienveranstaltung in die Bibliothek Plagwitz. Wir haben zwei Gruppen gebildet. Die eine Gruppe hat sich mit Fingerhäkeln beschäftigt und wir haben gesponnen, von Schafen erzählt, Wolle kardiert … Dann wechselten die Gruppen. Herr Hanssen war ein toller Assistent.

Mich fasziniert es immer wieder, wie still die Kinder sind, wenn sie Wolle in der Hand haben. Ganz vorsichtig gehen sie zu Werke. Am Ende der Veranstaltung hat ein Junge sich am Spinnrad probiert. Er hat sich recht geschickt angestellt. Aber Kinder lernen schnell, wenn sie das wollen. Und wenn man sie lässt.

Straßenbahngeschichten: Mit dem Spinnrad auf dem Hackenporsche Schön war es in der Bibliothek. Die Gastfreundschaft der Mitarbeiter hat mir gut getan, genau wie mal wieder unter vielen Menschen zu sein. Dementsprechend gut gelaunt habe ich mich dann mit meinem besonders beladenen Hackenporsche wieder auf den Heimweg gemacht.

In der „Leipzscher Bimmel“ strahlte mich eine ältere Dame an als sie mein Gefährt mit dem Spinnrad sah.
„Sie kennen das, nicht wahr?“, fragte ich sie.
„Oh ja“, antwortete die Dame und lachte. „Wir Kinder haben unserer Großmutter immer heimlich den Faden zerrissen. Sie hat sich immer sehr gewundert, warum ihr das an manchen Tagen ständig passierte.“
Wir lachten dann alle beide und schwatzten noch ein bisschen. Als die Frau ausstieg, winkte sie mir fröhlich zu.

„Kuck mal!“, rief ein kleiner Junge. „Die hat eine Spindel.“
„Das ist ein Spinnrad“, sagte sein Vater.
Ich konnte nicht anders und begann in meinem Rucksack zu kramen. Ich zog die Handspindel heraus und zeigte sie dem kleinen Jungen.
Und was sagte der? „Cool.“

Meine Straßenbahngeschichten sollte ich öfter aufschreiben und vielleicht sollte ich meine Spinnstündchen in die Straßenbahn verlegen. Auf alle Fälle komme ich immer ganz schnell mit Menschen ins Gespräch, wenn ich meinen Krempel dabei habe.
Ach, es war ein rundum schöner Tag heute. Ich könnte das öfter haben. 🙂

12 Kommentare zu “Straßenbahngeschichten. Der zerrissene Faden.

  1. Schade das du so weit weg wohnst. Ich könnte dir bestimmt stundenlang zuhören, denn du hast viele interessante Dinge zu erzählen.
    Schade Schade …
    Auch ich wünsche dir noch viele solcher schönen Tage.

    1. Bei manchen Menschen, die ich über das Netz kennengelernt habe, bedauere ich das auch, dass sie so weit weg sind. Aber gut ist es, dass es sie gibt.
      Herzliche Grüße an dich, liebe Bärbel.

  2. Gudrun, am schönsten finde ich deinen Satz: „Meine Straßenbahngeschichten sollte ich öfter aufschreiben und vielleicht sollte ich meine Spinnstündchen in die Straßenbahn verlegen.“ – Einen extra Spinnwagen für Gudrun, das wäre doch ein Werbespruch – und ich kann mir vorstellen, dass es viele Neugierige und richtige Interessenten gibt, denn es ist ja doch eine ziemlich ausgestorbene handwerkliche Fähigkeit.
    Aber es ist doch noch gut, dass die Menschen wenigstens noch wissen, dass das ein Spinnrad ist – auch wenn es kaum einer bedienen kann.
    Ein frühes Gute Nacht sagt Clara

    1. Ich hirne schon so lange nach, wie ich mir Raum verschaffen kann oder ob ich den öffentlichen nutzen kann. Vielleicht kommt die zündende Idee noch.
      Liebe Grüße nach Berlin zu dir
      (Dort sind die einzelnen Haltestellen der Öffentlichen viel weiter entfernt. Da lohnt sich das. 🙂 )

  3. Es sind solche Tage und Begegnungen, die mich immer wieder Mut und Hoffnung schöpfen lassen, die meinen Glauben an das Gute und Schöne aufrechterhalten. Danke, dass du dieses Erlebnis mit uns geteilt hast.

  4. Hallo Gudrun, ich hätte mir das auch sehr gern mal angesehen. Zumal es in unserer Bibo war; das hätte prima gepasst. Leider hat mir Facebook erst heute den Post gezeigt. Total doof. Vor allem, wenn man bedenkt, daß FB doch angeblich alles über uns weiß. Lol. HG

    1. Ach. liebe Petra, das klappt bestimmt mal noch. Leipzig hat noch einige bibliotheken und ich bin bestimmt auch nicht das letzte Mal unterwegs gewesen. 🙂

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