Knast haben. Auf Spurensuche nach Redewendungen.

Redewendung: Knast haben

Da ruft mich mein Nordkind an und lacht.
„Hehe, mein Mann weiß nicht was das ist, ‚Knast haben‘.“ Gut, dass es aufgeklärt wurde. Stellt euch mal vor, das Töchterchen hat einfach nur Hunger, er aber glaubt, sie fühlt sich eingesperrt.

Ich habe sofort Umfragen gestartet, bei Freunden, bei den anderen beiden Kindern. Die wussten das alle. Und das ist auch kein Wunder.
„Knast haben“ ist ein Ausdruck, der nur im Osten Deutschlands gebräuchlich zu sein scheint. Und nein, mit der DDR hat das nichts zu tun. Er ist älter. Ich wusste gar nicht, dass wir das bei uns zu Hause gebraucht haben. Das muss aber so gewesen sein. 🙂

Wie dieser Ausspruch entstand, konnte ich nicht herausfinden. Vermutungen gibt es allerdings viele und eine Verbindung zum „Knast“ wird auch fast immer hergestellt. Ich habe natürlich auch im etymologischem Wörterbuch der deutschen Sprache, im „Kluge“, nachgeschaut. Es war nur das Wort „Knast“ zu finden, welches aus dem Westjiddischen (knass ‚Geldstrafe‘; knassen ‚bestrafen‘)* stammt. Wer weiß? Vielleicht musste jemand zur Strafe ohne Essen ins Bett. Er hatte dann wohl ordentlich Knast.
Mein Opa saß in seinen jungen Jahren immer mal ein, u.a. weil er Streikbrecher … Ach lassen wir das. Fakt ist, dass er in dieser Zeit nicht arbeiten konnte und seine Frau und die beiden Kindern nichts zu essen hatten. Sie hatten eben Knast und zwar alle.

Ich finde es immer interessant, Wortherkünfte zu ergründen oder wie manche Redewendungen zustande kamen und wo sie gesprochen werden. Eigentlich haben wir eine so schöne, bildhafte Sprache.
Mit dem Töchterchen zu schwatzen, ist immer ein Vergnügen. Und einen guten Nebeneffekt hatte es auch noch: Ich schreibe an meinem Buch weiter. Manchmal muss man über Blockaden und eigene Hemmungen einfach reden dürfen.

Redewendung: Knast haben

*Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 2011 Walter de Gruyter GmbH &C0. KG, Berlin/Boston, S.505)

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