Ein schöner Tag und am Abend ein trauriger Tatort.

Das Frühlingswetter gestern war genau richtig um einen Garteneinsatz zu machen. Dass es am Abend noch Tränen geben sollte, weil es ein trauriger Tatort war, denn ich zu sehen bekam, wusste ich erstmal nicht.

Ich lasse ja immer alles Abgeschnittene von den Herbstblumen auf den Beeten liegen zum Schutz der Pflanzen und von allerlei Kleingetier. „Gebohnerte“ Beete wird man bei mir nicht finden. Jetzt aber war die Zeit gekommen, das Zeug zu zerschneiden und zu kompostieren.
Hehe, das war ein ordentlicher Berg, den ich da zusammen getragen hatte.
Dann begann die Schnippelei. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das schaffe an einem Nachmittag. Hab ich aber! Und weil ich mal daran gedacht habe, Gartenhandschuhe gleich anzuziehen, blieben diesmal meine Hände ohne Schäden.

Schön war es im Garten. Warm war es und alle Vögel, die wir im Winter gefüttert haben, scheinen da gewesen zu sein. Ein Gezwitscher war das! Wir füttern immer noch, denn Insekten und Würmchen sind noch keine in der Erde, aber die Balzzeit schon im vollen Gange.
Fotos habe ich keine gemacht. Frühlingsfotos gibt es genug im Netz und viel bessere als ich sie machen kann. Ich hatte nicht mal das Handy mit. Gut so, denn es ist einfach nur schön, zu sitzen, zu hören und zu riechen.

Mit solchen Momenten versuche ich ungute Gefühle auszugleichen. Was einige Minister von sich geben, die noch nicht mal im Amt sind, treibt mir die Zornesröte ins Gesicht. Überheblicher und zynischer geht es nicht mehr. Tja, erst die verbalen Entgleisung des zukünftigen Gesundheitsministers und dann ein trauriger Tatort am Abend. Vielleicht hätte ich den lieber nicht sehen sollen, denn ich wusste gar nicht, dass ich so viele Tränen habe. Noch nie hat mich ein Tatort so ergriffen.
Wisst ihr, ich habe große Angst, dass ich eines Tages auch sagen muss: Ich kann mir das Leben nicht mehr leisten.

Ich habe mich dann erstmal wieder hinter meiner Wolle verkrochen. Das funktioniert eigentlich ganz gut, um wieder zur Ruhe zu kommen. Ich muss nur aufpassen, dass ich mich nicht immer weiter zurückziehe.
Das, was ich gerade mache, ist nur das Vorgeplänkel zu einem größeren Wollprojekt. Eine Übung, so zu sagen.

Stege stricken

Es sieht komisch aus, nicht wahr? Aus diesem Gestrick soll ein gezopftes Stirnband entstehen. Dreimal Anlauf habe ich genommen. Das erste Mal war es zu breit, beim zweiten Mal war es zu schmal. Es war fast nach dem Motto: Dreimal abgeschnitten – immer noch zu kurz. Nun passt es und wird gut. Ich zeige es, wenn es fertig ist. Einen großen grünen Knopfmuss ich noch besorgen.

Wollt ihr schon mal sehen? 🙂

gezopftes Stirnband

 

18 Kommentare zu “Ein schöner Tag und am Abend ein trauriger Tatort.

  1. Jener Fastminister bringt mich auch auf die Palme. Nur sage ich mir dann wieder, dass ist ja zweck solcher Äußerungen. Wir sollen uns an diesen Oberflächen abarbeiten, sollen nicht nach Alternativen Ausschau halten. Die sind so laut, damit man die anderen Stimmen nicht hört. Daher konzentriere ich mich lieber darauf, was Prof. Christof Butterwegge, Inge Hannemann und noch einige zu sagen und zu schreiben habe.

    1. Ich lese das auch. Leider heißen die Minister nicht Butterwegge und Hahnemann.
      Solch populistisches Gelaber der alten, neuen Führungsriege macht mich einfach wütend.

  2. Ich hab auch Angst, wie das finanziell noch weitergehen soll. Es klemmt so schon dauernd und … lassen wir das. Ja, die Politiker sollten mal ein paar Monate oder mal ein Jahr in unserer Haut der kleinen einfachen Leute stecken. Dann reden wir wieder. Liebe Grüße Ellen

    1. Ich habe auch Ängste, liebe Ellen. Und es ist niemend da, mit dem man darüber reden kann. Die meisten wollen so etwas gar nicht hören, denken, man ist selbst Schuld. Und man will ja auch seiner Umwelt nicht dauernd auf den Wecker gehen.
      Ich drück dich mal aus der Ferne.

  3. Den Tatort fand ich insgesamt ganz gelungen, allerdings in der Zusammenballung doch etwas zu dick aufgetragen.
    Im Prinzip hätte mir gereicht, wenn sie eine der Geschichten – am Besten die des alten Ehepaares – weiter ausgeführt und den Schmus mit dem käuflichen MDK-Gutachter weggelassen hätten

    1. Das finde ich nicht. Wie will man denn eine einzelne Tat beurteilen, wenn das ganze System krank ist?
      Ich mag nicht darüber nachdenken, wie es mir in zehn Jahren gehen wird. Und am Ende bleibt Schulterzucken.

  4. Liebe Gudrun,
    das Stirnband wird richtig chick!
    Du beschreibst so schön deine kleine Naturoase. Vielleicht können wir die mal gemeinsam besuchen, das wünsche ich mir.
    Diese Äußerung bezüglich Harz 4 macht mich sprachlos. Wer kann sich denn darüber ein Urteil erlauben, der nicht mit so wenig Geld haushalten muss?
    Tatort schau ich nicht, das tut meiner Seele nicht gut.
    Liebe Grüße von Beate

    1. Klar, den Garten besuchen wir. 🙂
      im Moment ist es noch ein bisschen mager, was zu sehen ist, aber es spitzt schon vieles. Bei jeder Pflanze freue ich mich, so als würde ich einen guten Bekannten treffen.
      Liebe Grüße an dich.

  5. Hallo Gudrun, das war wirklich ein sehr bewegender Tatort. Ich habe ja eine gleichaltrige Freundin in Hamburg, die schon eine sehr fortgeschrittene Alzheimerkrankheit hat. Aber sie ist sehr, sehr wohlhabend und kann sich eines der besten Heime leisten.
    Wenn du das mit dem „nicht leisten können“ in Bezug auf Gesundheitsausgaben meinst, dann muss ich nochmal fragen, ob du die Chronikerbescheinigung vom Arzt hast, so dass du nur 1 % des Bruttoeinkommens bezahlen musst. Als ich noch Hartz IV bekommen habe, konnte ich nach ca. 4 Monaten bei der Kasse abrechnen und habe dann den totalen Befreiungsausweis bekommen. Das hat sich auch auf Zuzahlungen beim Zahnarzt als Härtefallregelung ausgewirkt. – Es wirkt sich aber nicht auf solche Sachen aus, die keine Kassenleistungen sind, sondern die sogenannten „IGEL“ oder wie die heißen.
    Liebe Grüße von mir

    1. Der Satz war eine Aussage im Film auf die Frage „Warum“.
      Das alles hat nichts mit meiner derzeitigen Situation zu tun. Mir geht es gut. Aber, was wird in zehn Jahren sein oder dann, wenn ich Hilfe brauchea?

      Liebe Grüße an dich, liebe Clara.

  6. Ich schaue keinen Tatort und kann da nicht mitreden. Ich mag sowieso keine traurigen oder grausamen Filme. Bei mir muss immer alles gut ausgehen, sonst beschäftigt es mich zu sehr. Habe als Kind z.B. mal das Märchen mit der kleinen Meerjungfrau gesehen und fand es so traurig, dass ich nie wieder was davon hören wollte oder gar noch mal sehen.
    Hab einen guten Abend liebe Gudrun.

    1. Zu Beginn hab ich überlegt, ob ich den Film mir ansehe. Irgendwie hat es mich dann nicht mehr los gelassen. So ist das manchmal. Ich wünschte mir so gerne eine heile Welt. Aber sie ist es leider nicht.
      Liebe Grüße in die Aue.

  7. Nachdem ich Deine Post gelesen habe, habe ich über die Mediathek nun eben den Tatort geschaut. Natürlich ist es geballt, wie das eben bei einem Film so auch handgehabt wird. Allerdings muss ich sagen, es hat auch mich zutiefst berührt.
    V.a. aber die Tatsache, dass mich manches daran erinnert, weshalb ich nicht mehr in gewissen Bereich arbeiten möchte. Ich habe in den einzelenen Heimen so Manches erlebt. Heime mit Bestnoten waren die Schlimmsten. Dort ging es nur ums Geld und nicht um Versorgung. Ich habe erlebt, dass die alten Leute mit Beruhigungsmitteln abgefüllt wurden bis zur Halskrause. Als dann plötzlich eines Tages als ich als Therapeutin den Raum betrat, feststellte: heute sind alle sehr unruhig und heute ist das mind. fünfache an Pflegepersonal da, die sich liebevoll kümmern……. An diesem Tag wurde das Heim überprüft!!!!!! Die Unruhe war der Entzug der Medikamente! Die Patienten waren wach und voll Unruhe.
    Ich habe mich schon mit Heimleitungen damals angelegt, weil mir schwere Mißstände begegneten von denen ich nicht schreibe. Nur soviel, die Bilder trage ich noch heute in mir. Das grenzt schon an Verwahrlosung und menschenentwürdigendem Dahinvegetieren. Und die Einschüchterungsversuche der Heimleitung mir gegenüber waren massiv. Ich wurde abgepasst und im Personenverhältnis 6:1 verhört und muss schon sagen, es grenzte an Bedrohung.
    Auch begegnete mir manch hilflose Helfer. Personen die gerne geholfen hätten, aber das System dies verboten hat. Man kann nicht alle über den gleichen Kamm scheren, das ist mir klar. Ich habe auch andere Heime erlebt, die ich sehr lobend erwähnen kann. Heime in denen sich wirklich gekümmert wurde. Dort arbeiteten auch die Helfer gerne.
    Doch die Mißstände gibt es tatsächlich. Ich habe sie mit eigenen Augen gesehen. Ich kann nur sagen: ich finde es sehr mutig, einen solchen Film zu drehen. Auch eine Art der Bewältigung um mit gewissen erlebten Situationen fertig zu werden.
    Trotz allem. Dieser Film rüttelt an den Grundfesten der Gesundheitslobbyisten und das ist gut so.

    1. Ich weiß, diese elende Situation belastet auch Pflegekräfte. Ich glaube dir gern, dass manches sehr zermürbend sein kann. Vielleicht kannst du das Erlebte ein Stücke weit wegdrängen. Ich würde mir es wünschen, denn du bist eine gute Therapeutin mit ganz tollen Ansätzen und Ideen. Es wäre schade, wenn das verloren gänge.
      Ich schicke dir ganz liebe Grüße, liebe Martina.

Comments are closed.