Fast wie an einem Sommertag. Und ohne Netz.

Im Leipziger Auwald und im Gastgarten war es fast wie an einem Sommertag. Ich darf gerade nicht in der Sonne sein, aber mit ordentlich Sonnenblocker auf der Haut, habe ich es dann dennoch gewagt.
Ein Wochenende (fast) ohne Internet! Genossen hab ich das, weil es mich von vielem abhielt, was mich eigentlich nur belastet, ausbremst, traurig macht. Ich mag die Hass- und Wuttiraden nicht und auch nicht, wie sich „seriöse“ Medien darauf einstellen und Vermutungen, Nichtbewiesenes u.ä. berichten. Nö! Das muss ich mir überdies nicht geben. Hätte, wäre, könnte war noch nie sehr vertreten in meinem aktiven Wortschatz.

Im nahen Auwald ist gerade Bärlauch-Zeit und ich habe mir welchen zum Verarbeiten geholt. Ein Pesto will ich wieder machen und zusätzlich noch Würzpaste, die man lange im Kühlschrank lagern kann. Wie das duftete im Wald! Vielleicht verhilft mir der Bärlauch wieder zu neuem Appetit. Ich mag ihn nämlich sehr.
Draußen, in der Natur, fühle ich mich unglaublich wohl. Schon als Kind habe ich mich oft auf meine Wiese geflüchtet. Die Sonne hat mich gewärmt, Schmetterlinge und das Gesumm der Wildbienen hatben mich getröstet, ein Kranz aus Wildblumen ließ mich schön aussehen. Nun gut, heute überlege ich mir, was ich mir mitnehmen kann von den Schätzen der Natur. Ich möchte nicht, dass altes Wissen verloren geht und wirtschaften hilft es mir darüberhinaus auch noch.

Die Karin Braun hatte mir ein Video geschickt, in dem jemand Fasern aus Brennnesseln gewinnt und verspinnt. Mit Flachs hatte ich so etwas schon mal probiert. Als der aber nach der Ernte auf der Wiese zur Rotte lag (manche sagen auch Röste und rösten kommt von verrotten), da kam der Gartenbesitzer mit dem Rasenmäher und alles war gehäckselt. Diesmal werde ich die Brennnesselstengel kennzeichnen und schützen. ungeachtet der Umtriebigkeit des Gartenbesitzers will ich die Nesselfasern haben.

„Was soll der Quatsch? Es ist doch viel zu zeitaufwendig und Stoffe gibt es doch so billig zu kaufen.“
Ich höre den pessimistischen, erbsenzählenden Gartennachbarn schon wieder reden. Er wird es sich nicht verkneifen können. Ach, wenn ich immer auf andere Leute gehört hätte, dann wäre ich schon untergegangen.
Zeit habe ich doch. Und wenn alle am Abend im Garten sitzen und schwatzen oder wenn die Mittagshitze einen kaum etwas tun lässt, dann kann ich Fasern aus verrotteten Brennnesseln zotteln und kardieren. Ich will wissen, wie es geht und wie man es macht.

Nach der Bärlauchernte war ich noch im Gastgarten. Mein Schultertuch habe ich fertig gestrickt. Meine Freude ist groß, dass es so gut geworden ist. Ich habe noch Wolle übrig und überlege, was ich noch daraus machen kann. Auf alle Fälle wird das Tuch eine liebe Person daran erinnern, dass es immer Momente fast wie an einem Sommertag gibt. Ich habe das mit eingestrickt.

2 Kommentare zu “Fast wie an einem Sommertag. Und ohne Netz.

  1. Gerade heute habe ich auch wieder gedacht, wie negativ und pessimistisch alles an Infos und Nachrichten im Netz überall ist. Und wie einem ständig Angst und oder ein schlechtes Gewissen gemacht wird, egal um was es geht … Bleibe wie du bist und mach all das, was dir gut tut und wertvoll ist, nicht ganz verloren zu gehen.
    Liebe Grüße Ellen

    1. Genauso sind meine Gedanken auch, liebe Ellen. Und manchmal brauche ich dann meine Rückzugsorte und vertraute Personen.
      Danke für deinen Zuspruch.
      Liebe Grüße an dich.

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