Angst und wie ich sie überwinden werde.

Da ist sie wieder, eine Angst, wiewohl ich dachte, dass ich sie nicht mehr haben muss.
Seit der vierten Klasse in der Grundschule war ich aktiv bei den jungen Sanitätern. Ich fand das gut, helfen zu lernen und zu können. Später, während der Abizeit, war ich in einem Rettungszug, machte ich eine Ausbildung zum Krankenpflegerhelfer und arbeitete in den Ferien im Krankenhaus. Dort lernte ich Demut und die Achtung vor den Menschen. Und ich fand das gut.

Irgendwann änderten sich die Inhalte der Aus- und Weiterbildung. Im Folgenden brachte man uns bei, wie man Schutzanzüge anzieht und nach Einsätzen wieder aus. Wir lernten, mit Messgeräten umzugehen, die die Radioaktivität in der Luft und im Boden anzeigte und die die Grundlage für Berechnungen war, wie lange und wohin wir gehen durften. Man zeigte uns Filmmaterial mit Verletzungen, die zu erwarten sind und – das empfand ich als das Schlimmste – wie wir die Verletzten auswählen mussten, die in die Sanitätsräume zu transportieren waren. Die anderen, die …

Nein, Schluss!

Damals war ich mitten im kalten Krieg angekommen und ich hatte Angst, große Angst. Und jetzt fühle ich wieder ähnlich. Dieses Säbelrasseln, das Suchen, nach Anlässen loszuschlagen, das Pöbeln und Gemotze auf allerhöchster Ebene. Bis vor Kurzem dachte ich, die Wende wird zum Beispiel, wie es ohne Gewalt und ohne aufeinander zu schießen Lösungen geben kann. Habe ich mich so sehr geirrt?
Ich will mich nicht hilflos der Angst ausliefern. Wir brauchen wieder eine starke Friedensbewegung.

Was zermartere ich mir eigentlich das Hirn? Zu tun habe ich doch jede Menge. Ich bereite mich auf das Wollefärben vor, habe die letzte weiße Milchschafwolle gezupft, kardiert und versponnen. Ich will mit Pflanzen färben, so wie man es schon im Mittelalter gemacht hat, mit Ruhe und mit Bedacht. Schnell geht da gar nichts, aber bewährt hat sich das allemal. Die Pflanzen sammele ich, Alaun und Eisensulfat bestelle ich noch.
An meinen Buch arbeite ich weiter. Die Software zur Erstellung des ebooks habe ich aktualisiert. Beim Thema Wolle bleibe ich, denn mittlerweile habe ich mir jede Menge Wissen angeeignet. Das lasse ich mir nicht nehmen.

Bei Twitter gibt es mich nicht mehr. Ich habe nichts zu sagen. Und bei fb gibt es nur noch die Gudrun, weil ich den Kontakt zu ganz lieben Menschen nicht verlieren möchte. Die Spinnradgeschichten kann man nur noch hier im Blog lesen und auch da werde ich einiges ändern.

Es belastet mich so einiges in der letzten Zeit, aber der Angst entgegnen kann ich nur, indem ich tätig bin. So wie ich es kann und so, wie ich etwas zu geben habe. Ich glaube, das ist das beste Rezept für Leben. Mein Leben.

14 Kommentare zu “Angst und wie ich sie überwinden werde.

  1. Gudrun, du weißt, dass du mit deiner Angst nicht allein bist. Meine Angst wird lediglich durch mein Alter ein wenig im Zaum gehalten – aber es gibt ja so unendlich viel junge Leute, um die ich Angst habe.
    Ganz lieben Gruß schickt dir Clara

    1. Nein, liebe Clara, wahrscheinlich bin ich nicht alleind mit meiner Angst. Es gäbe genug zu tun, aber da ist diese elende, lähmende Angst. Ich bin kein überängstlicher Mensch, aber ich fühle mich so ausgeliefert den Machtspielchen einiger Größenwahnsinniger. Schon wieder mal. Oder immer noch? Das macht mich so wütend.
      Ich schick dir liebe Grüße.
      In diesem Sommer will ich es nach Berlin schaffen.

  2. Du machst das richtig und gut. Und jeder muß irgendwie mit der Angst leben lernen. Und jeder kann im Kleinen etwas Gutes tun. Ganz liebe Grüße Ellen

  3. Wir dürfen einfach nicht die Hoffnung und den Mut verlieren. Ich bin weitestgehend zum Nichtstun gezwungen. Manchmal sind dadurch die Gedanken unerträglich geworden.
    Du gehst den richtigen Weg für dich. Mache bitte weiter so.
    Liebe Grüße von mir zu dir.

  4. Ach Gudrun. Ich trau mich nichtmal, über diese Angst zu schreiben …

    Aber diese Politikerdarsteller, und zwar sowohl das Orange Meerschwein als auch all die anderen Weltpolizisten und gleich gar die Berliner Kaspertruppe: Denen ist der Menschenverstand erkrankt oder abhandengekommen.

    Fühl Dich umarmt.

    1. Ich überlege immer lange, ob ich etwas schreibe zu solchen Themen oder nicht. Schweigen ist aber auch nicht gut. Den Beitrag habe ich vor den Luftangriffen veröffentlich. Ich habe gefühlt, dass so etwas kommt. Sogar die Nachrichtensprecherinnen hatten einen harten Ton in der Stimme.
      Früher habe ich meine Oma und meine Mutter mit Fragen gelöchert. Jetzt ist es wahrscheinlich an mir, zu erzählen. Ich renne ja schon ein Weilchen auf dieser Erde herum und habe einiges erlebt.
      Danke für’s Drücken. Das hat jetzt gut getan.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.