Ich färbe. Zuerst einmal mit Birkenblättern.

Ich lese gerade in einem geliehenem Buch, „Textilfärben für jedermann“ von Barbara Bräuer. Ich mag die alten Bücher vom Fachbuchverlag Leipzig sehr gern, weil da wirklich geballtes Wissen, gut aufbereitet und klar strukturiert, aufgeschrieben steht. Seit einiger Zeit war es angedacht, jetzt ist es beschlossen: Ich färbe.

Mich interessieren besonders die Abschnitte, in denen es um das Färben mit Naturmaterialien geht. Das Färbegut sind Wolle, Baumwolle und Seide und gefärbt wird vor allem mit Pflanzen und Früchten, wie sie eben bei uns in Mitteleuropa so wachsen.

Mit meiner Sammelwut an Birkenblättern habe ich schon einige Freunde verrückt gemacht. Natürlich räumt man keinen Baum ab, nimmt nur einige wenige Blätter. Und so kann es dauern, bis die notwendige Menge zusammen ist.
Gestern klingelte meine ehemalige Nachbarin vom Dörfchen bei mir. Sie brachte mir einen Tüte voll getrockneter Birkenblätter. Ich glaube, das gibt es nicht oft, dass der Maibaum abgepflückt wird, ehe er abtransportiert werden darf. Beate war für mich auch sammeln, in der Pfalz. Ich glaube, das wird ein richtig guter „Einheitsbrei“.

Erstaunlich, das Färben ist eines der ältesten Gewerbe und so wie das vor vielen, vielen Jahren gemacht wurde, funktioniert das immer noch. Ich werde das auch wieder so machen, in Ruhe und mit Bedacht und ohne giftige Chemie. Ich färbe meine selbstgesponnene Wolle, aber auch mal Flächen.
Anfangen werde ich mit den Birkenblättern. Damit kann man schon viel machen und auch das Farbergebnis unterschiedlich beeinflussen, durch Beizen oder Zugabe von Eisensulfat z.B., gezieltes Tauchen im Färbebad oder durch Abbinden eines Teils des Materials.
Ich schätze, dass ich schon irgendwann noch bei vergorenem Färberwaid ankommen werde, aber wahrscheinlich erst im Herbst, wenn in der Gartenanlage kaum mehr einer ist. (Die Leipziger Färberstraße war im Mittelalter auch außerhalb der Stadtmauern.)

Spannend ist das.
Wenn ich werkele, wenn ich färbe, dann stelle ich mir das Leben anno dunnemals vor. Und ein ganz klein bisschen ist es, als wäre ich genau mittendrin. Vielleicht sollte ich das aufschreiben, was ich empfinde, mir vorstelle, höre und rieche. Interessant ist, dass bestimmte Prozesse beim Färben überall fast gleich abliefen. Wie ähnlich wir uns doch sind. Auch wenn wir an unterschiedlichen Orten wohnen.
Nur ist es jetzt so, dass manche traditionelles Handwerk längt vergessen haben und andere immer noch davon leben müssen. Eine Ahnung beschleicht mich, dass das nicht gut gehen kann.

Meine Wolle, die ich für ein besonderes Projekt brauche, ist mir zu dick geraten. Also spinne ich mal Dünnere, damit ich wirklich bald sagen kann: So, ich färbe und bin mal wieder für ein Weilchen weg.

Ich färbe meine gewaschene und kardierte Wolle
PS: Meine Bienchenwiese im Balkonkasten fängt an zu blühen und siehe da, ich bekomme Dinner-Gäste.